Blaubeuren - April 2017

Endlich ist es wieder warm. Unter dem vorkragenden ersten Stock des alten Fachwerkhauses sitzen wir geschützt im „Il Gusto“ bei einem Espresso.


IL "Gusto"

Aus dem Diakonieladen kommen Mahabad und Meriam vorbei. Wir kennen die syrischen Frauen aus unserem ehrenamtlichen Deutschkurs. Beide sind froh, dass sie mit ihren Familien inzwischen eine Wohnung in Blaubeuren gefunden haben und nicht mehr in der Gemeinschafts-Unterkunft leben müssen. Wir erinnern uns mit Sorge an Lumturie und Selline aus dem Kosovo. Sie wurden vor kurzem in ihre Heimat abgeschoben, obwohl ihre Ehemänner hier Arbeit gefunden hatten und die Kinder erfolgreich zur Schule gingen. Auch Sahar aus Afghanistan ist nicht sicher, ob sie mit ihrer Familie bleiben darf. -Am Mittwoch sehen wir die Frauen wieder im Unterricht.

Bei schönem Wetter verführt das „IL Gusto“ viele Passanten zu einer kurzen Rast. Es liegt im Herzen unserer kleinen Stadt auf dem Weg vom urgeschichtlichen Museum, dem urmu, zum Blautopf. Beides lohnt einen Besuch.
Das urmu (www.urmu.de) befindet sich in einem ehemaligen mittelalterlichen Spital. Es wurde vor wenigen Jahren aufwendig renoviert. Dieses sehr sehenswerte Museum beherbergt die ältesten bisher bekannten figürlichen Kunstwerke der Menschheit. Die über 40.000 Jahre alte „Venus vom Hohle Fels“ und die etwa gleichalten
Knochenflöten ziehen zahlreiche Besucher in ihren Bann.

Auch der „Blautopf“, der blaue Quellsee des Blauflusses, lockt viele Menschen in die 12.000 Einwohner Stadt. Das magische Blau der großen Karstquelle veranlasste Eduard Mörike 1835 zu seinem Kunstmärchen „Die Historie von der schönen Lau“. Unter dem Blautopf verbirgt sich ein über 13 Kilometer langes weit verzweigtes Höhlensystem, das noch lange nicht vollständig erforscht ist.

Blaubeuren hat noch mehr zu bieten: Ein 1000 Jahre altes Benediktinerkloster mit Kreuzgang, einem kunsthistorisch bedeutendem Hochaltar und dem Badhaus der Mönche, sowie zahlreiche weitere bemerkenswerte mittelalterliche Fachwerkgebäude. Eine Fahrt hierher an den Fuß der Schwäbischen Alb und vor die Tore Ulms lohnt sich allemal. Dieses Jahr ganz besonders: 2017 feiert Blaubeuren sein 750 jähriges Stadtjubiläum (www.750blaubeuren.de).

   
Das urgeschichtliche Museum                                                         Der Blautopf

Vielleicht sitzen auch Sie bald im „Il Gusto“, der „Kulisse“, oder am Blautopf bei einem Kaffee oder einem kühlen Bier und lassen die Passanten an sich vorbei flanieren?

Text und Fotos von Erla Spatz-Zöllner

Zurück