Das österreichische Gesundheitssystem

Das österreichische Gesundheitssystem entspricht dem System der Bürgerversicherung: 98% der Bevölkerung gehören einer gesetzlichen Krankenversicherung an.

Seit 1997 beruht das Versicherungssystem auf folgenden Pfeilern:
Gleicher Zugang zu allen Gesundheitsleistungen, solidarische Krankenversicherung, Mischfinanzierung aus Beitragsleistungen und allgemeinen Steuermitteln sowie die öffentliche Bereitstellung von Gesundheitsleistungen.

Eine weitere Reform 2005 zielt auf mehr Effizienz, Transparenz und Patientensicherheit sowie die Weiterentwicklung der leistungsorientierten Krankenhausfinanzierung und der Intensivierung von Vorsorgemaßnahmen.

Neben den 17 reinen Krankenkassen gibt es in Österreich weitere 7 Versicherungsanstalten, die außerdem Pensions- und Unfallversicherungen abdecken. Finanziert wird das System durch Krankenversicherungsbeiträge und Selbstbehalte sowie Zuschüsse von Bund, Ländern und Gemeinden zu Krankenanstalten.

Krankenversicherungsbeiträge

Bei unselbständigen Erwerbstätigen besteht die Pflichtversicherung, eine Wahl des Versicherungsträgers ist nicht möglich. Die Beiträge bestehen aus einem Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil (3,95 Prozent - 3,40 Prozent, Höchstbeitragsgrundlage 3.540 Euro mtl.)
Bei selbständigen Erwerbstätigen besteht ebenfalls die Pflichtversicherung, aber eine Wahl des Versicherungsträgers ist möglich. Beitragssatz: 9,1 Prozent Grundlage 4.235 Euro mtl Kinder, Lebens- und Ehepartner sind – von Ausnahmefällen abgesehen – beitragsfrei mitversichert.

Selbstbehalte

Es werden 10 Euro p.a. für die elektronische Gesundheitskarte, die 2006 den Krankenschein abgelöst hat, erhoben, außerdem gibt es Selbstbehalte auf Medikamente (pro Packung 4,45 Euro), Zuzahlungen für Hilfsmittel (z.B. Brillen) und bei Kuren und Krankenhausaufenthalten. Festsitzender Zahnersatz wird nicht mehr übernommen. Deshalb hat jeder dritte Österreicher für diese Fälle eine private Zusatzversicherung.

Gesundheitsausgaben

2004 wurden in Österreich 9,6 Prozent des BIP für Gesundheitsleistungen ausgegeben (Deutschland: 10,6 Prozent), wovon die öffentliche Hand 70,7 Prozent (Deutschland: 76,9 Prozent) finanzierte. Die österreichischen Krankenversicherungen gaben 2004 11,4 Milliarden Euro für Versicherungsleistungen aus.

Ambulante Versorgung

Laut OECD-Angaben kommen in Österreich 2,9 Ärzte auf 1000 Einwohner. Rund 38.000 Ärzte und Zahnärzte sind tätig, wobei die Zahl der Allgemeinärzte zugunsten der Fachärzte zurückgegangen ist. Erster Ansprechpartner des Patienten ist der Hausarzt, der diesen bei Bedarf an Fachärzte und Krankenhausambulanzen überweisen kann. Neben den frei praktizierende Ärzten gibt es sog. Ambulatorien, die, von Privatpersonen oder Sozialversicherungsträgern betrieben, ähnliche Aufgaben übernehmen. Krankenhausambulanzen stehen sowohl für Notfallversorgung als auch für Vor- und Nachsorgeuntersuchungen bereit. Ihre Leistungsbereiche sind in den letzten Jahren ständig erweitert worden.

Abrechnung medizinischer Leistung

Die Mehrheit der Ärzte schließt mit einem oder mehreren Sozialversicherungsträgern Einzelverträge ab, in denen die Honorierung geregelt wird. Es gibt keine kassenärztliche Vereinigung. Die Abrechnung der medizinischen Leistungen erfolgt über die elektronische Gesundheitskarte. Versicherte können auch Ärzte ohne Vertrag konsultieren, dann übernehmen die Krankenkassen 80 Prozent der Kosten, die ein Vertragsarztbesuch verursacht hätte.

Krankenanstalten (Stand Ende 2003)

Es stehen 272 Krankenhäuser mit ca. 67.700 Betten zur Verfügung, 70 Prozent der Krankenhausbetten in öffentlichen Häusern, weitere 27 Kliniken arbeiten ebenfalls nicht gewinnorientiert, Länder und Landesgesellschaften sind die größten Krankenhausträger, es gibt aber auch Häuser in der Trägerschaft von Gemeinden, Kirchen, Krankenkassen und Privatpersonen.

Finanzierung der Krankenanstalten

Seit 1997 wird das System der „leistungsorientierten Krankenhausfinanzierung“ angewandt, d.h., die Krankenhäuser rechnen nach Fallpauschalen ab, die sich aus Leistungskomponente (abhängig von der Diagnose) und der Tageskomponente (Aufenthaltsdauer, Dauer der Intensivbetreuung) zusammensetzt.

Österreich hat das beste Gesundheitssystem Europas 2007

Laut der Studie des“ Health Consumer Powerhouse“, eines renommierten schwedischen Unternehmens von Gesundheitsexperten mit Sitz in Stockholm und Büro bei der EU in Brüssel, das jährlich eine Rangliste der besten Gesundheitssysteme in der EU erstellt, ist Österreich in der medizinischen Versorgung führend. Es habe das konsumentenfreundlichste Gesundheitssystem, ausschlaggebend für diese Bewertung waren die besonders kurzen Wartezeiten bei Arztbesuchen und akuten Operationen, der direkte Zugang zu Ärzten (ein Besuch beim Hausarzt sei noch am gleichen Tag möglich) und sehr gute Behandlungsergebnisse.

(Autorin: Ingeborg, Quellen: EU-Gesundheitssysteme, wieninternational.at, Wikipedia)

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