Erneuerbare Energien in der Schweiz

Der Anteil Erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch der Schweiz ist noch bescheiden. Die Wachstumsprognosen sind jedoch optimistisch.

Wasserkraft traditionell stark

Mit einem Anteil der erneuerbaren Energien von 18,9 Prozent  am Energieendverbrauch lag die Eidgenossenschaft 2010 deutlich über dem Wert Deutschlands (10,1 Prozent). Das verdankt sie der traditionell genutzten Wasserkraft. Der Gesamtenergiestatistik des Landes zufolge wird hieraus mehr als die Hälfte des Gesamtstrombedarfs gedeckt. Standorte für grosse neue Wasserkraftwerke gibt es allerdings nur wenige.

Die rund 430 schweizerischen Laufkraftwerke weisen insgesamt eine elektrische Leistung von 3'707 MW auf.

Insgesamt sind rund 90 Speicherkraftwerke ab 300 kW in Betrieb. Sie haben eine elektrische Leistung von über 8'073 MW.

Die schweizerischen Pumpspeicherkraftwerke importieren in der Nacht aus dem Ausland preiswerten Strom, um Wasser in die Stauseen hochzupumpen. Dieser Strom stammt zu einem großen Teil aus nicht erneuerbaren Energiequellen.
Auf erneuerbare Energien (ohne Wasserkraft) entfallen lediglich 2 Prozent. Weitere 40 Prozent erzeugen die fünf Kernkraftwerke, von denen die ersten 2020 das Ende der technischen Nutzungsdauer erreichen.

Energieprogramm

Die Schweiz legte bereits 1990 ein Programm - die heutige  EnergieSchweiz – auf. Es sieht vor, dass von 2000 bis 2010  zusätzlich 500 GWh Strom/Jahr (+1 Prozent des Verbrauchs 2000) und 3000 GWh Wärme/Jahr (+ 3 Prozent) aus erneuerbaren Energien bereitgestellt werden. Seine Massnahmen beruhen nach dem CO2-Gesetz  auf dem Prinzip der Freiwilligkeit.

Das Programm soll in der engen, partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen, Gemeinden und  zahlreichen Partnern aus Wirtschaft, Umwelt- und Konsumentenorganisationen sowie öffentlichen und privatwirtschaftlichen Agenturen erreicht werden.

Die Schweiz will bis 2030 den Anteil der erneuerbaren Energien (ohne Wasserkraft) am Gesamtstromverbrauch per Gesetz auf 5.400 GWh erhöhen. In den vergangen zwei Jahren verdoppelte sich die Zahl der Photovoltaikanlagen. Biomasse und Wind gewannen ebenfalls an Bedeutung.

Kostendeckende Einspeisevergütung

2008 wurde die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV)  durch einen Zuschlag auf den Strompreis in Höhe von aktuell 0,45 Rappen je kWh (etwa 0,33 Cent, 1 sfr = 0,7264 Euro, Monatsdurchschnittskurs Juni 2010) finanziert.

Nach dem Energiegesetz der Schweiz sollen 50 Prozent aus dem KEV-Aufkommen zur Förderung der Wasserkraft und 5 Prozent für Photovoltaikanlagen verwendet werden. Der Anteil letzterer darf bei steigender Rentabilität je kWh auf bis zu 20 Prozent erhöht werden.

Förderung für Solarstrom reduziert

Die Vergütung für Solarstrom wurde vom Departement für Umwelt (UVEK) Anfang 2010 zusätzlich zu den planmäßigen 8 Prozent um weitere 10 Prozent reduziert.

Windenergie erst in der Entwicklung

Die Windenergie hatte 2009 in der Schweiz nur eine Anteil von rund 1,7 Prozent am durch erneuerbare Energien erzeugten Strom. 15 Anlagen werden zur Zeit betrieben, 13 befinden sich in der Realisierungsphase. Weitere 108 Anlagen mit einer Leistung von 208 MW sind geplant. Die Windstromproduktion nahm im 2009 um 22 Prozent zu.


Im Kanton Uri bei Luzern wird das mit 2332 Meter über dem Meeresniveau bislang am höchsten gelegene Grosswindrad Europas auf dem Gütsch zum höchsten Windpark des Kontinents ausgebaut. Zwei etwas grössere und leistungsfähigere Anlagen kommen hinzu. Die drei Anlagen zusammen werden mit 2400 kW Gesamtleistung jährlich rund 3,25 Mio. kWh Ökostrom erzeugen.

Die erwartete Windstromproduktion steigt dank des Ausbaus  auf dem Mt. Crosin, dem Gütsch und in Le Peuchapatte von 27 Mio. kWh um das Zweieinhalbfache auf 72 Mio. kWh. Das entspricht dem Bedarf von 20.000 Haushalten.

Mehr Biogas

Es werden laufend neue Biogasanlagen errichtet. Biogas wird aus kommunalen, gewerblichen und industriellen
Abfällen erzeugt - Grüngut, Küchenabfälle, verdorbenes Obst, Schlachtabfälle usw. Das Biogas wird in der Regel zum Antrieb von Blockheizkraftwerken genutzt.

Seit 1996 wird Biogas auch an Tankstellen für den Fahrzeugantrieb sowie durch Einspeisung ins Erdgasnetz angeboten.

Neue Atomkraftwerke?

Von den fünf Kernkraftwerken in der Schweiz erreichen die ersten 2020 das Ende ihrer technischen Laufzeit. Daher wird auch über der Bau neuer Kernkraftwerke diskutiert. In den Kantonen Aargau, Bern und Solothurn wurden geeignete  Standorte genauer untersucht. Das Genehmigungs- und Abstimmungsverfahren ist jedoch langwierig und endet mit dem sog. fakultativen Referendum, die Schweizer Wähler haben also das letzte Wort zu den Neubauprojekten. Eine Volksabstimmung könnte voraussichtlich gegen Ende 2013 stattfinden. i
wp (Quellen: bfe.admin.ch,  energie-schweiz.ch, swissworld.org, kooperation-international.de, erneuernareenergien.de, wikipedia)

 

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