Vom Blauen Land nach Berlin

Als ViLE-Lübeck Ende Juni in fünf Museen im Blauen Land und in München die Werke des deutschen Expressionismus besichtigte, fehlten an verschiedenen Orten einige wichtige Bilder. Sie waren nach Berlin für die große Ausstellung „Expressionismus – Impressionismus“ in der Alten Nationalgalerie ausgeliehen. Das war am 14. August Anlass zu einer Tagesreise in die Bundesmetropole.

Rund 170 Werke der großen Impressionisten und Expressionisten sind in der Alten Nationalgalerie aus Museen der ganzen Welt zu einer großartigen Schau zusammengetragen worden. Entgegen der üblichen gegensätzlichen Gegenüberstellung der beiden Stilrichtungen hat sich die Ausstellung zum Ziel gesetzt , Impressionismus und Expressionismus miteinander zu verbinden, De Werke hängen friedlich nebeneinander und geben dem Besucher die Möglichkeit, Ähnlichkeiten und Unterschiede zu studieren.

Impressionistische französische Werke von Claude Monet , Edgar Degas, Auguste Renoir sowie Paul Cezanne sind ebenso zu sehen, wie Werke der deutschen Impressionisten Max Liebermann,  Lovis Corinth, Ernst Oppler, Max Slevogt gemeinsam mit Bildern der großen Expressionisten Franz Marc, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Müller, Max Pechstein, Erich Heckel – um einige zu nennen.

Links:Ernst Ludwig Kirchner,          rechts: Max Liebermann

Die Berliner Ausstellung will zeigen, dass die Gemeinsamkeiten größer sind als man glaubte. Gemeinsam ist den beiden Kunstrichtungen der Kampf gegen die Macht der Akademien, der Aufbruch in die Moderne, die Provokation durch das Flüchtige, Unfertige, die Subjektivität und Individualität und die Hochschätzung der Freilichtmalerei. Auch waren die Künstler interessiert an den gleichen Motiven und Themen: Großstadt, Eisenbahnen, Brücken, Orte der Freizeit, wie Zoo, Cafés, Flußufer, Seen, Menschen in Bars, Oper, Ballett, Kabaret etc.

So finden wir bald heraus, daß die These der Eindrucks- versus Ausdruckskunst nicht unbedingt stimmt. Zwar liegen z.B. die Gemälde „Potzdamer Platz“ von Hans Herrmann (1894) und Ernst Ludwig Kirchner (1924) in Auffassung und Maltechnik weit auseinander, bei Herrmann eine fast ländliche Idylle, beinahe realistisch gemalt, bei Kircher ein Platz bei Nacht voller dunkler, schemenhafter Gestalten, im Zentrum zwei Kokotten,die mit leerem Blick vor sich hin starren. Die Architektur kalt und bedrohlich, spröde,kantige Formen, die wenigen Farben scharf voneinander abgesetzt, der Pinselduktus eher grob. Hans Herrmann dagegen bleibt in seiner Darstellung eher der akademischen Tradition verhaftet, die Farben sind hell, viele Details werden liebevoll genau dargestellt: die modische Kleidung der Fußgängerinnen, der Blumenkorb.

So kann man in dieser nach Themen gegliederten Ausstellung viele interessante Entdeckungen machen und seinen Blick für die Besonderheiten der beiden Stilrichtungen schärfen.

ViLE-Lübeck (31.08.2015)

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