Eine politisch orientierte Stadtrundfahrt

Bild vom Amtssitz der Kanzlerin
Der Amtssitz der Kanzlerin

Unter den Linden begann die Stadtrundfahrt „orientiert an politischen Punkten“. Sie führte zum Reichstag und vorbei am Kanzleramt sowie am Amtssitz des Bundespräsidenten, wo die Fahne gehisst war. Jenseits der Spree sahen wir unter anderem das Museum Hamburger Bahnhof, das Wirtschaftsministerium, das Verkehrsministerium und das Naturkundemuseum.

Es folgten in der Bernauer Straße die Mauergedenkstätte. In der Mohrenstraße sahen wir das Justizministerium und in der Friedrichstraße/Ecke Zimmerstraße das Haus am Checkpoint Charlie, dem einstigen Grenzübergang der Alliierten. Danach ging es weiter zum Ministerium der Finanzen sowie dem Sitz des Bundesrats und endete am Willy-Brandt-Haus in der Stresemannstraße.

Margret


Das Willy-Brandt-Haus in Berlin

Die Wandelhalle im W. Brandt-Haus
Die Wandelhalle

Die erste Station nach der einleitenden Stadtrundfahrt war das Willy Brandt Haus. Es liegt im traditionellen Arbeiterstadtteil Kreuzberg. In der Nähe lag auch die alte SPD-Zentrale, die von den Nazis 1930 übernommen und im Krieg zerstört wurde. Der Entwurf des Gebäudes war ursprünglich für ein Geschäftshaus gedacht, daher die hohen Freiräume und die Transparenz des Gebäudes. Der Architekt Helge Bofinger hatte das Gebäude im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (1984/87) geplant. Es wurde damals aber nicht gebaut. Als die SPD ihre Zentrale von der alten Baracke in Bonn nach Berlin verlegte, fand sie dieses Grundstück und den dazugehörigen Plan. Der Entwurf wurde mit wenigen Änderungen übernommen.

Brandt-Plastik
Die Willy-Brandt-Plastik

Das Haus ist sehr hell, lichtdurchflutet, viel Glas, Stahl und Metall und war von Anfang an als offenes Haus gedacht. Im Erdgeschoß, in dem riesigen Atrium, steht unübersehbar die 3.40 Meter hohe Plastik Willy Brandts des Künstlers Rainer Fetting. Man kennt sie aus vielen Veröffentlichungen, wenn über Pressekonferenzen und Mitteilungen der SPD berichtet wird.
Eine Mitarbeiterin informierte uns über das Haus, die Architektur und die Plastik von Willy Brandt.
Sie machte uns auf Details aufmerksam, so hatte der Künstler auf den Fingern von Willy Brandt anstelle der Fingernägel Münzen aufgebracht - warum auch immer. Die Plastik zeigt in ihren unmaßstäblichen Proportionen (viel zu großer Kopf und zu lange Arme) doch die typischen Merkmale und Gesten von Willy Brandt. Sie sind nicht idealisiert, nicht naturalistisch und doch sehr typisch für Willy Brandt.

Gruppe vor Brandt-Plastik
Gruppe vor Brandt-Plastik

Ein kleines Geschenk des Hauses, das sich sehr bemüht um uns zeigte, war ein Gruppenfoto vor der Plastik von Willy Brandt. Endlich haben die Dauerfotografen auch mal ein Bild von sich. Es wurde noch während der Sitzung verteilt.

Im Sitzungsaal
Im Sitzungsaal

Das Haus beherbergt im ersten und zweiten Geschoß Büroflächen für externe Unternehmen und Institutionen. Die weiteren 4 Etagen hat die SPD belegt, sie sind dem SPD Vorstand und den Mitarbeiterinnen vorbehalten. In der 5. Etage residiert der Parteivorsitzende und in der 6. Etage befindet sich der große Präsidiumssaal, dessen halbrunde Glasfront den Blick nach Kreuzbergs Süden freigibt. In einem der Sitzungssäle erhielten wir, bei Kaffee und Keksen, von einem Referenten Informationen über die inhaltlichen Arbeiten des Hauses, die einzelnen Funktionen, Abteilungen und Ressorts. Er hatte Mühe, in der kurzen Zeit die vielen Fragen zu beantworten.

Der Kunst wird im Willy-Brandt-Haus ein hoher Stellenwert beigemessen. Mit der "Willy-Brandt-Skulptur", der "Geschichtswand" und der "Sammlung im Willy-Brandt-Haus" wird die Verbundenheit zur sozialdemokratischen Geschichte und Idee unterstrichen.
Im Atrium und auf weiteren Galerieflächen lädt der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e.V. regelmäßig zu internationalen Kunstausstellungen ein. Erst kürzlich war eine Ausstellung des Willy Brandt Hauses über verfemte Künstler in Lübeck. Sie wandert zur Zeit durch die ganze Bundesrepublik.

Axel

Der Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße

Abfertigungsschalter
Abfertigungsschalter

Hier wurden einst beim Abschied viele Tränen vergossen. Der treffsichere Berliner Volksmund nannte den Bau, an dem so viele schmerzliche Erinnerungen haften, den Tränenpalast. Der Name stammt aus der Zeit der Teilung Berlins durch Betonmauer und Wachttürme. Der Tränenpalast war damals der Kontrollpunkt für Westberliner, die – nur mit einem Tagesvisum ausgestattet - nach dem Besuch ihrer Angehörigen und Freunde in Ostberlin mit der Bahn zurück in den Westen fahren mussten. Vor dem Kontrollpunkt gab es dann oft einen tränenreichen Abschied.

So sahen die Kontrollen aus
So sahen die Kontrollen aus

Im Tränenpalast befanden sich die Kontrollen und Abfertigungsschalter der DDR-Grenztruppen. Oft bildeten sich wegen der umständlichen und scharfen Kontrollen lange Warteschlangen. Das damals durch einen Gang mit dem S-Bahnhof Friedrichstraße verbundene Gebäude durften die Ausreisenden erst nach Kontrolle ihrer Ausweise betreten. Dort erfolgten an zehn Schaltern Ausweis-, Zoll- und Gepäckkontrollen. Die vom Einreise-Umtausch übriggebliebene Ostmark durfte nicht in den Westen mitgenommen werden.

Hier durften nur „Westbürger“ einreisen
Hier durften nur „Westbürger“ einreisen

1993 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und 2011 als Erinnerungsort und der ständigen Ausstellung „GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung“ eröffnet. Mit biografischen Beispielen, Originalobjekten und Zeitzeugeninterviews wird die Lebenssituation angesichts von Teilung und Grenze veranschaulicht. Zu sehen sind u.a. originale und rekonstruierte Abfertigungskabinen und die alten Hinweis- und Verbotsschilder.

Da sind auch bei unserer Gruppe manche Augen feucht geworden, so haben die geschilderten Schicksale beim Lesen der Berichte und Briefe berührt. Möge es so eine Einrichtung nie wieder geben.

Rainer

Alliierten-Museum

Die Bibliothek
Die Bibliothek

Ein letzter Höhepunkt und der Abschluß des Informationsbesuchs in Berlin war für die ViLE-Gruppe Lübeck, eine Führung durch das Alliierten-Museum. Es dokumentiert das Engagement und die Rolle der Westalliierten in Deutschland und Berlin in der Zeit von 1945 bis 1994 und ihren Beitrag zur Bewahrung der Freiheit Berlins.
Das Museum befindet sich in Dahlem auf dem Gelände der in Berlin stationierten Streitkräfte an der Clayalle und ist im früheren US-Kino “Outpost “ und der ehemaligen Nicholson-Biblothek untergebracht.

Ein Luftbrücken-Flugzeug
Ein Luftbrücken-Flugzeug

Berlin wurde nach Kriegsende eine Viermächte-Stast. In Ostberlin herrschten die Sowjets. Die drei Westsektoren wurden von den Siegermächten USA, Großbritannien und Frankreich besetzt.
Das Museum zeigt einen wesentlichen Teil der politischen und militärischen Geschichte des Kalten Kriegs, der Periode zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Beginn der 1990er Jahre.
Im ehemaligen Kino „Outpost“ – Außenposten - werden Landkarten von Berlin mit der Sektorenaufteilung, Bilder des Einmarsches in Berlin, Uniformen, erste Berliner Tageszeitungen, Entnazifizierungs-Dokumente, der Blockade Westberlins und der Opfer der britisch-amerikanischen Luftbrücke gezeigt.

Checkpoint Charlie von der Friedrichstraße
Checkpoint Charlie von der Friedrichstraße

Im Freigelände stehen die größeren Objekte, beispielsweise ein britisches Transportflugzeug der Berliner Luftbrücke, vom Typ  Handley Page Hastings. Es war nach der Wiedervereinigung im Zeichen der Entspannung von einem russischen Hubschrauber dorthin gebracht worden.
Auch das Kontrollhäuschen der Alliierten am Grenzübergang Friedrichstraße, der Checkpoint Charlie, zählt zu den Sehenswürdigkeiten des Museums.

Ein Wachtturm, wie er an der Grenze stand
Ein Wachtturm, wie er an der Grenze stand

Die originale Schlagbäume und die Wachtürme des einstigen militärischen Kontrollpunkts sind allerdings durch Nachbauten ersetzt worden. Auch ein kleiner Sektor der aus Betonfertigteilen errichteten Mauer. die West- und Ostberlin trennte, ist zu sehen. Die Dauerausstellung ist in zwei Abschnitte unterteilt, die räumlich auf die beiden Gebäude Kino und Nicholson-Gedenkbibliothek verteilt sind.
Im “ Outpost” werden die Jahre 1945 bis 1950 beleuchtet. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der Berliner Luftbrücke 1948/49. In der Bibliothek wird die Zeit von 1951 bis 1994 aufgezeigt. Hier konzentriert sich die Präsentation auf die militärischen Konfrontationen während des Kalten Krieges.
Ein sehenswerter Dolumentarfilm über die wichtigsten Ereignisse der turbulenten und zum Teil auch dramatischen Nachkriegsgeschichte Berlins wird bei den Führungen gezeigt. Das Museum hat ständig wachsende Besucherzahlen.

Gerd