Gießen an der Lahn - meine Stadt.

Stadtfiguren.
Ich lebe in der Stadt Gießen, bin aber keine alteingesessene Bürgerin. Deshalb interessieren mich die Geschichten hinter den Skulpturen, denen ich auf den Straßen und Plätzen begegne. Einige von denen werde ich in meinem Text vorstellen.
Vor der Südwand des Alten Schloss, unweit vom Botanischen Garten, sehe ich vier Bronzebüsten, darunter Justus Liebig und Georg Büchner.
Georg Büchner, der sich 1834 als Student der radikalen Freiheitsbewegung anschloss.
Im Stadtpark ragt eine Plastik in die Höhe. Sie repräsentiert die Röntgenstrahlen.
In der Fußgängerzone begegne ich den „Drei Schwätzern“, dem “Schlammbeiser“ und „Don Blech“, dem Straßenkehrer.

Don Blech.


Die Universität.
Landgraf Ludwig von Hessen-Darmstadt gründete 1607 die Universität Gießen als lutherische Universität neben der reformierten in Marburg. Sie umfasste vier Fakultäten: Theologie, Medizin, Jurisprudenz, Philosophie.
Allgemein bekannte Wissenschaftler der Universität sind Justus Liebig, Chemiker, (1803-1878), Adolf Harnack, Theologe, (1851-1930) und der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923). In Stein und Stahl sind sie heute auf Plätzen und in Straßen präsent.

Röntgen Denkmal.

Der Hörsaal gegenüber dem Universitätsgebäude erhielt den Namen Margarete Bieber. (1879-1978) Sie ist die erste planmäßige Professorin der Universität. Sie leitete das Institut für Altertumswissenschaften, durfte jedoch während der Nazidiktatur nicht lehren.

Margarete Bieber.

Die Stadt.
Den ersten Bürgermeister der Stadt gab es 1370. Ihm zur Seite stand der Rat. Das war die Vertretung der Bürgerschaft. Das erste „Gießener Wochenblatt“ erschien in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Während der Revolutionskriege 1796 besetzten Franzosen die Stadt. Justus von Liebig lehrte ab1825 als ordentlicher Professor an der Universität.
Der Gießener Student Georg Büchner gründete „Die Gesellschaft für Menschenrechte“. Büchners 200. Geburtstag feierte die Stadt im Jahr 2014.
jpg Büchner
Heute ist Gießen auch eine Kultur-und Einkaufsstadt. Für mich ist sie vor allem eine internationale Stadt. Ganz selbstverständlich leben hier nebeneinander Zugewanderte aus Osteuropa und der Welt, weiße Menschen und Menschen anderer Hautfarben und Religionszugehörigkeiten.

Drei Schwätzer.

Der Fluss.
Im Westen des Stadtgebiets fließt die Lahn, eine der östlichen Nebenflüsse des Rheins.
Wie erzählt wird, sorgte der Fluss früher im Frühjahr und Herbst für beachtliche Überschwemmungen. Das Wasser stand nicht nur in den Gärten, sondern auch im Stadtgebiet, in den Straßen. Erst nachdem Polder und Überlaufbecken gebaut wurden, sind heute Menschen und Häuser weitgehend vor dem Wasser geschützt.
Für Menschen, die es interessiert, was es unter der Wasseroberfläche zu sehen gibt und die dabei nicht nass werden wollen, gibt es das „Lahnfenster“. Eine Treppe führt die Besucher unter die Wasseroberfläche, in ein Glasgehäuse, an dessen Fenstern, alles zu sehen ist, was sich im Fluss befindet und vorbeischwimmt.
Zwischen zwei Wehren wird das Wasser der Lahn aufgestaut und ermöglicht so vielfältige Wassersportaktivitäten; und Ausflugsfahrten.
Alle zwei Jahre zu Pfingsten wird eine Regatta ausgetragen, an der Ruderer aus ganz Deutschland und den Nachbarländern teilnehmen. Den zahlreichen Zuschauern wird in den Biergärten und Gaststätten rechts und links der Lahn, Spaß, Spektakel, Speis und Trank geboten.

Der Schlammbeiser.
Bis Ende des Neunzehnten Jahrhunderts ließen die hygienischen Verhältnisse in der Stadt noch viel zu wünschen übrig. Die Häuser hatten weder Wasserleitungen noch Abwasserleitungen. Auf alten Fotografien von Gießen sehe ich Häuser, an deren Außenwand eine Art hölzernes „Rohr“ angebracht war. Es mündete über einem großen Bottich, der Schmutzwasser und menschliche Ausscheidungen aufnahm. Die Behälter standen in den schmalen Gängen zwischen den Häusern.
Um das Entleeren dieser Fässer kümmerten sich von der Stadt bestellte Arbeiter, „Schlammbeiser“, genannt. Diese zogen die Bottiche mit langen Stangen heran und entleerten sie in ihre Karren. Deren Inhalt wurde nach Bedarf auf die umliegenden Felder verbracht.
Das Schlammbeiser-Denkmal am Marktplatz vermittelt ein Stück Gießener Identität. Mit dem Namen „Schlammbeiser“ werden bis heute alteingesessene Bürger aus Gießen geehrt.

Schlammbeiser Denkmal.
Noch eine Besonderheit. Im Frühjahr 2017 kreierte ein Bierbrauer aus Gießen ein neues Bier und gab ihm den Namen Schlammbeiser.

Ausflugsboote auf der Lahn.
In den Sommermonaten verkehren neben den Paddlern und anderen Bootfans die Ausflugsschiffe auf dem Fluss. Unter diesen gibt es das Schlammbeiser Boot des Marine Vereins. Es bietet Platz für Gruppen und wird von Vereinen gemietet. Einzelne Personen können einmal im Jahr an einer Bootsfahrt teilnehmen. In knapp zwei Stunden fährt es zwischen den Wehren den Fluss hinauf und hinab, vorbei an parkähnlichen Ufern, Wochenendhäusern und dichten dämmrigen Wäldchen.

Ausflugsboot Schlammbeiser

Fotos: Erdmute Dietmann-Beckert.
02.08.2017-Erdmute D-B.

Dokumentation
http://www.bobbyundmolly.de/000graf/09_geheim_buecher/08g_schlammbeisser_33.pdf Juli 2017.
http://giessen-entdecken.de/locations/schlammbeiserdenkmal/ Juli2017.
http://sightseeing-giessen.de/schlammbeiser Juli 2017.
http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/6197/giessener-schlammbeiser/Juli 2017.
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Stadt_Gie%C3%9Fen Juli 2017.
http://giessen-entdecken.de/eine-kleine-stadtgeschichte/Juli 2017.
http://www.uni-giessen.de/ueber-uns/botanischer-garten/geschichte Juli 2017.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gie%C3%9Fen Juli 2017.
https://www.uni-giessen.de/ueber-uns/jlu/geschichtejlu Juli 2017.
https://www.giessen.de/index.phtml?object=tx|1894.26&FID=684.14662.1&mNavID=1894.112&sNavID=684.463&La=1 Juli 2017.
http://www.hr-online.de/website/specials/wissen/index.jsp?rubrik=93994&key=standard_document_43925947 Juli 2017.
https://www.giessen.de/media/custom/684_11347_1.PDF?1389629249 Juli 2017.
uhttps://www.yelp.de/biz_photos/don-blech-gie%C3%9Fen?select=K5xfjzoJKhVRBxlWJAuXzQnd vor dem Rathaus den Juli 2017.

Zurück