Genetischer Ursprung der Menschheit

Out of Africa: Der genetische Ursprung der Menschheit Prof. Dr. rer. nat. Johannes Krause, Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, Jena

Prof. Krause ist der Direktor des MPI Instituts, das extra für ihn gegründet worden war. Trotz seiner jungen Jahre ist er bereits ein sehr renommierter Wissenschaftler, der eine Reihe von Publikationen in der hochkarätigen naturwissenschaftlichen Zeitschrift „Nature“ unterbringen konnte. Seine fulminanten Forschungsergebnisse aus dem Jahre 2010: es gibt nicht nur den „homo sapiens“ und den Neanderthaler sondern auch eine dritte genetische Komponente im heutigen Menschen.

Über den genetischen Ursprung der Menschheit wissen wir heute mehr durch die rasante Entwicklung der molekularen Techniken und dem Umstand, dass inzwischen riesige Datenmengen gespeichert und verarbeitet werden können. Ein Beispiel: Während vor 10 Jahren etwa 100 DNA* Sequenzanalysen mit Hilfe von DNA-Sequenzmaschinen durchgeführt wurden, sind es heute 10 Milliarden Sequenzanalysen. Krause prognostiziert, dass China in Zukunft in dieser Technologie führend sein wird, denn sie haben die meisten Entschlüsselungsmaschinen.

Es ist inzwischen durch die Analyse von mitochondrialer DNA der Mütter erforscht, dass der Ursprung der Menschheit in Ost-Afrika liegt. Die DNA der Frau wird analysiert, weil die Eizelle aus weniger Teilungen hervorgeht wie die Spermien und deshalb ein geringeres Mutationsrisiko hat.

Die ersten Urmmenschen wanderten aus Afrika bereits vor 2 Millionen Jahren aus, und die ersten Frühmenschen vor mehr als 300000 Jahren. Seit runde 60000 Jahren besiedelt der moderne Mensch die Welt, eine Auswanderung aus Afrika erfolgte vor etwa 50000 Jahren.

Lange war man der Meinung, dass der Neandertaler, der 1856 entdeckt worden war, nie dem hommo sapiens begegnet und inzwischen ausgestorben ist. Inzwischen konnte durch diese Genanalysen nachgewiesen werden, dass Genmaterial des Neandertalers noch im heutigen Homo sapiens enthalten ist: und zwar zu etwa 2,5% in Euroasien, Europa und Australien, nur in Afrika ist bisher davon nichts nachgewiesen.

Eine dritte Genomlinie neben homo sapiens und Neandertaler wurde von Krause selbst im Jahr 2010 veröffentlicht: das Genom des Denisova-Menschen wurde zu 4,8% in Papua-Neuguinea nachgewiesen. Darüberhinaus haben In jüngster Zeit Leipziger Forscher einen Hybriden gefunden zwischen Denisova und Neandertaler, d.h. diese Menschen sind sich nicht nur begegnet sondern haben sich auch vermischt.

Bemerkenswert ist auch, dass es zwischen den Urmenschen und den modernen Menschen noch eine grosse genetische Durchmischung gab, bis etwa vor 5000 Jahren. Das Genom stabilisierte sich erst in den letzten 1000 Jahren, vermutlich bei dem Übergang des homo sapiens vom Jäger zum Sammler.

Der Sommerakademie war es gelungen, mit Prof. Krause als Vortragenden eine Koryphäe der modernen Forschung gewonnen zu haben. Sein Vortrag vermittelte sehr gut, welch finanzieller und personeller Aufwand für Spitzenforschung heutzutage betrieben werden muss. Er hat in seinem Mitarbeiterstab Spezialisten für molekulare Pathologie, molekulare Anthropologie, Computer-Pathogenome, Gen-Kultur, Populationsgenetik und Archäogenetik und hat weltweit

wissenschaftliche Kooperationen.  Dieser Vortrag war „daas“ highlight der Seminarwoche.

Barbara Heinze

* DNA ist desoxyribonukleinsäuren, Träger der Erbinformation, also die materielle Basis der Gene. Link https://de.wikipedia.org/wiki/Desoxyribonukleinsäure

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