Das Gesundheitswesen in der Schweiz

Versicherungen für alle

In der Schweiz ist jeder Einwohner, gleichgültig ob Einheimischer oder Aufenthalts- berechtigter, obligatorisch für die Behandlungskosten bei Krankheit versichert. Die Zahlung der Prämie ist aber Sache des Versicherten.

Mit den EU-Staaten bestehen Verträge, die die gegenseitige Übernahme der Behandlungskosten bei Unfällen regeln. Alle Versicherten der EU müssen für eine Behandlung in einem Staat des Europäischen Wirtschaftsraumes – d.h. der EU, Norwegen, Island und Liechtenstein – und in der Schweiz die europäische Krankenversicherungskarte oder eine provisorische Ersatzbescheinigung vorlegen.

26 Gesundheitssysteme

Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, jeden zu Versichernden in die Grundversicherung aufzunehmen, der einen entsprechenden Antrag stellt und im Tätigkeitsgebiet der Kasse Wohnsitz hat. Kassen mit mehr älteren oder kranken Mitgliedern haben trotz eines Ausgleichsfonds dadurch einen Wettbewerbsnachteil. Bedingt durch die föderalistische Struktur der Schweiz gibt es 26 Gesundheitssysteme, wodurch eine effiziente nationale Gesundheitspolitik erschwert wird. Es gibt auch keine nationalen Indikatoren für die Versorgungsqualität. Ihre Gewährleistung erfolgt über die Berufsstände und ist daher stark von Einzelinteressen abhängig. Es gibt keinen Wettbewerb über die Kantonsgrenzen hinweg.

Krankenhausfinanzierung

Die Finanzierung der staatlichen Krankenhäuser erfolgt einerseits durch die Patienten, bzw. ihre Versicherungen, andererseits durch Zuschüsse der Kantone oder Kommunen. Wegen dieser teilweisen kantonalen Finanzierung verlangen alle staatlichen Krankenhäuser von Einwohnern des Standortkantons niedrigere Taxen als von Auswärtigen. Die OECD-Studie schlägt hier ein verstärktes Eingreifen durch den Staat vor.

Die Finanzierung der Privatkrankenhäuser erfolgt ausschließlich durch die Behandlungstaxen, die deswegen markant höher sind als die in den allgemeinen Abteilungen der staatlichen Krankenhäuser. Die gesetzliche Grundversicherung deckt deshalb die Behandlung in den Privatkliniken nicht.

Ambulante Behandlungen dagegen werden von der Grundversicherung in der ganzen Schweiz und bei jedem zugelassenen Leistungserbringer gedeckt.

Obligatorische Unfallversicherung

Für Behandlungskosten bei Unfällen ist jede(r) Angestellte obligatorisch versichert. Es gibt einerseits eine selbständige Unfallversicherung des öffentlichen Rechts, andererseits bieten auch die meisten privaten Versicherungskonzerne Unfallversicherungen an. Es ist Sache eines jeden Arbeitgebers, alle Angestellten zu versichern, wobei sowohl Unfälle während der Arbeit als auch solche während der Freizeit versichert werden. Die Prämien für Betriebsunfälle werden ausschließlich vom Arbeitgeber getragen.

Zahnbehandlungen nicht im Leistungskatalog

Zahnbehandlungen sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht im Leistungskatalog der obligatorischen Grundversicherung enthalten. Es besteht die Möglichkeit, privat eine Zahnpflegeversicherung abzuschließen. Aufgrund des hohen Beitrags wird diese Möglichkeit nur selten genutzt.

Hohe Kosten

Wie in den meisten westlichen Ländern ist auch in der Schweiz die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen ein Dauerthema mit wechselnden Schuldzuweisungen und immer neuen Ideen, wie man eine Trendwende herbeiführen könnte. Häufig wird das deutsche System der Finanzierung aus Lohnprozenten als Vorbild gepriesen, während umgekehrt deutsche Politiker immer mal wieder das Schweizer System der Kopfprämien vorschlagen.

Die Gründe für diese Entwicklung sind Gegenstand heftiger Diskussionen. Genannt werden – wie bei uns – der medizinisch-technische Fortschritt, die Überalterung, unterentwickelte Prävention, ungenügende Qualitätssicherung, die Macht der Interessenverbände, gestiegene Anspruchshaltung, usw.

Die politischen Gegenmaßnahmen konzentrieren sich bisher vor allem auf die Pharmaindustrie, eine höhere Kostenbeteiligung der Patienten, die Krankenhäuser und die freipraktizierenden Ärzte. Die restriktive Gesundheitspolitik zeigte bisher wenig Wirkung.

17 Prozent trägt die Öffentliche Hand

Von den gesamten Kosten des Gesundheitswesens werden rund zwei Drittel direkt oder indirekt durch die Privathaushalthalte und nur noch 17 Prozent durch die öffentliche Hand getragen.

Statistischer Überblick

Die Gesundheitsausgaben lagen in der Schweiz im Jahr 2005 pro Einwohner bei 7.025 sfr, das sind 11,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

5,5 Krankenhausbetten je 1000 Einwohner,
132 private und 213 öffentliche Spitäler
204 Arztpraxen und 50 Zahnärzte je 100.000 Einwohner

Die Lebenserwartung liegt für Männer bei 78,7 Jahren, für Frauen bei 83,9 Jahren.

Internationaler Vergleich

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Jahr 2000 versucht, eine Gesamtbewertung der Gesundheitssystem von 191 Ländern vorzunehmen. Daraus geht hervor, dass die Schweiz zu den OECD-Ländern gehört, bei denen der Anteil der Gesundheitskosten am BIP mit am höchsten ist, wobei aber andere OECD-Länder bei geringerem Anteil eine höhere Leistungsfähigkeit aufweisen. Das gilt in gleichem Maße auch für Deutschland.

(Autor: Heinz, Quellen: Wikipedia, Schweizer Bundesamt für Statistik, Bundesamt für Gesundheit, OECD-Bericht über das Gesundheitswesen der Schweiz)

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