Bildung und Kultur in der Schweiz

Für das Bildungswesen in der Schweiz gilt Ähnliches wie auf anderen Gebieten, es wird sehr stark von der Mehrsprachigkeit und der kantonalen Gliederung geprägt. Mit Ausnahme des Rätoromanischen sind die offiziellen Sprachen keine eigentlich ‚schweizerischen’. Sowohl Deutsch als auch Französisch und Italienisch haben in Kultur und Literatur eine starke Anlehnung an ihre direkten Nachbarn. Man muss wissen, dass die gemeinsame Geschichte der vier Sprachregionen erst 200 Jahre alt ist.

Das Bildungswesen

Das schweizerische Bildungswesen gehört weltweit zu den besten und ist dezentral organisiert. Es gibt kein nationales Ministerium für Bildung und Erziehung. Dadurch wird den unterschiedlichen Sprachen und Kulturen Rechnung getragen. Die 26 Kantone und Halbkantone haben die alleinige Kompetenz für die Vorschulstufe (Kindergarten) und die obligatorische Primarstufe und Sekundarstufe I. Die Basis des schweizerischen Schulsystems wird von der Primarstufe ab dem sechsten Lebensjahr und der Sekundarstufe I gebildet. Die Schulpflicht endet nach neun Jahren. Es gibt Überlegungen, die Einschulung mittelfristig auf das vierte Lebensjahr vorzuverlegen und somit die Schulpflicht auf 11 Jahre zu verlängern.

Die Sekundarstufe II endet mit dem Maturitätszeugnis. Dieses kann an einem anerkannten Gymnasium oder in einer von der Schweizerischen Maturitätsprüfungskommission organisierten zentralen Prüfung erworben werden und berechtigt zum Hochschulstudium.

Die Qualitätskontrolle der zwölf kantonalen Hochschulen liegt in der Zuständigkeit der Standortkantone. Jedoch werden Forschung und Lehre von der Regierung in Bern finanziell unterstützt. So erhielten die Universitäten Genf, Bern, Zürich und Basel 345 Mio CHF im Jahr 2007 allein für die Forschung. Das waren etwa 60 Prozent des nationalen Etats für Forschung.

Im Herbst 2007 hat das Schweizer Parlament ein Sprachengesetz verabschiedet. Unterrichtssprache ist die Kantonssprache, Deutsch in den nicht-deutschsprachigen Kantonen die erste Fremdsprache. Die weitere Fremdsprachenfolge liegt in der Zuständigkeit der Kantone.

Vielfältige Kulturszene

Entsprechend vielfältig ist auch die Schweizer Kulturszene, welches man bei näherer Betrachtung in den Bereichen Medien, Architektur, Kunst, Literatur, Musik und Brauchtum deutlich erkennen kann. Diese Kulturszene wird von den angrenzenden gleichsprachigen Ländern mitgeprägt. Die Medienlandschaft ist gemessen an der Einwohnerzahl und Größe des Landes sehr vielfältig. Die Schweiz zählt zu den Ländern mit der größten Pressefreiheit. Im novellierten Rundfunk- und Fernsehgesetz von 2007 werden Kabelnetzbetreiber verpflichtet, bestimmte Standards einzuhalten. In jeder Sprachregion gibt es schweizerische Rundfunk- und Fernsehprogramme, sowie zahlreiche Zeitungen. Dennoch unterscheidet sich die Schweizer Kultur in den Bergen zumindest teilweise von der im Mittelland. Das Leben in einem abgelegenen Gebirgstal verläuft anders als in der Großstadt Zürich, auch wenn dieselben Informationen zur Verfügung stehen.

Architektur

Architektur und Design haben in der Schweiz mit Beginn des 20. zunehmend an Bedeutung gewonnen. Als Ergebnis sind viele Schweizer Architekten heute im Ausland gefragt, wie umgekehrt ausländische Architekten in die Schweiz kommen. Der bedeutendste Schweizer Architekt des 20. Jahrhunderts war wohl Le Corbusier (1887-1965). Der mehrfach preisgekrönte Architekt und Hochschuldozent Mario Botta aus Lugano hat u.a. im In- und Ausland Kirchen und Banken geschaffen. Das Baseler Architektenduo Jacques Herzog und Pierre de Meuron hat u.a. das Design des Hauptstadions bei den olympischen Spielen 2008 in Peking entworfen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Literatur

Zu den weltweit bekanntesten Figuren der Schweizer Literatur gehört sicherlich ‚Heidi’ von Johanna Spyri. Max Frisch mit seinen Werken ‚Homo Faber’, Biedermann und die Brandstifter’ u.v.a., sowie Friedrich Dürenmatt mit den ‚Physikern’ und dem ‚Versprechen’ sind zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren im 20. Jahrhundert zu zählen. Im 19. Jahrhundert wurde diese Rolle von Gottfried Keller wahrgenommen. Der bisher einzige Schweizer Literatur-Nobelpreisträger war 1919 Carl Spitteler mit seinem Epos ‚Olympischer Frühling’.

Zu den wichtigen französischsprachigen oder zumindest in der Schweiz geborenen Schriftstellern des 18. und 19. Jahrhunderts zählen Jean-Jacques Rousseau, Benjamin Constant, Blaise Cendrars, sowie der bedeutendste Vertreter in französischer Sprache im 20. Jahrhundert Charles Ferdinand Ramuz.

Bedeutende Maler

In der Malerszene waren es zu Beginn des 20. Jahrhunderts Arnold Böcklin und Ferdinand Hodler, die im Ausland Anerkennung fanden. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts kamen dann noch Alberto Giacometti und Paul Klee hinzu. Ein Beispiel für die verspielte Seite der Schweizer Kunstschaffenden sind die originell bemalten und gestalteten Kühe und Bänke, die zwischen 1998 und 2000 in den Straßen von Zürich zu sehen waren. Die Kühe machten dann Schule in New York, Sydney, Chicago und London.

Volksmusik und Brauchtum

Wer an Schweizer Volksmusik denkt, dem fällt sofort Jodeln, das Alphornblasen und das ‚Schwyzerörgeli’ ein. Weder das Jodeln noch das Alphorn haben ihre Wurzeln in der Schweiz. Beide wurden entwickelt um Signale und Kommunikation über lange Distanzen von Hügel zu Hügel zu senden. Das Schwyzerörgeli ist ein typisches schweizerisches Instrument, ein Akkordeon in Miniaturausgabe, das man heute noch häufig bei Volksfesten hören kann.

Was das Brauchtum betrifft so sind gerade die Advents- und Weihnachtszeit mit unseren Bräuchen vergleichbar.

Heinz
(Quellen: swissworld.org, auswärtigesamt, Schweizerisches Staatssekretariat für Bildung und Forschung, Auswärtiges Amt Schweiz)

Zurück