Dietrich Bösenberg: Spurensuche - Jüdische Friedhöfe in Deutschland

Projektbeschreibung

Aufgabe ist es, die jüdischen Friedhöfe zu erkunden, die Anlagen sowie Grabsteine zu fotografieren und zu beschreiben. Im Mittelpunkt steht das Sichtbarmachen der vorhandenen Zeugnisse und die Förderung des Verständnisses dafür. Nicht beabsichtigt ist eine lückenlose Aufnahme aller Grabsteine,  da dies die gegebenen Möglichkeiten übersteigen würde.  Auch ist es nicht das Ziel, eine umfassende Beschreibung und Typisierung aller jüdischen Friedhöfe zu erarbeiten.

Zur Bearbeitung gehören allgemeine Informationen zum Judentum und seiner Geschichte in Deutschland  - von frühesten Erwähnungen jüdischen Lebens in Deutschland in historischen Urkunden, dem wechselvollen Schicksal der jüdischen Bevölkerung zwischen Blüte und Verfolgung, bis hin zu den Hintergründen der Entstehung und Vernichtung von jüdischen Gemeinden, teilweise mit  ihren regionalen Differenzierungen.
Der Zustand der Friedhöfe und Grabstätten spiegelt auch das Schicksal der jüdischen Gemeinden  und Menschen wieder,  das durch Aufzeigen historischer Zusammenhänge, Entstehung der Friedhöfe, Aufstieg, Verfolgung, Ende und teilweise Vernichtung der jüdischen Gemeinden in der NS-Zeit bei den Projektarbeiten verdeutlicht werden kann.

Die Gräber bieten häufig Bezüge zu jüdischen Persönlichkeiten, sei es, dass sie dort begraben sind, sei es, dass sie aus diesen Orten stammen oder dort gewirkt haben. So kann lokale und auch überregionale Bedeutung deutlich werden.

Recherchiert wird in Bibliotheken von Universitäten, Städten und Gemeinden, in Ortsarchiven, Online-Veröffentlichungen und ggf. privaten Sammlungen. Wo immer möglich, wird mit den örtlichen Behörden, Landesämtern und sonstigen Institutionen (Vereinen) sowie mit Privatpersonen zusammengearbeitet. Gerade die Beiträge von Zeitzeugen oder zumindest Personen, die Kontakt mit Angehörigen der früheren jüdischen Bevölkerung hatten, sind wichtige Informationen.

Entstehung des Projektes und gesellschaftlicher Kontext

Im Rahmen eines Seniorenstudiums bei ZAWiW, Zentrum für Allgemeine Wissen-schaftliche Weiterbildung an der Universität Ulm, beteiligte ich mich seit 2002 an einem Arbeitskreis, der sich unter wissenschaftlicher Betreuung mit der Erforschung einer Landschaft – dem Nördlinger Ries – befasste. Angeregt durch die Entdeckung einer größeren Anzahl von jüdischen Friedhöfen in meiner weiteren Umgebung und anschließendem Literaturstudium beschloss ich eine weitergehende Erkundung und Beschreibung dieser Friedhöfe, und diese in das Projekt einzubringen.
Arbeitsmittel waren von Anbeginn Computer und Internet, sowohl für Recherchen, als auch für die Publikation.Die Ergebnisse liegen in Printform sowie als Internetseiten vor.
Das Echo auf Buch und Internetpräsenz war recht positiv. Hinzu kam die Tatsache, dass in ganz Deutschland über 2000 jüdische Friedhöfe erhalten sind. Diese Gesichtspunkte und die Erkenntnis, dass diese sichtbaren Zeugnisse der früheren jüdischen Bewohner im öffentlichen Bewusstsein wenig präsent waren, führten dazu,  mein abgeschlossenes Projekt über das Nördlinger Ries auf ganz Deutschland zu erweitern. Dazu sollten möglichst viele Personen, insbesondere Senioren, gewonnen werden, die jüdischen Friedhöfe in ihrer eigenen Lebensumgebung zu suchen und zu beschreiben. Ziel war die persönliche Beschäftigung mit der Materie um, unterstützt durch die Publikation im Internet, so einen Beitrag zur Pflege des jüdischen Erbes zu leisten.
Weitere wesentliche Zielsetzung war, das Projekt überwiegend virtuell, mit Hilfe des Internet bundesweit zu betreiben. Dies umfasste sowohl die Kommunikation untereinander als auch die Realisierung in Form von Websites. Somit waren entsprechende Vorkenntnisse oder ihr Erwerb Voraussetzung für die Beteiligung.
Für die Durchführung stand glücklicherweise die Homepage der bundesweiten Community ViLE – Virtuelles und reales Lernnetzwerk älterer Erwachsener e. V., Ulm, zur Verfügung, eine vom ZAWiW gegründete und betreute Organisation. Auch der zugehörige Webserver kommt zum Einsatz.
Inzwischen sind deutschlandweit über 20 Objekte erarbeitet worden und auf speziellen, vom Einreicher mit einer einheitlichen Grundkonzeption erstellten Websites veröffentlicht. Weitere Orte in verschiedenen Bundesländern sind im Entstehen.

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