Impressionen einer Teilnehmerin

Der Vormittag
Am Freitag ist der Himmel mehr grau als blau. Ob ich keinen Schirm hätte, werde ich gefragt. Ich habe keinen. Über eine kleine Anhöhe gelangen wir von hinten an das grüne Gittertor und den grün-goldenen Gitterpavillon. Vor uns breitet sich die Terrasse aus und öffnet den Blick nach Süden. In der Ferne erhebt sich der spitze Turm der katholischen Kirche. Hinter uns liegt die halbrunde

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Schlossfassade, gelb und golden.

Wir wenden uns nach links, wo unter einem weißen Sarkophag Friedrich der Große begraben ist. Darüber erhebt sich die liegende Schöne, die mit der kleinen Putte zu spielen scheint. Diese Ruhestätte hatte er sich der König schon zu seinen Lebzeiten gewünscht. In die Wiese eingelassen befinden sich zehn Grabsteine, neun mit den Namen der Hunde. Daneben, mit einem kleinen Abstand, die Platte mit dem Namen

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Die Grabplatte mit Kartoffeln

Ein paar Kartoffeln liegen neben seinem Namen. Sie sind ein Zeichen der Dankbarkeit, weil er in seiner Zeit der Kartoffel auf die deutschen Teller verholfen hat.
Sein Weitblick hat dazu beigetragen, die damals immer wieder herrschenden Hungersnöte zu überwinden.
Wir wenden uns dem Schloss zu und lesen über den Mittelfenstern Sans Souci.


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Sans Souci

Hier in dem relativ kleinen Schloss wollte Friedrich II ohne Sorgen leben. Raum für seine Hunde war im rechten Flügel, für seine Pferde im linken. Es wird erzählt, dass sich Stalin gegen Ende des Zweiten Weltkriegs dafür eingesetzt habe, Sanssouci nicht zu bombardieren. Angeblich habe er dort residieren wollen.
In einiger Entfernung sehen wir linker Hand, die Windflügel der Historischen Mühle.

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Die historische Mühle

Friedrich wollte sein Schloss auf einem Weinberg erbauen. Dafür ließ er die Terrassen anlegen, an deren Rand sich die Ranken winden. Vor den Stützmauern, wachsen in den Nischen Exoten, wie Feigen und Apfelsinen. Langsam bewegen wir uns auf der großen Freitreppe nach unten in Richtung der großen Fontäne.
Nur wenige Tropfen fallen aus dem Grau des Himmels.
Ich brauche keinen Schirm.

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Unsere Gruppe

In den Blumenrabatten entdecken wir hier und da zwischen den vielfarbigen Blüten auch Nutzpflanzen: Tomaten, Mangold, Rhabarber. Das sei typisch für Barock- und Rokokogärten, erfahren wir.

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Der Sizilianische Garten

Der Sizilianische Garten hat weniger Blumen, dafür Palmen inmitten akkurat geschnittener Buchsbaumeinfassungen.
Er liegt zwischen dem halbrunden Heckentunnel, der sich rechts und links auf die vielen Figuren hin öffnet.
Gegen Mittag verlassen wir Friedrichs Rokokoschloss und seinen Weinberg.

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Die TeilnehmerInnen lauschten der Führerin

Der Nachmittag
Für die Mittagspause wandern wir vorbei an grün bewachsenen Mauern in Richtung Historische Mühle.
Diese soll nach der Legende den König mit ihrem Geklapper gestört haben. Er habe dem Müller Geld geboten, wenn der sie ihm verkaufte. Aber der Müller wollte kein Geld, sondern seine Mühle behalten. Darauf hin drohte ihm der König: „Weißt du nicht, dass ich dir die Mühle wegnehmen könnte und du dann kein Geld dafür bekämst?“ Der Müller habe sich nicht einschüchtern lassen, sondern erwidert: „Das weiß ich wohl, aber dann würde ich zum Kammergericht nach Berlin gehen und dort würde mir mit meiner Klage Recht gesprochen.“

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Bei Möwenpick unter dem hohen Glasdach zwischen Palmen ist für unsere Gruppe gedeckt.
Die Auswahl ist groß, und allen schmeckt es.

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Nach dem Essen wenden wir uns dem klassizistischen Teil Sanssoucis zu. In dem Neuen Garten über lange Alleen, die sich rechts und links immer wieder öffnen und den Blick auf eine Statue erlauben, kommen wir zum Marmorpalais König Friedrich Wilhelms II, dem Nachfolger Friedrichs des Großen. Vor dem prächtigen Säulen Vorplatz steht seine Statue in weißem Marmor. Marmor bedeckt die Rückwand und den Fußboden, in den Ornamente eingelegt sind. Das Gebäude hat zwei Geschosse, über deren Mitte sich der Rundtempel erhebt.

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Von dort könnten wir einen Blick über die Stadt gewinnen, aber wir sind zu müde, um hinauf zu steigen. Wir schlendern weiter durch den Park. Inzwischen haben sich die dunklen Wolken am Himmel zusammengezogen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis es wirklich regnet. Das nächste Ziel ist darum das Café am Rande des Parks. Kurz bevor sich die Wolken über uns öffnen, kann ich mich unter das Dach retten. Wer einen Schirm hat, muss nicht rennen.

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Die Orangerie

Die vielen Torten in der Vitrine sehen sehr verlockend aus. Aber vor uns liegt noch der Grillabend in unserer Pension. Inzwischen hat sich die Sonne wieder eine Wolkenlücke erobert. Über die sehr belebte Lindenstraße unter dem Jägertor hindurch steigen wir zwischen den Vorstadtvillen zu unserem Quartier hinauf.

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Vor dem Jägertor der Potsdamer Altstadt

Der Abend
Im Garten des Nachbarhauses ist ein Zelt errichtet. Ein langer Tisch lädt zum Essen ein. Die Flammen des Grillofens lodern bereits und Wein und Wasser stehen auf den Pulten neben dem Zelt. Für Gedeck, Besteck und Salat gilt Selbstbedienung, Würste und Fleisch werden in großen Schüsseln auf den Tisch gebracht. Mich rühren sie nicht an. Ich ernähre mich fleischlos.

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Der Grillabend unterm Zeltdach

Speisen und Getränke heben die Stimmung und die Kakophonie der einzelnen Stimmen wird plötzlich von einem heftigen Regenguss unterbrochen. Hält das Zeltdach oder müssen wir fliehen? Es hält. Nur hier und da fällt ein Tropfen Wasser in ein unter das kleine Leck gestellte Glas.

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Das Grillfeuer ist erloschen, der Regen lässt nach und allmählich leert sich das Zelt.

Erdmute Dietmann-Beckert
Fotos Annegret, Margret

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