"Erika - Einsamkeit im Pflegeheim"

Endlich konnte ich meine 97-jährige Schwägerin wieder im Pflegeheim besuchen. Dazu hatte ich mich vor einer Woche angemeldet und einen Termin für 30 Minuten erhalten. Nachdem ich geklingelt hatte, wurde ein Stuhl in den Vorraum direkt hinter der Eingangstür gebracht, auf dem ich (natürlich mit Maske) Platz nehmen konnte. Dann kam ein kleiner Tisch. Nach einer Weile wurde ein zweiter Stuhl auf die gegenüberliegende Seite des Tisches gestellt. Schließlich wurde meine Schwägerin mit ihrem Rollator gebracht.

Auf diese Weise konnten wir uns gut unterhalten.
Für sie war die Zeit der Quarantäne trotz der wirklich sehr guten Betreuung durch das Pflegepersonal entsetzlich. Es gab auf ihrer Station keine gemeinsamen Mahlzeiten mehr, sie war praktisch in ihrem kleinen Zimmer eingesperrt. Sie ist sehr stark sehbehindert. Anregungen durch Lesen oder Fernsehen schieden dadurch praktisch aus. Telefon hat sie keines und mit einem Handy kann sie nicht umgehen. Die einzige Freude an Ostern und ihrem Geburtstag waren Briefe, die sie von der Verwandtschaft erhalten hat.

Inzwischen geht es ihr wieder gut. In ihrem Haus gab es keinen Covid-19 Fall und es gibt wieder gemeinsame Mahlzeiten und Gespräche miteinander. Sie hat auch durchaus Verständnis für diese rigiden Schutzmaßnahmen aber noch einmal möchte sie eine solche Phase der Einsamkeit nicht erleben.
Annemarie.

Dankeschön an Waldseer

Dankeschön an Waldseer

Mit diesem Transparent bedanken sich die Bewohner und Bewohnerinnen des Alten-
und Pflegeheims Spital zum Hl.Geist in Bad Waldsee bei den Einwohnern der Stadt für ihre Unterstützung während der Coronakrise.

Foto: Erla Spatz-Zöllner 6.6.20

„So erlebe ich die Coronapandemie“

Im Februar habe ich über die Faschingswoche 10 Tage Urlaub im Ötztal/Tirol in Österreich verbracht. Schon im Hotel wurde immer mal wieder über Corona-Infektionen in den Skigebieten Ischgl und Sölden/Ötztal gemunkelt, aber „etwas Genaueres wusste niemand, alles nur Gerüchte“. Ab 16.03.2020 wurde der Skibetrieb in allen Skigebieten in Österreich vorzeitig wegen Corona eingestellt, alle Gäste mussten ausreisen und die Grenzen zwischen Österreich und Deutschland wurden geschlossen.

Mitten in Europa wurden plötzlich auch andere europäische Grenzen von heute auf morgen dicht gemacht! Das hat mich sehr beunruhigt, denn ich konnte mich noch gut an die Zeit der geschlossenen Grenzen, der Grenzen vor Schengen, der Grenzkontrollen, der Zölle und der unterschiedlichen Währungen erinnern. Ich habe heute immer noch eine Schachtel mit Münzgeld der verschiedensten Währungen, wie österreichische Schilling, italienische Lire, niederländische Gulden, spanische Peseten, griechische Drachmen, französische Franc, etc., die es heute, genauso wie die Deutsche Mark (DM), nicht mehr gibt.

Plötzlich waren wir in Deutschland „eingeschlossen“, konnten nicht mal kurz übers Wochenende an den Bodensee nach Bregenz, ins Tannheimer Tal, an den Fuschl See oder ins Südtirol fahren. Das war ein beklemmendes Gefühl, vor allem weil man ja nicht wusste, wie lange dieser Zustand andauern sollte.

Corona hat uns ab 22.03.2020 in Deutschland das Kontaktverbot gebracht. Im Duden konnte ich das Wort „Kontaktverbot“ nicht finden.

Der Kontakt zu meinen Freunden, Bekannten, Kindern und Enkeln durfte nicht mehr stattfinden. Das Fitness-Studio, die Golfplätze, alle Restaurants und Geschäfte wurden geschlossen. Ab und zu hielt ich ein Schwätzchen mit den Nachbarn über den Gartenzaun hinweg, aber ansonsten war ich doch abgeschnitten von der Außenwelt, ausgegrenzt! Kontakte über Telefon, E-Mail, Brief und WhatsApp wurden natürlich aufrechterhalten, ersetzten jedoch nicht das persönliche Gespräch, die persönliche Begegnung, die Umarmung!

Und! - Wie langweilig war es doch vor Corona auf unserer Toilette! Toilettenpapier war immer weiß, hatte immer das gleiche Muster, vierlagig, gute Qualität, ohne Duft. Plötzlich gab es kein Toilettenpapier mehr zu kaufen. Warum hamstern Menschen Toilettenpapier? Unglaublich! Seither gibt es mit jeder neuen Packung Abwechslung. Die Blümchen sind mal groß, mal klein, mal bunt, manchmal ist sogar ein Bärchen abgebildet. Das Papier ist mal zwei- oder dreilagig, mal mit und mal ohne Duft. Es gibt wahrlich wichtigeres!

Nämlich das Kontaktverbot im Altersheim. ER wohnt in der Pflegestation, SIE in einer Altenwohnung, jedoch im gleichen Haus! Seinen 89. Geburtstag musste ER allein verbringen! Weder seine Ehefrau noch die eigenen Kinder/Enkel/Urenkel durften ihn sehen. ER durfte nicht besucht werden! Auch am 65. Hochzeitstag konnten sich die Eheleute nicht treffen und zusammen feiern, obwohl sie im gleichen Haus wohnen und leben! Was ist das nur für eine Zeit!?

Corona! Geblieben sind uns der Mund-/Nasenschutz, Desinfektionsmittel immer und überall und die Vorsicht.

Ich hoffe, dass wir bald wieder mit „offenem Visier“, mit Handschlag und Umarmung unseren Mitmenschen begegnen werden.

Brigitte Dzimbowski / 14.05.2020

Ausgesperrt während der Kontaktsperre.

Während der Zeit der Kontaktbeschränkungen entschloss ich mich gegen 17 Uhr bei unserer Post Briefmarken zu kaufen, um meiner 96-jährigen Schwägerin im Pflegeheim wenigstens ein paar Zeilen schicken zu können. Im Postamt zog ich das Portemonnaie aus der Hosentasche, bezahlte und wanderte durch die umliegenden Felder zu meiner Wohnung zurück. Dort bemerkte ich, dass meine Hausschlüssel fehlten. Sie waren nicht mehr in meiner Hosentasche. Ich lief zur Post zurück in der Hoffnung, sie dort verloren zu haben. Aber sie war bereits geschlossen.

Jetzt musste ich warten, bis meine Kinder wieder nach Hause kamen. Bei dem herrlichen Frühlingswetter waren sie am Nachmittag zu einer Wanderung an den Altarmen des Rheins aufgebrochen. Bei Freunden konnte ich keinen Unterschlupf finden. Sie gehören der Risikogruppe an und wollen keinen Besuch haben. Meine Nachbarn waren nicht zu Hause. Ein Handy hatte ich nicht dabei. Alle Gasthäuser in unserem Ort hatten vorschriftsgemäß geschlossen, sodass ich auch nirgends einkehren konnte. Gegen 21 Uhr kam meine Familie zurück und fand mich erschöpft vom stundenlangen Wandern und ziemlich durchgefroren vor.
Annemarie

Corona – Gedankenfetzen und Fragen

Abstand halten - Kontaktbeschränkung -Hände waschen - Masken tragen - in die Ellenbeuge husten - Papiertaschentücher - Lockdown!

Corona?- Was ist das überhaupt für eine Krankheit? Was weiß man darüber? Dunkelziffer? Mortalität? Gibt es Medikamente? Kommt die Impfung? Und wenn ich krank werde, sterbe? Muss ich meine Patientenverfügung ändern? Wie lange reicht das Geld? Verliere ich meine Arbeit? Finde ich einen neuen Job? Wann können die Kinder wieder in die Schule? Bekommen wir schnelleres Internet? Kommt Söder? Wie viele Frauen und Kinder werden geschlagen, missbraucht? Wie lange dauert das alles noch? Wann kann ich Freunde besuchen, ins Kino gehen? Fahren wir in Urlaub? Komme ich dann wieder nach Hause? Wie geht es danach weiter? Werden die Autos kleiner? Die Ansprüche bescheidener? Werden Ressourcen geschont, wird mehr recycelt werden? Wie kommen die anderen durch die Krise, in Europa, Afrika, Indien, Amerika? Werden Erziehung und Pflege besser bezahlt werden? Wird das Gesundheitswesen patientenfreundlicher, weniger von ökonomischen Interessen bestimmt sein? Kommen die Betriebe wieder auf die Beine? 

Aber auch: Zeit haben, keine Kondensstreifen, lesen, spazieren gehen, Tischtennis spielen, Rad fahren, kaum Termine, etwas Neues lernen, aufräumen, im Garten werkeln, träumen, neue WhatsApp- Gruppen mit Freund*innen, kochen, mit der Familie essen, spielen, schreiben, den Frühling genießen…

Erla Spaz-Zöllner 7.5.20
Zeichnung von Elfriede Schöfer

Der Zauberlehrling

 

Hat der alte Hexenmeister

Sich doch einmal wegbegeben!

Und nun sollen seine Geister

Auch nach meinem Willen leben.

Seine Wort` und Werke

Merkt` ich und den Brauch,

und mit Geistesstärke

tu ich Wunder auch.

 

Fliege, Fliege,

manche Strecke!

Dass, zum Zwecke,

all die Bösen

sich mit Fieber, Schmerz und Husten

schnell von unsrer Erde lösen.

 

Und nun kommt ihr neuen Viren

Setzt euch auf die hübsche Krone!

Wart schon viel zu lange ohne.

Solltet meine Macht jetzt zieren!

Habt nur leider einen Kopf.

Eilet nun und suchet

Euch den ersten dummen Tropf.

 

Fliege, Fliege,

dass, zum Zwecke,

all die Bösen

sich mit Fieber, Schmerz und Husten

schnell von unsrer Erde lösen.

 

Seht, nun fliegt der Coronatus,

wahrlich ist schon im Genusse

eines Pharyx, eines Pulmus

und blockiert Geschäfte, Züge, Busse.

Schon beim nächsten Male,

wie die Erde bebt,

jeder Dicke, jeder Schmale

ängstlich nur nach Hause strebt!

 

Halt doch ein, du Coronatus!

Denn wir haben deiner Gaben

voll gemessen!

Ach, ich merk´ es! Wehe! Wehe!

Hab´ die Formel glatt vergessen!

 

Ach, die Formel, die zum Schluss

Es das wird, was wir erhoffen!

Doch es frisst mit Hochgenuss

Wie vom Siegeszug besoffen!

Immer neue Opfer

bringt es schnell zu Fall.

Ach, als Bundespräsident erhofft er,

dass, der shut down wirke – möglichst überall!

 

Nein, nicht länger

kann ich´s lassen,

will es töten,

will es chassen

Hab´ ich Glück?

Ach, nun wird mir immer bänger,

welch Strategien und s´gibt kein Zurück!

 

Oh, du Ausgeburt der Hölle,

soll die ganze Welt krepieren?

Seh´ ich über keine Straße

Heitre Menschen mehr flanieren.

Ein verruchtes Virus,

das nur töten will,

doch es darf nicht, doch es muss!

Ob mit Mut ich´s wieder kill?

 

Willst´s am Ende

gar nicht lassen?

Will dich testen, dich mit Analyse fassen

Und dich Monster dann behende

Mit der Pille heil´n die Massen!

 

Seht, es attackiert schon wieder,

wie sich alle auf es werfen,

ringt auch die Stabilsten nieder.

Forscher fängt es an zu nerven,

streiten sich um die Prognosen.

 

Wahrlich, ihr Bemühen,

zielgerichtet und ganz offen,

wird die Rettung nach sich ziehen!

Und wir können hoffen,

und wir atmen frei!

 

Wehe! Wehe! Dieses Virus

hält sich nicht

an seine Pflicht!

Fegt in allen Supermärkten

die Regale leer

macht nun auch den Unternehmen

zunehmend das Leben schwer.

 

Und sie grassieren weit und breit,

schaffen Tausende von Toten,

welch entsetzlich dunkle Zeit!

Keiner weiß, was jetzt geboten!

Ach, da kommt der Retter

von der Pharmaindustrie

und s´ ist ein ganz netter !

Ohne Impfung schaffen wir das nie!

 

In den Orkus!

Böse Wesen

seid´s gewesen!

Denn als Pharmareferent,

tu es mortus, Coronatus!

er die Anti-Formel kennt.

Rolf König


So erlebe ich die Corona-Pandemie

Am 5.3.2020 hatte ich, für ViLE, eine Exkursion zur Kunsthalle nach Karlsruhe organisiert. Auf der Rückfahrt haben wir erfahren, dass ein Paar, das uns begleitete, gerade erst aus einem Südtirol-Urlaub zurückgekommen war.

Gegen Mitte März bekam ich eine fiebrige Erkältung und steckte meinen Mann an, der dann nach 2 Tagen 39° Fieber hatte. Als das Fieber am 2. Tag immer noch nicht gesunken war, versuchte ich, die Südtirol-Rückkehrer zu kontaktieren, um in Erfahrung zu bringen, ob sie an Corona erkrankt sind. Ich konnte die beiden nicht gleich erreichen und hinterließ eine Mail. Am Nachmittag rief ich bei der Hausärztin an, die ich endlich gegen 15:30 h erreichte. Ich erklärte unseren Zustand und informierte sie über unseren Kontakt zu Südtirol-Rückkehrern. Sie schrieb eine Überweisung für einen Corona-Test für uns beide aus, den sie zur Abholung aufs Fensterbrett ihrer Praxis legte, und sagte uns, dass wir mit der Telefon-Nummer 116 117 Kontakt aufnehmen sollten, um uns für einen Test anzumelden.

Gesagt, getan. Ich rief die bekannte Telefon-Nummer 116 117 an. Fünfmal wurde ich innerhalb dieser Stelle weiterverbunden, bis ich dann die Nachricht erhielt, dass sie für Corona-Tests nicht zuständig seien, die Hausärztin müsse ein FAX ans Gesundheitsamt senden, von dort bekämen wir dann einen Termin für einen Test.
Also rief ich die Ärztin zurück. Ihre Antwort: habe ich mir doch fast gedacht, aber jetzt hat das Gesundheitsamt geschlossen! Fahren Sie mit der Überweisung zur Uniklinik, um dort den Test zu machen. Mein Mann weigerte sich, zur Uniklinik zu fahren und sich dort mit hohem Fieber in eine Testschlange zu stellen.

Ich überprüfte die Arbeitszeit des Gesundheitsamtes. Tatsächlich, es schloss zu diesem Zeitpunkt trotz der Krise pünktlich um 16 Uhr!

2 Tage später war das Fieber meines Mannes wieder auf normaler Höhe, dafür hatte ich jetzt 39,5 °C Fieber. Die Südtirol-Rückkehrer berichteten, dass es ihnen seit der Rückkehr wunderbar geht und sie keinerlei Krankheitserscheinungen haben. Ich rief also wieder die Hausärztin an und fragte, ob unter diesen Umständen ein Corona-Test erforderlich sei. Sie verneinte das, verschrieb aber meinem Mann und mir Antibiotika. Das Rezept wollte sie gleich an eine Apotheke nach Erbach weitergeben, die uns die Antibiotika bringen würden. Das ging gründlich schief, sodass wir erst einen Tag später die Arznei bekamen. Um sicherzugehen, hatten wir unsere Tochter zur Abholung in die Apotheke geschickt.

Obwohl wir beide dann 2 Tage lang die Antibiotika eingenommen hatten, war bei mir keine Besserung in Sicht. Ich hustete die ganze Nacht, die Anfälle gingen so weit, dass ich keine Luft mehr bekam. Nach dem 4. Anfall in der Nacht rief mein Mann den Rettungswagen, der mich gegen 5 Uhr in die Notaufnahme der Uniklinik brachte.

Das Erste, was man dort machte, war ein Corona-Abstrich. Danach folgten weitere Untersuchungen, bei einem CT wurde eine Lungenentzündung diagnostiziert. Das Ergebnis des Corona-Tests sollte bis 15 Uhr vorliegen. Gegen 16 Uhr wurde ich von einer nur 60 cm breiten Pritsche in ein Bett verlegt und kam mit einer Antibiotikum-Infusion in ein Krankenzimmer.

Abends um 22 Uhr kam endlich die Erlösung: Der Test war n e g a t i v.
Es war „nur“ eine schwere Lungenentzündung.

Gleich um 22 Uhr wurde ich mit meinem Bett durch das ganze Krankenhaus geschoben, von der neuen Chirurgie in die Innere. 8 Tage verbrachte ich im Krankenhaus. Inzwischen bin ich wieder fit und mein Mann auch!

Wir halten uns strikt an die Vorgaben. Die Einkäufe erledigt mein Mann und trägt dabei schon länger Maske und Handschuhe. Mit der Familie, Verwandten und Freunden sind wir über Telefon, WhatsApp und Mails in Kontakt. Hier erfahren wir, wie schlimm für den einzelnen die Kurzarbeit mit den damit verbundenen finanziellen Einschränkungen ist, und welche Belastung das Homeschooling der Kinder für die Eltern ist, die zum Teil im Homeoffice arbeiten.

Sobald die heftigen Einschränkungen gelockert werden, wollen wir uns mit der Familie auf Abstand und mit Gesichtsschutz im Garten treffen.

Wir hoffen, dass wir Corona bzw. Covid-19 entgehen können. Sollten wir je infiziert werden, hoffen wir, die Krankheit ohne Folgeschäden zu überstehen.

29. April 2020 / Beate Braun

Wie ich die Coronazeit bestehe.

Mein Name ist Maria Schmelter und ich komme aus Darmstadt. Ich lebe allein und gehöre zu den Singles, die sich ihre reichlichen Kontakte im Alltag gut organisieren.
Als nun die Coronakrise begann, dachte ich „das können DIE doch nicht machen, mich von meinen Kontakten abschneiden“. Mit der Einsicht in die Notwendigkeit, stieg auch meine Bereitschaft, mich an die neuen Regeln zu halten.
Ein Glück für mich ist, dass ich im Alltag nicht allein bin, weil meine Schwester, die zu Besuch war, geblieben ist und wir eine gute Notgemeinschaft sind.
Ich habe für mich einen Weg gefunden, weiter mit meinen Freunden und Bekannten, auch über das Telefon und die Neuen Medien hinaus, auf altmodische Weise in Kontakt zu sein. Ich gestalte Grußkarten.  Aus Zeitschriften mit guter Papierqualität suche ich, jahreszeitlich passende Bilder aus und klebe sie auf farbige Doppelkarten. Schon während ich die Karten mache, bin ich in gedanklichem Kontakt mit den Menschen, denen ich sie schicken möchte. Das tut mir gut.
So kam ich auf die Idee mit den „Corona-Care-Paketen“. Ich verschicke also an Freunde und Bekannte, von denen ich weiß, dass sie noch von Hand schreiben, Päckchen mit je 10 Karten. Wenn die diese weiterschicken, an Menschen, denen sie gedanklich verbunden sind, so ist ein wichtiges Signal gesetzt: auch du bist nicht vergessen.
Inzwischen habe ich schon über 50 solcher „Corona-Care-Pakete“ verschickt. Natürlich bekomme ich dadurch auch selber viel Post und kann die Zeit so gut bestehen.
Wer ein „Corona-Care-Paketvon mir möchte, kann sich gerne melden. Eine Spende in Form von Briefmarken wird gerne entgegengenommen.

Maria Schmelter 01.05.2020

Corona 1 - Glosse "Klopapier".

Ist ein Leben ohne Klopapier denkbar? Klopapier gehört zu den am meisten gehamsterten Artikeln. Es ist ja nicht mal ein Lebensmittel, obwohl es in Supermärkten verkauft wird. Es ist ein Hygieneartikel, wie eben Seife, deren Platz im Regal jetzt bei vielen Einkäufen ebenfalls leer ist. Dabei hatten Seifenstücke vor der Krise ein eher randständiges Dasein gefristet. Flüssigseifen, in vielen verschiedenen Geruchsvarianten hatten ihnen den Rang abgelaufen.
Nur diejenigen, die angefangen hatten, Plastikmüll zu vermeiden, waren wieder zu den in Karton eingepackten Seifenstücken zurückgekehrt. Es ist schon erstaunlich, wie lange man die Hände an so einem Seifenstück reiben kann, bevor es merklich kleiner wird. Wahrscheinlich musste deshalb eine Variante erfunden werden, die sich schneller verbraucht und die mehr Gewinn abwirft – Plastik hin oder her.
Na klar, ich hamstere auch, nicht im großen Stil, sondern eher bescheiden, wie es meinem Naturell entspricht. Ich fülle die Klopapiervorräte nicht wie in Vorcoronazeiten, erst auf, wenn die letzten 3 Rollen im Anbruch sind, sondern ich kaufe dann eine neue Packung, wenn beim Einkauf – auf den ich noch nicht verzichte – gerade welches im Regal liegt. Aber mehr als zwei zusätzliche Vorratspackungen hole ich nicht. Ich hoffe ja, dass Corona vorbeigeht und wir dann wieder zu unserem Alltag zurückkehren können.
Als Nachkriegskind habe ich ja noch erlebt, das man sich auch mit Zeitungspapier den Hintern abwischen kann. Das war die frühe Form von Recycling, denn für Luxusgüter- und dazu gehörte Klopapier – war kein Geld übrig. Unser Klo befand sich außerhalb der Wohnung. Es war so kalt, dass man im Winter Angst haben musste auf dem Klodeckel festzufrieren. Es gab dort einen Nagel, auf dem handliche Stücke der Westfälischen Nachrichten aufgespießt waren. Im Sommer, wenn es warm war, konnte man einen interessanten Artikel über das Leben der Reichen und Schönen noch einmal nachlesen, wenn er nicht gerade in der Mitte zerteilt war, dann war es eine Fantasieübung die Sätze zu vervollständigen, so wie wir es im Schreibkurs manchmal taten. Vielleicht ist damals meine Liebe zum Schreiben entstanden, ich erinnere es nicht mehr.
Ich komme noch mal auf meine Anfangsfrage zurück: Ist ein Leben ohne Klopapier denkbar? Ja, es ist – natürlich haben sich unsere Hintern an weiches, saugfähiges Papier gewöhnt. Es gab auch die weniger aufwendige Variante, hergestellt aus Recyclingpapier, also schon ein bisschen dichter an meiner Kindheitserinnerung. Aber bunt eingefärbt, mit Bildern oder Sprüchen bedruckt und vielleicht noch mit Duft versehen, das brauchen wir nicht, da hatte die manipulative Werbung ihre Hände im Spiel.
Vielleicht könnte das eine Lehre aus der Coronakrise sein, sich mehr auf das wirklich Notwendige zu besinnen. Ich höre schon die Unkenrufe, wie viele Arbeitsplätze dann wegfallen würden, Menschen die ausschließlich damit beschäftigt sind, uns von der Notwendigkeit des nicht Notwendigen zu überzeugen.

Maria Schmelter 17.3.2020

Corona 2 - Friseure.

Als ich in der Zeitung las, welche Geschäfte entsprechend der Verordnung der Hessischen Landesregierung ab sofort geschlossen bleiben, da war ich reichlich erstaunt, dass die Friseure davon ausgenommen sind.
Na klar, Lebensmittelläden, Apotheken und Zeitungskioske bleiben weiter auf. Verhungern wäre mit und ohne Corona, eine Todesart, die ich mir für mich so gar nicht vorstellen kann. Akut und chronisch Kranke müssen weiterhin Zugang zu Medikamenten haben und in der Zeitung müssen wir das Neueste über Corona lesen können, auch wenn wir es zuvor schon stündlich in den Nachrichten gesehen und gehört haben.
Aber, was ist das Überlebenswichtige am Friseurbesuch?
Würde man sagen, Menschen fühlen sich besser, wenn sie gepflegt aussehen, so hätte man auch den Boutiquen den weiteren Verkauf gestatten müssen. Da hätte ja der Rattenschwanz der Ausnahmen ohne Ende wieder begonnen. Individualisierungsmätzchen können wir uns jetzt gar nicht leisten, sonst hätte ich natürlich dafür gestimmt, das mein Buchladen offen bleibt, denn was Ordentliches zu lesen, stärkt in der Isolation meine Immunkräfte.
Aber warum bleiben Friseure von der Schließung ausgenommen?
An den Lobbyisten kann es auch nicht liegen, denn hätte man die alle zu Wort kommen lassen, wie in normalen Zeiten, wir würden alle an Corona sterben, aber die Wirtschaft wäre gerettet.
Haben die Forscher vielleicht irgendetwas im Kampf gegen Corona entdeckt, dass etwas mit den Haaren zu tun hat, aber es ist noch nicht valide geprüft, um es zu veröffentlichen? Wird etwa an den Haarspitzen bei Berührung, ein Antivirulentia aktiviert, das gegen Corona wirkt? Das müsste doch die Schlagzeile Nr.1 sein, weil wir so alle im Selbstversuch helfen könnten, die Krankheit zu bekämpfen.
Alle würden ja nicht mitmachen, so wie sich eine ganze Reihe von Leuten auch jetzt nicht an die neuen Regeln halten: kein Kontakt, der nicht unbedingt nötig ist, 2 Meter Sicherheitsabstand und Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen.
Da ich ja nicht ergründen kann, warum Friseure weiterhin besucht werden können, ich aber keine Lust verspüre, hinzugehen, denn bei mir reicht ein Friseurbesuch 3 Monate und ich war erst vor 4 Wochen und mir ist dort das Risiko der Ansteckung zu groß. Ich kann ja einfach auf Verdacht mit der Haarwurzelmassage anfangen. Wie heißt es so schön im Apothekenmuseum in Heidelberg „Und wenn es nichts nutzt, so schadet es auch nicht.“ Sollten die Friseure dann doch noch auf die Liste der zu schließenden Läden kommen, kann ich ja einfach wieder aufhören.
Kommt alle gut durch die Zeit.
Maria Schmelter 18.3.2020

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