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_ _ 1 Gründung
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_ _ 2 Festungszeit
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_ 3 Hansezeit
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_ _ 4 Neuzeit
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350 Jahre Stader Hansegeschichte

Im Jahr 1209 erhält Stade das volle Stadtrecht. Die Selbständigkeit einer Stadt beruhte neben dem Fernhandel und der persönlichen Freiheit der Bürger vor allem auf einer eigenen Gerichtsbarkeit. Dadurch wurde Stade in den Hansebund aufgenommen. Die Mitgliedschaft dauerte von 1267 - 1601. Die Stadt erwarb 1272 auch das Münzrecht.

Von nun an wurden Hansetage der Mitgliedsstädte durchgeführt, die genaue Vorschriften für die Mitgliedschaft erließen. Um die 80 Städte gehörten im 14.Jh. dem Hansebund an. Der Hansetag war die oberste Instanz der Gemeinschaft und entschied über alle wichtigen Angelegenheiten, von der Ratifizierung von Verträgen bis hin zu militärischen Maßnahmen. Er fand wegen der zu hohen Reisekosten nur alle 2 Jahre statt. In Stade fand erstmals um 1400 ein regionaler Hansetag statt.

Ursprünglich gegründet als Interessenvertretung der Kaufleute im Ausland und zum gegenseitigen Schutz, entwickelte sich die Hanse bald zu einem mächtigen Handelsbund, der seinen Mitgliedern das privilegierte Erschließen neuer Märkte ermöglichte. Hansekontore gab es unter anderem in London, in Bergen, in Nowgorod. Das bedeutendste Kontor war in Brügge. Viele Kaufleute aus ganz Europa waren nach Brügge gekommen, um hier Handel zu treiben. 600 Teilnehmer umfasste die große Versammlung der Kaufleute um 1457.

Die wichtigsten Waren, die gehandelt wurden: Tuche aus Flandern und England, Pelze aus Osteuropa, Salz aus Lüneburg und Frankreich, Fisch aus Nordeuropa, Getreide aus den Ländern an der Elbe - Magdeburg, Sachsen, Brandenburg, Holz aus Ost- und Nordeuropa, Bier aus Hamburg.

Die Handelswege der Hanse im nordeuropäischen Bereich gingen über Nowgorod, Reval (Tallinn-Estland), Lübeck, Hamburg, Brügge, London. Der Nord-Südweg führte die Handelsstraßen am Rhein entlang in die Hansestadt Köln und durch das angrenzende heutige Westfalen.

Stade war damals ernst zu nehmende Konkurrenz zu Hamburg. Das Stapelrecht bedeutete, dass Schiffe, die bei Stade die Elbe befuhren, für 3 Tiden hier anlegen mussten, um den Stader Kaufleuten die Gelegenheit zum Handeln zu geben. Die Hamburger hatten mit bewaffneten Schiffen von 1555 - 1559 die Stader Schiffe, die mit Malz, Getreide und anderen Waren beladen waren, angegriffen und beschossen. Schiffe und Besatzung wurden gefangen genommen und nach Hamburg gebracht. Stade und Buxtehude wurden durch Hamburg wirtschaftlich immer weiter zurückgedrängt und erwarteten von der Hanse Hilfe und Recht. Schließlich wurden die Gerichte angerufen und Hamburg sollte die freie Schifffahrt auf der Elbe gewähren.

Erst 1619 wurde es Hamburg endlich verboten, die nach Stade segelnden Handelsschiffe aufzubringen. Hamburg durfte die freie Elbschifffahrt nicht mehr behindern.

Die Genossenschaft der englischen Tuchleute, die Merchants Adventurers , hatte ihren Sitz in Hamburg. Der Vertrag wurde ihnen von der Stadt Hamburg gekündigt. Sie erhielten nun ein Niederlassungsprivileg in Stade. Stade stieß auf heftigen Widerspruch der Hansestädte und wurde 1601 vom Hansebund ausgeschlossen. Zahlreiche englische Tuchschiffe, die sonst in Hamburg anlegten, kamen nun in den Stader Hafen, begleitet von englischen Kriegsschiffen, denn Hamburg hatte bewaffnete Schiffe geschickt, um die Landung der Schiffe zu stören.

In der Zeit von 1587 - 1611 lebten 800 - 1000 englische und wallonische Kaufleute in Stade, während die Zahl der einheimischen Bevölkerung kaum wesentlich über 4000 Leute betrug. Ihre Versammlungshäuser, das „englische hus“ am Sande, wie auch ein Haus „die Börse“ am Fischmarkt sind in alten Karten zu finden.

Der Kaiser verbannte 1597 die Merchants Adventurers aus dem Reich. Am 26.Januar 1598 wurde der englische Stapel in Stade offiziell aufgehoben.

Stade und auch Hamburg versuchten, den englischen Tuchhandel wieder zu beleben. Der Syndikus und spätere Bürgermeister von Stade, Reiner Lange, reiste 1601 mit einer Gesandtschaft nach England und zu den Merchants Adventurers im niederländischen Middelburg und hatte Erfolg. Der kaiserliche Befehl wurde ausgesetzt. Die Engländer verlegten jedoch ihre Residenz wieder nach Hamburg zurück.

Die englischen Niederlassungen wurden nach 24 Jahren in Stade endgültig aufgelöst, damit endet Stades Bedeutung als Handelsstadt in der Hansezeit.

1989 wurden im alten Hafenbereich von Stade Grabungen durchgeführt. Sie erbrachten außergewöhnliches Fundmaterial. Es sind Überreste vom Stader Schiffs- und Handelsverkehr: Reste von Schiffen, Schiffsnägel und Kalfatklammern von frühen Koggen, Schreibgriffel für Wachstafeln 14.Jh., Klappwaagen, Münzen, Gewichte, Tuchplomben, Pilgerzeichen, Schmuck, Kaufmannssiegel.

Heute, gut 300 Jahre später, haben ehemalige Hansestädte aus Hessen, Niedersachsen und Westfalen den alten Bund wieder neu aufleben lassen. Die Mitgliedsstädte dieser alten und neuen Hanse wollen ihren Bürgern und allen, die zu ihnen kommen, beweisen, dass der alte hansische Gedanke gerade heute wieder dazu beitragen kann, die Attraktivität einer Stadt zu steigern und eine Anziehungskraft auszuüben, wie man es von einer Hansestadt erwartet.

Ruth Dumjahn



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