Wandel vom Gedruckten zum Digitalen Buch.

Das gedruckte Buch, bleibt es uns erhalten? Lesen im Wandel angesichts der digitalen Revolution war das Thema des ersten Online-Vortrags der bundesweiten Online-Ringvorlesung der BAG WiWA unter dem Leitthema „Reformation und Revolution“. Es folgen im Sommersemester 2017 noch drei weitere Vorträge, die die ViLE-Mitglieder auch von Zuhause oder unterwegs im livestream anschauen können. Hier ein inhaltlicher Bericht zum ersten Vorlesungsbeitrag von Barbara Heinze.

In einem Online-Vortrag sprach die Juniorprofessorin Norrik-Ruhl aus Mainz über den „Wandel vom Gedruckten zum Digitalen Buch“ am 19.04.2017. Über eine Videokonferenz waren 7 weitere Universitäten aus Hildesheim, Magdeburg, Mainz, Oldenburg, Ulm, Saarbrücken, Trier und Bremen mit dabei. Ich selbst konnte den interessanten Vortrag von Zuhause über meinen Computer live mit ansehen. Hier eine kurze inhaltliche Zusammenfassung:

  1. Lesen im Wandel der Kommunikationsgeschichte:
    Ab dem 17. Jahrhundert wurde gelesen, aber selten. Ab dem 18. Jhd. kam es zu einem Wandel: Bücher nicht nur zur Info, sondern auch zur Unterhaltung. Im 19. Jhd. beginnt, dass das Lesen eine Massenunterhaltung wird;  um 1900 wird in Deutschland die allgemeine Schulpflicht eingeführt.
    1927 gab es erstmals eine Bestsellerliste. Seit 1950 gibt es Taschenbücher, Trend zur Kommerzialisierung. Ab 1990 gab es Filialisten, mit Café, und anderen Angeboten außer Büchern, der Kunde ist König. Erste Digitalisierung um 1980. 1992 gibt es den ersten eBook-Reader
  1. Trends und Chancen
    Im 20. Jahrhundert entstehen neue Beziehungen, weniger Zwischenketten zwischen Verlagen und Lesern. Neue Marktverhältnis, die Verlage nutzen „Outsourcing“. Über social media wie Facebook kommen die Verlage direkter an den Leser. Moderne Formen: Verlagsblogs, z. B. Fischer Verlag; hier kommen Autoren, Verleger, Leser zu Wort. So haben z. B.z.B. bei Harry Potter 300 000 Leser über das Buchlayout abgestimmt.
    Buchkauf: 80 % der Menschen in Deutschland lesen, es geht aber in Richtung Multitasking.
    Kein konzentriertes Lesen, sondern hin und her wechseln.
    Frauen lesen mehr als Männer, über 70 jährige kaufen weniger.

  2. Digitales Buch:
    Seine Leser lesen mehr, weil man das ebook immer dabei haben kann, ist auch preiswerter. Inzwischen sind 27 Millionen ebooks in Deutschland abgesetzt worden. Digitale Bücher mit Themen hauptsächlich zur Unterhaltung. 63 % der ebook Leser sind weiblich, die meisten sind zwischen 50 und 59 Jahren alt. Die Leser sind oft hybrid: Lesen sowohl digital als auch gebundenes Buch. Zunehmend werden ebooks ausgeliehen. Online-Ausleihen: 500 000 in Nord-Rhein-Westfalen (Zeitraum?)
    Leser können auch Reviewer sein: Es entstehen mehr eigene Texte der Leser, es gibt Blogs, eigene Webseiten, es gibt youtube- und Videoblogger.

    Lesen in Gesellschaft:
    Lesekreise - nicht online, intensiver, aber erreichen weniger Leute.

    Dagegen im Internet:
    Social reading: In diesen speziellen Leser-Communities können die Nutzer darüber hinaus ihr individuelles Leseverhalten dokumentieren, ihre Markierungen, Annotationen und Zitate teilen und das Gelesene bewerten. Mit zehn Millionen Mitgliedern und 360 Millionen katalogisierten Büchern ist die amerikanische Seite „goodreads.com“ die größte Plattform für social reading. Neben den oben genannten Funktionen wird Goodreads (Amazone) auch intensiv für Gespräche über Bücher genutzt: Hat 15 Millionen Leser, von 1,5 Milliarden Büchern, mit 50 Millionen Rezensionen. Der deutsche: „lovely book“ ist kleiner. Autorenlesungen boomen, die Autorenlesungen in der Frankfurter Oper waren ausverkauft.
  1. Ausblick und Diskussion
    ebook- ein unfreiwilliger Beitrag der Leser - der gläserne Leser:
    Liefert von dem Leser, wie, wer, bis wohin, wie oft er gelesen hat - das kann dazu führen, dass Lesegewohnheiten gesammelt werden, ebenso Daten zur Intelligenz usw. Letztendlich dadurch wieder Einfluss auf die Produkte?
    Crowdfunder:
    AutorInnen können Probe schreiben und damit werben. Es gibt 282 Projekte dazu inzwischen in Deutschland, und ca. 37 000 Buchideen international.
    Buchgemeinschaften wie Bertelsmann sind stark am Abnehmen. Aber es gibt immer noch einen Markt für Bücher.
  2. Zusammenfassung und Ausblick:
    Hybride Leser: Ändert sich das in Zukunft?
    Haptik spielt eine Rolle, das Buch wird bleiben.
    Bekannt ist, dass der freiwillige Griff des Kindes zum Buch direkt korreliert mit seiner Bildung, die es erhalten wird.
    Übrigens gibt es Vorlese-Apps.Leseflatrate - gibt es die wie bei Musik, Video; Piraterie? digitale Schulbücher?

    'Buchpreisbindung - nur in Deutschland, nicht unbedingt in Europa. Lexika sind out!!
    Bei Spiegel sind 25 % der Redakteure entlassen worden.
    3-5 jährige Kinder nutzen zu mehr als 50 % ihrer Zeit den Fernseher.
    Qualität des Buches. Markus fragt: Banalisierung (heute kann jeder schreiben), es gibt also eine große Streuung in der Qualität des Buches. Zur Qualität selbst kann die Vortragende nichts sagen - sie hat nur Häufigkeiten analysiert.
    In Marbach gibt es übrigens ein Literaturmuseum, teilweise auch mit Leseautomaten.
    Hörbücher: Seit 2000 ist die Nachfrage nach Hörbüchern sehr gewachsen, die kann man downloaden.
    Sachbuch: Unterschiede zwischen Literatur und Sachbuch. Wissenschaftliche Literatur wird fast nur noch digital gelesen, das ist Standard. Was ist mit Schulbüchern?

Den Vortrag von Zuhause anzusehen fand ich sehr spannend. Vielleicht werde ich das nächste Mal auch dazu an die Uni gehen, dort kann man sich dann auch besser mit anderen Teilnehmenden darüber austauschen. Wenn mir die Zeit dazu aber nicht reicht, dann werde ich wieder per livestream von Zuhause mit dabei sein können.


Teilnehmende der Ringvorlesung. Foto: Barbara Heinze.

Mehr über die Online-Ringvorlesung findet man unter https://online-ringvorlesung.de/.

Im Rahmen der aktuellen Vorlesungsreihe zum Thema „Reformation und Revolution. Gesellschaftlicher Wandel und seine Übergänge“ gibt es am 10.05.2017 den nächste Online-Vortrag zur „1848/49 er Revolution und ihre Folgen“, dann per livestream aus Trier. Bei Interesse können ViLE-Mitglieder sich dazu schalten, weitere Informationen gibt es unter  info@vile-netzwerk.de.

04.2017 Barbara Heinze.

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