Das Rentensystem in den Niederlanden

Im wesentlichen können drei Säulen der Alterssicherung in den Niederlanden unterschieden werden: Die Grundrente bildet die erste Säule. Eine Grundrente hat ein Niederländer in 50 Jahren aufgebaut. Die zweite Säule betrieblicher Zusatzrentenversicherungen ergänzt diese, ist aber nur Arbeitnehmern zugänglich. Schließlich wird die Rente durch eine private Altersvorsorge aufgestockt. Niederländer nennen das „Cappuccinomodell“: Den Kaffee in Form der Grundrente gibt’s für jeden, das Sahnehäubchen liefert die betriebliche Altersvorsorge und die private Vorsorge gleicht den Schokostreuseln.

Die Niederlande zeichnen sich – insbesondere im Vergleich mit anderen europäischen Ländern – durch einen Mix von Umlagefinanzierung und kollektiven Sparregimen einerseits, sowie individueller und kollektiver Verantwortlichkeit andererseits aus. Ferner ist für das niederländische Alterssicherungssystem charakteristisch, dass es keine berufsständischen Sondersysteme gibt und die Niederlande zu den wenigen Ländern Europas gehören, in der die Rentenversorgung der Beamten nicht aus Steuern finanziert wird.

Die Grundrente

Wer in den Niederlanden lebt, hat mit dem 65. Lebensjahr Anspruch auf eine Grundrente, die das Existenzminimum abdeckt. Unabhängig davon, ob er jemals Beiträge gezahlt hat, bekommt er 45 Prozent seines Durchschnittslohns und mindestens 70 Prozent des Mindestlohns für einen Alleinstehenden.

Die Niederlande zeichnen sich – insbesondere im Vergleich mit anderen kontinentaleuropäischen Ländern – durch einen Mix von Umlagefinanzierung und kollektiven Sparregimen einerseits, sowie individueller und kollektiver Verantwortlichkeit andererseits aus. Ferner ist für das niederländische Alterssicherungssystem charakteristisch, dass es keine berufsständischen Sondersysteme gibt und die Niederlande zu den wenigen Ländern Kontinentaleuropas gehören, in der die Rentenversorgung der Beamten nicht aus Steuern finanziert wird.

Arbeitgeber zahlen nichts

Die Grundrente wird aus Beiträgen der Versicherten im Umlageverfahren finanziert und nur zu einem kleinen Teil mit einem Staatszuschuss. 2003 betrug der Beitragssatz für die gesetzliche Rentenversicherung (AOW) 17,9 Prozent, für die Hinterbliebenenversorgung (ANW) 1,25 Prozent. Arbeitgeber zahlen keine Beiträge.

Rente mit 65

Wer 65 Jahre alt ist, kann eine Grundrente beantragen. Sie betrug zum ersten Juli 2003 für Alleinstehende 809,18 Euro, für Verheiratete und Zusammenlebende 1254 Euro. Auch Urlaubsgeld wird gezahlt: Für Alleinstehende 37,6 Euro und für Verheiratete je 26 Euro. Hinterbliebene können ebenfalls eine Rente beantragen, allerdings nur in bestimmten Fällen der Arbeitsunfähigkeit oder wenn ein unverheiratetes Kind aufgezogen wurde. Sollte der Ehepartner erneut heiraten oder mit einem anderen Partner zusammenleben, erlischt der Anspruch auf die Grundrente.

Das Ziel der AOW ist die Vermeidung von Altersarmut auf dem Niveau eines sozialen Minimums (Grundrente). Jedes Jahr, in dem der Beschäftigte (vom 15. bis zum 65. Lebensjahr) in den Niederlanden gewohnt hat oder Lohnsteuer in den Niederlanden gezahlt hat oder freiwillig versichert war, baut er 2 Prozent der AOW-Rente auf. Die Höchstrente wird also nach 50 Jahren erreicht.

Seit 1998 sind zum AOW 18,25 Prozent des Arbeitsentgelts und bezüglich des Allgemeinen Hinterbliebenengesetzes (Algemene nabestaandenwet, ANW) 1,4 Prozent vom Arbeitnehmer zu zahlen. Der Arbeitgeber kommt für die Beiträge der Erwerbsunfähigkeitsversicherung (Wet op de arbeidsongeschiktheitsverzekering, WAO) auf mit einem Grundbetrag (7,55 Prozent des beitragspflichtigen Entgelts bei einer jährlich bestimmten Beitragsbemessungsgrenze) und einem unternehmerspezifischen Beitrag zwischen 0,22…0,84 Prozent bei Kleinbetrieben und maximal 1,12 Prozent bei Großbetrieben. Für Selbständige besteht eine eigenständige Arbeitsunfähigkeits-Pflichtversicherung (Wet arbeidsongeschiktheitsverzekering, WAZ) mit einem Beitragssatz von 7,9 Prozent. Es gibt jährlich anzupassende (nach der Inflationsrate) Beitrags- und Steuerfreibeträge und Beitragsbemessungsgrenzen.

Vorzeitiger Leistungsbezug mit Abschlägen ist nicht vorgesehen, auch kein Zuschlag für verspäteten Rentenbezug. Verheiratete oder Lebenspartner haben einen individuellen Rentenanspruch, Partner vor Vollendung des 65. Lebensjahres Anspruch auf eine Zulage (50 … 70 Prozent des Nettomindestentgelts) . Im Monat Mai wird eine Extraleistung (Urlaubsgeld) in Höhe von 8 Prozent der Leistungen der letzten 12 Monate gezahlt.
Da die Grundrente nur etwas mehr als 40 Prozent des Durchschnittsentgelts sichert, sind betriebliche bzw. branchenspezifische Zusatzrentensysteme unabdingbar.

Betriebliche Altersversorgung

Mit der betrieblichen Altersversorgung können erwerbstätige Arbeitnehmer zusammen mit der Grundrente eine Versorgung von insgesamt 70 Prozent des zuletzt bezogenen Verdienstes aufbauen, wenn sie 60 Jahre alt sind. Bei der betrieblichen Altersversorgung hat der Staat in den vergangenen Jahren regulierend eingegriffen. So kam der Staat mit den Tarifparteien überein, die Arbeitnehmer auch über 60 Jahren im Arbeitsprozess zu halten. Sie können dann eine Rente von 100 Prozent des letzten Verdienstes aufbauen. Durch die Vorruhestandsregelung (VUT) hören viele Niederländer jedoch mit 60 Jahren auf zu arbeiten.

Die betrieblichen Zusatzrentensysteme gewinnen an Bedeutung. Beinahe 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in den fast 1000 öffentlichen, betrieblichen oder 81 branchenspezifischen Zusatzrentensystemen versichert. Die Gestaltung der betrieblichen Altersversorgung ist den Tarifparteien vorbehalten.

Die Grundlage für die betriebliche Altersvorsorge ist die kapitalgedeckte Finanzierung, dabei sind Regelungen für Männer und Frauen gleich. Die Verwaltung der Fonds erfolgt paritätisch durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Als Leistungsmaßstab wird im allgemeinen das Durchschnittsentgelt zugrunde gelegt. Die Prämien liegen bei 6 bis 7 Prozent des Arbeitsentgelts. Sie werden zu zwei Dritteln oder auch voll vom Arbeitgeber getragen. Bei Wechsel der Arbeitsstelle werden Versorgungsansprüche mitgenommen. Es müssen mindestens 55 Versicherungsjahre nachgewiesen werden, in denen jährlich 2 Prozent des Anspruchs erarbeitet wurden. Bei längerer Arbeit erhöht sich der Anspruch, eine Verkürzung bedingt einen Abschlag.

Erwerbsunfähigkeit

Die Erwerbsunfähigkeitsrente nach WAO richtet sich nach Lebensalter und dem Grad der Erwerbsunfähigkeit. Vermindert Erwerbsunfähigen kann jede zumutbare Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt zugewiesen werden, ohne Berücksichtigung des früheren Berufes und der Arbeitsmarktsituation.

Die Höhe der Altersversorgung

Zusammen können Grundrente und Betriebsrente 70 Prozent des letzten Bruttoentgelts erreichen. Ein niedriges Rentenniveau kann durch „Einkauf zurückliegender Dienstjahre“ aufgestockt werden (durch Zahlung zusätzlicher Prämien, rückwirkend bis Juli 1994). Die dritte Säule, die private Altersvorsorge über Lebensversicherungen u. a., wird nur von etwa 20 Prozent der Erwerbstätigen genutzt.

(Quellen: uni-muenster.de, verdi-senioren-dub.de) )

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