Lübecker Museumskirche restauriert

Als Lübeck die „Königin der Hanse“, war, gab es viel Geld für den Bau großer Kirchen. Eine davon ist St. Katharinen. Als sie nicht mehr für Gottesdienste gebraucht wurde, widmete man sie später zum Museum um. Das Ende umfangreicher Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten war am 12. August für ViLE-Lübeck der Anlass zu einer Besichtigung unter der fachkundigen Führung des Architekten Kuno Dannien.

Für die Sanierung war die Kirche 5 Jahre lang geschlossen. Die Arbeiten wurden 2011 begonnen und dauerten bis zu diesem Frühjahr. Insgesamt wurden Gesamtkosten von 4.180.000 Euro aufgewendet, davon 3,1 Millionen aus dem Welterbetopf der Bundesregierung.

Nach der Wiedereröffnung kann die Museumskirche jetzt freitags und sonnabends besichtigt werden, nachdem sich ehrenamtliche Bürger für die Aufsicht zur Verfügung gestellt hatten.

Bereits 1225 (noch zu Lebzeiten des Heiligen Franz) erhielten die Franziskaner am Nordrand der damaligen Stadt, der heutigen Glockengießerstraße, Bauland für eine Kirche. Die heutige Kirche ist der zweite Bau an diesem Platz. Vom Vorgänger weiß man wenig. Baubeginn von St. Katharinen dürfte zwischen 1290 und 1300 gewesen sein.

Mit Fertigstellung der Westfassade (dritter Bauabschnitt) im  14.Jahrhundert, war das Wesentliche erreicht. Der Bau gilt als typische Bettelordenkirche.

Der Rang der Katharinenkirche als Teil des Welterbes „Altstadt von Lübeck“ besteht darin, dass sie sich durch außergewöhnliche Besonderheiten von anderen Franziskanerkirchen unterscheidet. Hier  werden die „Regeln“ des franziskanischen Bauens in mehrfacher Hinsicht gebrochen.

Die Kirche hat ein Querschiff. Die steil aufschießenden beiden Giebel an der Nord- und Südseite zeigen, dass sie sogar zweischiffig ist. Ein solcher Grundriss ist unter den Bettelordensbauten im deutschen Raum einmalig.


Besichtigung Katharinenkirche. Unsere Mitglieder in der Kirche

Die zweite Besonderheit besteht darin, dass der Mönchschor wie eine Empore hochgehoben ist und dadurch unter sich eine Art ebenerdiger Krypta bildet. Als dritte, besitzt die Kirche zwei Nebenchöre, die vom Mönchschor nach Norden und Süden ausstrahlen.

Zur Ausstattung des Kirchenraumes zählen ein Triumphkreuz auf dem Hochchor, Wandmalereien und ein berühmter Tintoretto „Die Auferweckung des Lazarus“ von 1576. Herausragend ist die überlebensgroße St. Jürgen-Gruppe von Bernt Notke, die anlässlich der 700-Jahrfeier der Reichsfreiheit von den Schwesterstädten Bremen und Hamburg der Stadt zum Geschenk gemacht wurde.

Ein ebenfalls von der Ordensregel abweichender Bauteil ist die nach Westen gerichtete turmlose Fassade, die sich von den anderen Westfassaden der Lübecker Kirchen unterscheidet. Das in schwarzglasiertem und ziegelrotem Schichtwechsel errichtete Mauerwerk ist durch zweigeschossige Nischen gegliedert.


Fries mit den Figuren von Barlach und Marks

Karl Georg Heise, der von den Nationalsozialisten entlassene Museumsdirektor hatte Ende der zwanziger Jahre die Idee entwickelt, diese Nischen mit zeitgenössischen Plastiken von Ernst Barlach zu versehen. Er rettete die als „entartete Kunst“ verteufelten Figuren, indem er sie bis Kriegsende in seinem Garten vergrub.

In dem Fries sind heute die drei Barlach-Figuren „Singender Mönch“, „Bettler“, und „Frau im Wind“ gemeinsam mit 6 Figuren von Gerhard Marks, zu bewundern.

Text Ursula, Fotos Axel (18.08.2016)

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