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Große Seen trocknen aus

Eine ganze Reihe von Seen dieser Welt steht gleich an zwei Fronten unter Druck: Die globale Erwärmung heizt sie auf, die zunehmende Bewässerung in der Landwirtschaft schöpft sie aus. So ist Mexikos größter See, der Lago de Chapala, auf ein Viertel seines einstigen Volumens geschrumpft. Dem Aralsee droht ein ähnlich elendes Schicksal, berichtete Dietrich Jörn Weder in der Berliner Zeitung.

Das Tyndall Centre für Klimafolgenforschung im britischen Norwich habe zwei Dutzend große Seen auf fünf Kontinenten im Auftrag des Global Nature Fund (GNF) in Radolfzell untersucht, der weltweit am Schutz von Seen arbeitet. Die Klimaforscher prognostizierten den Gewässern je nach geografischer Lage für dieses Jahrhundert eine Erwärmung zwischen 2 und 6 Grad Celsius.

Fast Badetemperatur im Baikalsee

Um 2 bis 3 Grad sollen sich der Tyndall-Studie zufolge die ohnehin wohl temperierten tropischen Seen, wie der Lake Victoria in Ostafrika, erwärmen. Für einige Gewässer in winters kalten bis sehr kalten Regionen - etwa dem sibirischen Baikalsee und dem estnisch-russischen Peipus See - sagt die Studie dagegen eine dramatische Erwärmung um etwa 6 Grad Celsius voraus. Damit käme ihr Wasser schon in die Nähe angenehmer Badetemperaturen. Den kältegewohnten tierischen Lebewesen des Sees wird das laue Wasser wahrscheinlich nicht gut bekommen. Einer der Hauptbewohner - ein Krebschen namens Epischura - braucht zum Leben kaltes Wasser. Zieht sich das Tier durch die Erwärmung von der warmen Oberfläche in die kalte Tiefe zurück, so müssen Fische und Robben hungern. Über die Nahrungskette sind sie wie die meisten Tiere im Baikal von dem Winzling abhängig.

Teilnehmer der internationalen Living Lakes Konferenz, die sich in der vergangenen Woche in Norwich trafen, halten die vom Tyndall Centre berechneten Klimafolgen für realistisch, heißt es weiter in dem Bericht. Viele der versammelten Gewässerschützer sprachen von einschlägigen Erfahrungen, die sie auf eine bereits eingetretene Erwärmung zurückführen.

Klimawandel am Bodensee

"Für uns am Bodensee hat der Klimawandel längst begonnen", sagte der dort beheimatete GNF Direktor Udo Gattenlöhner. "Nicht erst der letzte heiße Sommer mit Wassertemperaturen von bis zu 28 Grad an manchen Ufern hat uns gelehrt, was auf uns zukommen wird."

Mit einer vorausgesagten Erwärmung um gut 4 Grad Celsius kommt der Bodensee in der Tyndall Studie gemessen an den extremen Prognosen für den Baikal noch vergleichsweise glimpflich davon. Doch allein in diesem Sommer ist sein Wasserspiegel um einen Meter unter den Normalstand gesunken - ein für den September noch nie gemessener Wert. "Was wird erst sein, wenn die Alpengletscher so weit abgeschmolzen sind, dass es im Sommer keinen Wassernachschub mehr für den See gibt?", sorgt sich Gattenlöhner.

In Argentinien das Gegenteil

Nicht alle Seen auf der Welt werden durch den Klimawandel austrocknet - auch das Gegenteil ist möglich. Der Wasserspiegel der Laguna Mar Chiquita, des größten argentinischen Sees, ist infolge zunehmender Niederschläge im Norden des Landes in den vergangenen zwanzig Jahren um zehn Meter gestiegen. Der in Nord Süd Ausdehnung etwa 800 Kilometer breite agrarische Gürtel Argentiniens zwischen dem Atlantik und den Anden konnte um 200 Kilometer nach Westen ausgedehnt werden, berichtete Enrique Bucher, Direktor des Zoologischen Instituts der Universität Cordoba, in Norwich.

Pessimistische Modellrechnung

Der Hauptautor der Studie und Direktor am Tyndall Centre, Mike Hulme, rät den Anliegern aller untersuchten Seen, sich frühzeitig auf eine erhebliche Erwärmung des Wassers einzustellen. Die Verfasser des Berichts gehen in ihren Modellrechnungen davon aus, dass sich der Gehalt des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre bis zum Ende des 21. Jahrhunderts verdoppeln wird - eine durchschnittliche Annahme, die viele Klimatologen teilen.

Steigt die CO2-Konzentration nur um 50 Prozent, so fallen die vorausgesagten Erwärmungen der Seen um bis zu 40 Prozent geringer aus. Doch eine solche mäßige Erwärmung setzt einen sehr raschen Übergang zu einer kohlenstoffarmen oder sogar -freien Energieversorgung voraus. Darin müssten Sonne, Wind und Wasserstoff eine viel größere Rolle als heute spielen.

Ray Nobel, Leiter der Solarsparte der britischen Mineralölgesellschaft BP, sagte, dass sein Unternehmen heute schon mit Milliardeninvestitionen in Forschung und Entwicklung einer solchen Zukunft den Boden bereite. Freilich weiß man auch bei BP nicht, wann sich neue Energieformen durchsetzen werden.

Quelle: Berliner Zeitung 19.09.2003