Huettisheim - Eine Dorfgeschichte

Nachdem ich nicht in einer Stadt, sondern in einem Dorf wohne, dachte ich, dass es auch über ein Dorf etwas zu berichten gibt, und habe mich auf die Suche gemacht.
Mein Wohnort Hüttisheim ist ein kleines Dorf im Alb-Donau-Kreis, an dem Flüsschen Schmiehe gelegen, zwischen Ulm (18 km) und Laupheim (8 km) nur 3 km östlich von der B30. Mit dem Ortsteil Humlangen hat Hüttisheim ca. 1400 Einwohner. Als ich 2003 hierher zog, lag die Einwohnerzahl noch bei ca. 1200.

                           
                            Hüttisheim- Ansicht vom Dorf – Kirche rechts oben

Im 4. oder 5. Jahrhundert nach Christus hat sich ein alemannischer Adliger Hittin oder Hitto mit seinem Gefolge das Schmiehetal als neue Heimat ausgesucht. Er siedelte am westlichen Rand der Tal- Aue auf einem sanften Lössrücken nahe der Schmiehe, wo er vor Hochwasser sicher war. „Hittinishaim“ schrieben die Mönche des Klosters Rot an der Rot erstmals im Jahre 1152 als Namen der Siedlung auf. Eine Silbe des Namens fiel bald weg, bis ins 19. Jahrhundert schrieb man „Hittisheim“, doch dann schmuggelte ein königlich württembergischer Beamter ein „ü“ in den Ortsnamen.

Hüttisheim hat eine katholische Kirche St. Michael, eine Kapelle St. Antonius, eine Grundschule, die zurzeit 46 Kinder besuchen, einen Kindergarten mit derzeit 63 Kindern im Alter von 1 – 6 Jahren, eine Gemeindehalle und einen Kulturstadel. Es gibt eine Feuerwehr, einen Sportverein mit einem Vereinsheim, einen Tennis-Club, zwei Chöre, einen Musikverein, einen Kulturverein usw. Insgesamt sind es 14 Vereine.

Da Hüttisheim an der Grenze des Alb-Donau-Kreises zum Landkreis Biberach liegt, war die Verkehrs­anbindung in der Vergangenheit schlecht. Heute gibt es einen Busverkehr von Ulm nach Laupheim über Hüttisheim, der jedoch wegen des großen Umweges über viele Gemeinden nach wie vor lange dauert.

Die Kirche St. Michael liegt außerhalb des Dorfes auf einem Berg. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1275. Als die schriftliche Überlieferung einsetzte, konnten die Kirche und die Pfarrgemeinde schätzungsweise schon auf eine fünfhundertjährige Geschichte zurückblicken. Man nimmt an, dass der Standort der Kirche vor ihrem Bau schon ein Kultplatz der Alemannen war.

   
Kirche St. Michael                                                       Kirche St. Michael mit Friedhof

Der Bau der jetzigen neuen Kirche wurde vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges Ende 1913 begonnen. Sie ist einer der letzten Entwürfe des Architekten Joseph Cades, einem vielbeschäftigten Baumeister in der Diözese Rottenburg. In Hüttisheim verwirklichte er einen Plan nach dem Vorbild der barocken Wandpfeilerbasilika, deren Grundriss auf die Vorarlberger Barockbaumeister zurückgeht. Der spätgotische Turm des Vorgängerbaus blieb erhalten. Alles andere, einschließlich der Umfassungsmauer und der Ecktürme, gestaltete Cades neu. Ihre eindrucksvolle Größe hat dem Bauwerk schon den Beinamen „Holzstöcke-Dom“ eingebracht. In erster Linie ist sie ein eigenständiges Gesamtkunstwerk, das Altes und Neues beispielhaft integriert.

                             
                              Innenraum der Kirche St. Michael

In der Kirche stehen 10 spätgotische Heiligenfiguren aus der „Ulmer Schule“ von 1481 bis 1528, die die Hüttisheimer Bürger eingekauft hatten.

Die Grundsteinlegung für die Kapelle St. Antonius erfolgte 1702 durch den Wiblinger Abt Modest I. Die Kapelle im Barockstil wurde 1748 eingeweiht. Im Jahre 1754 kaufte die Gemeinde eine Reliquie des Heiligen Antonius, die sich heute noch in der Kapelle befindet.

    
Kapelle St. Antonius                                                                  Kapelle St. Antonius

Im Gründungsvertrag von 1702 zum Bau der Kapelle innerhalb des Dorfes steht geschrieben:
„…weil unser Pfarrkirchen auf einem hohen Berg gelegen, welchen absonderlich zur Winterszeit und üblen Wetter die althe Leut oder Krancke gar nit oder schwerlich besteigen können, damit sie ebenfuß und in der Nähe und weilen in der Woche ein Hayl. Meß auf unsere Costen anhören und sonsten ihr Gebet und Andacht darinnen ablegen mögen.“

Diesen Zweck erfüllt die Kapelle heute noch. Ältere Leute versammeln sich dort zum Gottesdienst und anderen Andachten, damit der beschwerliche Weg auf den Berg entfällt.
Über das Altarbild in der Kapelle ist fast nichts bekannt. Es stellt eine Szene aus der Antonius-Legende dar, wie das Jesuskind, dem Heiligen im Traum die Krone aufsetzt. Im Hintergrund im unteren Viertel des Bildes ziemlich klein hat der Maler das Kloster Wiblingen verewigt. Es zeigt die Klosteransicht, wie sie sich vor den barocken Neu- und Umbauten präsentierte. Das macht das Altarbild besonders wertvoll.
Zur Innenausstattung gehören auch zwei spätgotische und zwei barocke Heiligenfiguren.

Der Kulturstadel ist in fast 4-jähriger Bauzeit aus einem ehemaligen Ökonomiegebäude auf einem Bauernhof entstanden. Er beinhaltet Feuerwehrräume, Mehrzweck- und Vereinsräume und einen Saal im Dachgeschoss. Der Kulturstadel ist Begegnungsstätte für Jung und Alt; zu seiner Bewirtschaftung wurde extra ein Verein gegründet, deren Mitglieder sich ehrenamtlich um den Kulturstadel kümmern. Es gibt einen Gewölberaum in Erdgeschoss, der dreimal pro Woche den Bürgern offensteht für Treffen, Spieleabende oder Lesungen.

                             
                                  Kulturstadel

Der Bürgersaal im Dachgeschoss wird unter anderem genutzt für Kleinkunst, Theater, Seminare oder Tanzkurse. Der Saal bietet Platz für bis zu 200 Personen und kann auch für private Veranstaltungen gemietet werden.

  Das Wappen von Hüttisheim mit dem blau-silbernen Abtsstab führt die Gemeinde noch nicht lange. Von der Baden-Württembergischen Landesregierung wurde der Gemeinde dieses Wappen am 12. September 1955 verliehen, die Flaggenfarbe Blau-Weiß bestimmte das Landratsamt am 11. Januar 1982.
Das Wappen ist eine Neuschöpfung von Beamten des Innenministeriums und soll an die rund vier­hundert­jährige Zugehörigkeit der Gemeinde zum Kloster Wiblingen (Benediktiner-Abtei) erinnern.

Beate Braun.
Juli 2017

Fotos: Beate B.

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