Lübeck - Eine Stadt als Weltkulturerbe

Lübeck hat Grund zum feiern. Vor 30 Jahren, im Jahr 1987 wurde die alte Hansestadt von der UNESCO unter den Schutz des Weltkulturerbes gestellt. Nachdem vorher nur Einzelbauwerke, wie z. B. der Aachener Dom, diesen Titel erhalten hatten, wurde hier die das Stadtbild prägende historische Bausubstanz aus dem 13. bis 15. Jahrhundert gewürdigt.

Obwohl ein Fünftel der etwa 100 Hektar großen, von Wasserläufen umgebenen Altstadt bei einem einzigen Luftangriff der Royal Air Force in der Nacht zum Palmsonntag 1942 zerstört worden war, blieb doch wie durch ein Wunder ein großer Teil der wertvollen historischen Bausubstanz erhalten.


Das Holstentor.

Das Holstentor gehörte dazu, das prunkvolle Rathaus aus der Hansezeit bekam nur einen kleinen Kratzer und auch das Heiligen-Geist-Hospital - heute von den Touristen bestaunt – blieb stehen. Von Thomas Manns Buddenbrookhaus blieb allerdings nur die Fassade erhalten. Mit Hilfe deutschlandweiter Spendensammlungen wurden bereits bis zum Jahr 1960 die zerstörten Kirchtürme wiederhergestellt.


Das Rathaus

Es waren die Einwohner selbst, die in der Nachkriegszeit die Bürgerinitiative „Rettet Lübeck“ gründeten und den Impuls zu einem großen Sanierungsprogramm für den Erhalt der historischen Stadtquartiere gaben. Wegen der Vernachlässigung der Bausubstanz in Kriegs- und Nachkriegszeiten hätte den historischen Kaufmanns- und Bürgerhäusern sonst der Abriss gedroht.

Seit dem Erlass des Städtebauförderungsgesetzes 1972 flossen nach Angaben der Stadtverwaltung über 300 Millionen Mark in Sanierungsmaßnahmen in der Lübecker Innenstadt. Jährlich wurden etwa 12 bis 15 Millionen Mark öffentliche Gelder der Sanierung zugeführt.

Obwohl seit 1990 die staatliche Förderung stark reduziert wurde, werden auch heute noch im gesamten Altstadtbereich Häuser restauriert und dem heutigen Wohnkomfort angepasst – immer unter den gestrengen Augen der Denkmalschutzbehörde.

Die Erfolge der Stadtsanierung waren so eindrucksvoll, dass das Welterbe-Komitee der UNESCO mit dem mittelalterlichen Stadtkern der ehemaligen „Königin der Hanse“ erstmals in Nordeuropa einen ganzen Stadtbereich als Welterbe anerkannte. „Die Altstadt stellt als Gesamtkunstwerk ein hervorragendes Beispiel eines Siedlungsgebietes dar, das einen bedeutsamen Abschnitt in der Entwicklung der Menschheit versinnbildlicht“, so wird die Begründung der Ausschussmitglieder zitiert.

Heute legt Lübeck nicht nur Wert auf die Erhaltung historischer Bausubstanz. Auch Neubauten nehmen die Bürger durchaus kritisch unter die Lupe. Stadtbildpfleger und ein Architektengremium beurteilen die Pläne vor der Baugenehmigung.

Ein besonderes Beispiel ist die erst in den letzten Jahren fertiggestellte Planung für den Neuaufbau des zerstörten Gründungsviertels in einem Bereich unterhalb der Marienkirche. Auf 38 Grundstückparzellen soll, so heißt es, ein zukunftsweisendes lebendiges Quartier mit individuellem Wohnen und Arbeiten entstehen. Dabei sollen auf mittelalterlichen Parzellen giebelständige Stadthäuser entstehen, die sich an den historischen Vorbildern orientieren.

Dieses Projekt wurde – auch wegen der Auflagen der Weltkulturerbe-Konvention – mit großem Aufwand realisiert. Es gab eine „Gründungs-Werkstatt“, in der Bürgerinnen und Bürger engagiert ihre Ideen und Vorstellungen einbringen konnten. Der Lübecker Gestaltungs- und Welterbe-Beirat wurde an der Planung ebenso beteiligt, wie das ArchitekturForumLübeck. Europaweit schrieb man einen Ideenwettbewerb zur Fassadengestaltung aus. Inzwischen sind die Bauarbeiten begonnen worden.

Der Jahrestag30. Jahrrestag der Verleihung des Weltkulturerbe-Titels ist für Lübeck der Anlass, unter dem Motto "Plötzlich 30" zahlreiche kleine und große Aktionen zu veranstalten. Die Lübecker Museen beteiligen sich ebenso wie die Stadtführer und die Kirchen.
Horst - 10.10.2017.

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