Das polnische Rentensystem

Das polnische Rentensystem setzt sich aus drei Säulen zusammen. Zum einen müssen alle Beschäftigten einen obligatorischen Beitrag an die Zentralversicherungsanstalt (ZUS) abführen. Daneben bestehen offene Pensionsfonds, denen jeder nach 1969 geborene Versicherungspflichtige beitreten muss. Die dritte Säule besteht aus einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge. Männer können offiziell ab dem 65. und Frauen ab dem 60. Lebensjahr Rente beanspruchen. Die Auszahlungen bestehen aus einer Grundrente und einem einkommensabhängigen Betrag.

Versicherungsanstalt sammelt alle Daten

Der Versicherungsträger ist die Sozialversicherungsanstalt ZUS. Hier werden sämtliche Daten und Versicherungsbeiträge gesammelt, bearbeitet und weiter an die zuständigen Stellen übertragen. Unternehmer und Arbeitgeber müssen monatlich als Beitragsschuldner der Gesamtsozialversicherungsbeträge die Beiträge für die Arbeitnehmer und sich selbst errechnen und den Beitragsnachweis für die Versicherungsanstalt und für die Arbeitnehmer erstellen. Arbeitgeber führen 45 Prozent der Bruttolohn- und – gehaltssumme an die Sozialversicherung ab.

Die Sozialversicherung umfasst die Pensionsversicherung, Rentenversicherung, Versicherung im Falle der Arbeitsunfähigkeit und die Unfallversicherung. Die Beiträge zur Pensions- und Rentenversicherung bezahlen je zur Hälfte Arbeitgeber und Arbeitnehmer während die Beiträge zur Unfallversicherung und zum Arbeitslosenfonds nur vom Arbeitgeber entrichtet werden. Die Arbeitsunfähigkeitsversicherung (Krankengeld) muss der Arbeitnehmer bezahlen.

Kostenlose Krankenversicherung

Alle versicherten Bürger in Polen sind zur kostenlosen medizinischen Versorgung berechtigt. Pflichtversichert sind alle erwerbstätigen polnischen Staatsbürger, wobei Kinder bis zum 26. Lebensjahr und nicht erwerbstätige Ehepartner beitragsfrei mitversichert sind. Auch Arbeitslose zahlen keine Beiträge. Der Anspruch auf kostenlose Leistungen steht den Versicherten und ihren Familienangehörigen dann zu, wenn die medizinische Versorgung von einem Arzt geleistet wird, der einen Vertrag mit dem Nationalen Gesundheitsfonds abgeschlossen hat und als Kassenarzt bezeichnet wird. Der Nationale Gesundheitsfonds (NFZ) entstand 2004 und ersetzte damit die vorher 17 Krankenkassen.

Rentensystem reformiert

Eine Reform des polnischen Rentensystems trat am 1. Januar 1999 in Kraft. Sie beruht auf dem deutschen Modell und den Vorschlägen der Weltbank. Sie war notwendig geworden aufgrund der Entwicklung der Alterspyramide der Bevölkerung. Wie in den anderen europäischen Industrieländern altert auch in Polen die Bevölkerung und der Anteil der nicht mehr erwerbstätigen Bevölkerung nimmt zu. Statistische Erhebungen zeigen, dass sich das Verhältnis zwischen erwerbstätiger Bevölkerung und Rentnern in den kommenden Jahren stark zu Gunsten der Rentner verschieben wird.

Leistungen im Rahmen der ersten Säule werden nicht allgemein und ohne Unterschied ausgezahlt, sondern sind an Erwerbstätigkeit und Arbeitseinkommen gebunden. Das Modell der Weltbank wurde aber in Polen durch die Einführung der zweiten Säule als Pflichtversicherung aufgegriffen. Von Bedeutung ist, dass die Reform hauptsächlich für jüngere Leute unter 30 Jahren gilt, auf die die neuen Regelungen ab sofort anwendbar sind. Arbeitnehmer zwischen 30 und 50 Jahren hatten bis Ende 1999 die Wahl, entweder im reformierten Umlagesystem zu bleiben oder in das System mit zwei Säulen einzutreten. Personen über 50 Jahre sind von der Reform nicht betroffen. Es wurde also gesetzlich festgelegt, dass das Alterseinkommen in Zukunft aus folgenden Quellen finanziert wird:

  • Altersrente im Umlageverfahren aus der gesetzlichen Rentenversicherung (Rentenversicherung und Unfall- und Krankenversicherung bilden die Sozialversicherung – sie bildet die erste Säule, die von der Anstalt für Sozialversicherung ZUS verwaltet wird),
  • von den Versicherten eingezahlte Beiträge in offene, von privaten Organismen verwaltete Rentenfonds –sie bilden die zweite Säule,
  • verschiedene freiwillige Formen des Rentensparens.

Sowohl die gesetzliche Rente der ZUS sowie die Leistungen des offenen Rentenfonds hängen nur von der Höhe der vom Versicherten eingezahlten Beiträge sowie von den anrechnungsfähigen Zeiten ab (die Leistungen der gesetzlichen Rente sind dynamisch und die Leistungen des Rentenfonds erhöhen sich um die Rendite aus Anlagen). Je später man in Rente geht, desto vorteilhafter sind die Leistungen.

Entscheidung für Zusatzrenten

Das neue System gibt dem Versicherten die Möglichkeit, selbst über eine zusätzliche Altersrente zu entscheiden, wenn er der Ansicht ist, dass die Rente der gesetzlichen Sozialversicherung (erste Säule) und der offenen Rentenfonds (zweite Säule) nicht ausreichend ist. Die Versicherten können zusätzlich eine Lebensversicherung abschließen, Anteile an Investmentsfonds kaufen oder sich an Rentensparplänen beteiligen, die von den Arbeitgebern organisiert werden. Bei derartigen Programmen wird der Mindestbeitrag in Höhe von 7 Prozent des Gehalts vom Arbeitgeber eingezahlt und der Arbeitnehmer kann einen zusätzlichen Beitrag leisten.

Arbeitgeber zahlen die Hälfte

Der Rentenbeitrag beträgt 19,52 Prozent der Berechnungsgrundlage, davon werden 9,76 Prozent vom Arbeitgeber und 9,76 Prozent vom Arbeitnehmer gezahlt. Vom Arbeitnehmerbeitrag sind 7,3 Prozent für den offenen Rentenfonds bestimmt.

Die gesetzliche Rentenversicherung betrifft fast alle Berufsgruppen (mit Ausnahme von Landwirten, Richtern und Staatsanwälten, Berufssoldaten, Polizisten und Mitglieder von Spezialdiensten). Sie regelt auch die Rentenansprüche verschiedenster Berufsgruppen, die bislang unterschiedlichen Systemen angehörten.

Renten ab 60 und 65

Die Rentenansprüche sind gesichert beim Erreichen des Rentenalters von 60 Jahren für Frauen und 65 Jahren für Männer (viele Versicherte kommen jedoch in den Genuss von Ausnahmeregeln), und einem Nachweis von Versicherungszeiten von mindestens 20 Jahren für Frauen und mindestens 25 Jahren für Männer. Es gibt berücksichtigungsfähige beitragsfreie Versicherungszeiten (Kindererziehungszeiten oder Studium).

Die Höhe der Rente

Die Rente wird entsprechend des Lohns oder Gehalts des Versicherten festgelegt, für das er Beiträge gezahlt hat. Herangezogen werden bis 2000 die letzten zehn Jahre, ab 2000 die letzten 20 Versicherungsjahre.
Die Höhe der Rente beläuft sich auf 24 Prozent der Berechnungsgrundlage, 1,3 Prozent der Berechnungsgrundlage für jedes Beitragsjahr und 0,7 Prozent der Berechnungsgrundlage für jedes anrechnungsfähige beitragsfreie Jahr.
Die polnische Gesetzgebung sieht Mindestleistungen für Alter und Erwerbsunfähigkeit vor. Diese Mindestleistungen werden regelmäßig entsprechend eines Koeffizienten angepasst. Personen, die bei Inkrafttreten der Reform noch nicht 50 Jahre alt waren, unterliegen einem anderen Rechtsstatut.

Mischsystem zur Finanzierung

Seit der Rentenreform werden die Renten durch ein Mischsystem aus Kapitaldeckung und Umlage finanziert. Die Rentenreform wird außerdem auch durch Einnahmen aus Privatisierungen finanziert, die durch entsprechende Rechtsakte abgesichert sind. Diese Finanzierungsquelle ist wegen der Übertragung eines Teils der Beiträge zur zweiten Säule (7,3 Prozent der 9,52 Prozent Arbeitnehmerbeiträge) notwendig und soll die Mittel zur Auszahlung der Versorgungsleistungen an die augenblicklichen Rentner und der zukünftigen Leistungen für Personen über 50 sichern, die nicht mehr von der Rentenreform betroffen sind.

(Quellen: EVVÖD, wikipedia)

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