Hochdahl ­ am Rande von …

Hochdahl liegt am westlichen Rand des Niederbergischen Landes, sozusagen an der Abbruchkante zur Rheinebene. Es liegt aber auch am östlichen Rand von Erkrath, getrennt davon durch die Autobahn A 3. Seit 1975 ist es ein Stadtteil von Erkrath. Das wiederum liegt am östlichen Rand von Düsseldorf, nur getrennt durch die Düssel-Auen. Das hört sich unspektakulär an, aber es gibt viel zu erzählen, von Neuem und Altem.

Ich wohne seit vier Jahren in Hochdahl. Die Stadt Erkrath und die Nachbarstadt Mettmann weiter östlich streiten sich darum, auf wessen Gebiet der Neandertaler gefunden wurde. Das Neandertal, durchflossen von der Düssel, beginnt definitiv am Rand von Erkrath, Mettmann liegt um einiges entfernt nördlich vom Tal. Da aber Mettmann Kreisstadt ist, haben wohl beide Recht. Für mich ist interessant, dass ich zwei Kilometer Luftlinie entfernt vom


Fundort des Neandertalers wohne. Soweit zu „ganz alt“.

„Neu“ ist ganz Hochdahl. Vor nicht allzu langer Zeit gab es auf dem Stadtgebiet nur einzelne Höfe und das kleine Dorf Millrath, das der Gemeinde den Namen gab. Bis 1938, dann wurde sie in Hochdahl umgetauft, nach einem der Höfe, an die sonst nur noch Straßennamen erinnern. In den sechziger Jahren platzte das nahe Düsseldorf aus allen Nähten, machte sich Hoffnung auf die Eingemeindung des Gebietes, das tatsächlich irgendwo an Düsseldorf grenzte. Das ist heute nicht mehr so: Zwischen Düsseldorf und Erkrath wurden Stadtteile getauscht und für Düsseldorf wurde es nichts mit der Eingemeindung.
In Hochdahl wuchsen Hochhäuser über Hochhäuser für die Wohnungsuchenden heran. Das führte dazu, dass Hochdahl inzwischen mehr als 27.000 Einwohner hat, die Mutterstadt Erkrath bringt es auf 46.000 einschließlich Hochdahl. Da reichlich Grund und Boden zur Verfügung stand, haben die klugen Stadtväter dafür gesorgt, dass Baumgruppen und sogar kleine Wäldchen erhalten blieben. Auf einer alten Topographischen Karte sind die Wälder, Felder und Höfe noch gut zu erkennen.

Hochdahl ist ein grüner Ort geblieben, was besonders von oben gut zu erkennen ist.
Hochdahl hat nämlich ein Oben, das ist die südliche Höhe des Neandertals. Da oben gab es einen der ersten Bahnhöfe Deutschlands. Mit dem Bau der Strecke wurde 1838 begonnen. Fabrikanten des nahen Wuppertal brauchten eine Möglichkeit, ihre Waren an den Rhein zu bringen, von wo aus sie in alle Welt gingen. Die Bahnstrecke Wuppertal – Düsseldorf war bis vor kurzem die steilste Strecke Europas: Von der Rheinebene­ mit 38 Meter über Normal, bis zum Bahnhof Hochdahl mit 75 Metern musste der Zug mit einer Seilzuganlage gezogen werden. Es war eine Steigung von 33 Prozent zu überwinden. Ein kleines Museum im alten Lokschuppen erinnert heute daran.
Der Bau der Strecke war Anlass zum Bau einer Eisenhütte. Wie das? Es wurde Eisenerz gefunden, abgebaut und von 1847 bis 1912 verhüttet. Der Bürgerverein Hochdahl berichtet, dass in den besten Zeiten der Hütte mehr als hundert Menschen beschäftigt waren. Heute erinnern noch einige Straßennamen südlich der Bahnstrecke an die Zeit der Hütte Eintracht: Hüttenstraße, Stahlstraße, oder Bessemerstraße. Soweit zu „neu“.


Zu „alt“ ist noch etwas Wichtiges zu bemerken. Ich wohne an einer Straße, der Sedentaler Straße, die im Mittelalter Teil einer Handelsstraße war, der strata coloniensis. Sie führte auf verschiedenen Trassen, meine hier ist die Trasse Nummer drei, von Köln nach Essen. Genauer gesagt nach Werden, zur Reichsabtei Werden. Hier endete sie auf dem viel älteren Westfälischen Hellweg. An vielen Stellen im Raum Düsseldorf und Erkrath sind die Trassen heute noch zu erkennen. Aus der „Straße“ ist allerdings ein Feldweg geworden. Die Nummer drei führte durch die Gegend, die heute Hochdahl heißt, über die Höhe, nahe am heutigen Bahnhof vorbei, hinunter ins Tal und wieder hinauf nach Mettmann¸ weiter über die Höhen des Niederbergischen Landes nach Werden.

Ich wohne also auch am Rande von … Vom weltberühmten Neandertal – was sind schon zwei Kilometer Luftlinie? Und direkt am Rande einer sehr alten Handelsstraße.
Anne Poettgen

Foto: Anne P. / Karte: Paulgerhard

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