Das tschechische Rentensystem

Das System der Alterssicherung in Tschechien gliedert sich in zwei Bereiche: Zum einen in ein umlagefinanziertes Rentensystem, zum anderen in ein ergänzendes kapitalgedecktes, staatlich gefördertes System. Bisher existiert in Tschechien keine betriebliche Altersvorsorge. Es gibt also, nach dem Terminus der EU, nur eine erste und eine dritte Säule der Alterssicherung.

Alle Erwerbstätigen sind pflichtversichert

Die erste Säule: In dem einheitlichen System sind alle erwerbstätigen Personen pflichtversichert, Angestellte wie Selbständige. Invalidität und Hinterbliebenenabsicherung sind mitversichert.
Die Beitragshöhe beträgt 28 Prozent vom Bruttogehalt, der Arbeitgeberanteil beträgt 21,5 Prozent, der Arbeitnehmeranteil 6,5 Prozent. Selbständige zahlen 28 Prozent vom „erklärten Einkommen“ (entspricht 40 Prozent der Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben). Bei den Selbständigen existiert eine Bemessungsgrenze i.H.v. knapp 15 000 Euro jährlich. Rentenalter.

Durchschnittliches Rentenalter 59

Ein Anspruch auf Altersrente wird nach 25-jähriger Versicherungszeit und dem Erreichen des Rentenalters erworben. Das Rentenalter beträgt bei Männern 61 Jahre und 4 Monate, bei Frauen ist das gesetzliche Rentenalter abhängig von der Zahl der großgezogenen Kinder: Bei 5 und mehr Kindern beträgt das Rentenalter knapp 56 Jahre, wurden keine Kinder großgezogen, beträgt es 59 Jahre und 4 Monate. Das durchschnittliche tatsächliche Rentenalter liegt derzeit bei 59 Jahren.

Am 6. August 2008 wurde eine Rentenreform vom Staatspräsidenten unterzeichnet. Damit wurde beschlossen, dass das Rentenalter in Tschechien nach und nach bis zum Jahr 2030 auf 65 Jahre angehoben wird. Nur Frauen mit mehr als einem Kind werden früher in den Ruhestand gehen können. Die Mindestversicherungszeit soll von 25 auf 35 Jahre erhöht werden. In Kraft treten soll die Reform ab dem 1. Januar 2010.
Es besteht die Möglichkeit der Frühverrentung (bei 25 Versicherungsjahren) mit Abschlägen bei der Rentenhöhe.

Die Leistungen

Das gesetzliche Sicherungsziel richtet sich nach dem Einkommen und ist auf Umverteilung und Einkommensgleichheit im Alter angelegt.

Die Leistungen sind entgeltbezogen und abhängig von der Versicherungsdauer. Dabei gibt es einen pauschalen Grundanteil von ca. 40 Euro monatlich, der ergänzt wird durch den Anteil, der sich aus der persönlichen Bemessungsgrundlage ergibt (richtet sich nach dem Einkommen) und der Anzahl der Versicherungsjahre. Die Mindestrente beträgt 64 Euro monatlich. Zu beachten ist, dass es, anders als beim deutschen Rentensystem, keine Höchstgrenzen, weder bei der Bemessungsgrundlage noch bei der Rente gibt. Allerdings werden nicht alle Einkommensteile in die Bemessungsgrundlage einbezogen: So wird bei der Berechnung der Rente bei einem monatlichen Einkommen von über 590 Euro der darüber hinausgehende Teil nur zu 10 Prozent in die Bemessungsgrundlage eingestellt. Das durchschnittliche tatsächliche Rentenniveau beträgt derzeit (2005) 57 Prozent (vom durchschnittlichen Nettogehalt). 1998 betrug es noch 61 Prozent.
Die Rentenhöhe wird einmal im Jahr in Höhe der Inflationsrate angepasst und zusätzlich teilweise orientiert an der Lohnsteigerungsrate.

Der Grad der Altersarmut ist relativ gering: Nur 4 Prozent der Rentner leben unterhalb der Armutsgrenze (unter 60 Prozent des Durchschnittseinkommens). Insgesamt beträgt der Anteil der unter der Armutsgrenze lebenden Tschechen 8 Prozent.

Kapitalgedeckte Altersversorgung

Die „dritte“ Säule: Die ergänzende kapitalgedeckte Altersvorsorge im Wege von Pensionsfonds, eingeführt im Jahre 1994, wird vom Staat gefördert und verzeichnet hohe Zuwachsraten. Auch wenn die derzeitigen Altersrenten noch zu 99 Prozent aus dem Umlagesystem finanziert werden, so steigt der Anteil der Zusatzrenten. Die Pensionsfonds unterliegen der Aufsicht des Finanzministeriums. Die Fonds sind verpflichtet, jedes halbe Jahr einen Bericht zu veröffentlichen über die Deckungsmittel und die Art und Höhe der Beteiligungen und Investments. Das Finanzministerium genehmigt in Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium die Pensionspläne.

Neben den staatlich geförderten Pensionsfonds existieren auch traditionelle Lebensversicherungsunternehmen. Die Aufsicht und Regulierung dieser Unternehmen unterliegt dem Finanzministerium und wird nach Maßgabe europäischer Vorschriften vorgenommen.

Zusammfassung: Das Rentensystem in Tschechien ist im Moment und für die nächsten Jahre noch stabil. Reformen in Richtung einer verstärkten Kapitaldeckung werden notwendig sein. Der demographische Wandel wird in Tschechien in großem Ausmaß stattfinden. Der Sektor der Kapitalgedeckten Vorsorge (gefördert und nichtgefördert) ist bisher nur sehr gering entwickelt, eine betriebliche Altersversorgung existiert bisher nicht.

(Quelle: Forschungsinstitut nestor, National Strategy Report on Adequate and Sustainable Pensions, Juni 2005, Deutsche Bank, Demografie Spezial, November 2002, MISSOC-Studie der EU, 2004, DIW-Discussion Paper No. 158, 1998, Die Rentenversicherung in der Tschechischen Republik, www.reformaduchodu)

Zurück