Emil Nolde „Farbenzauber“ eine Ausstellung in Lübeck.

Die ViLE Gruppe Lübeck hat sich in den letzten Jahren intensiv mit den Künstlerinnen und Künstlern des Expressionismus insbesondere der „Brücke“ und des „Blauen Reiters“ beschäftigt. Wir haben zahlreiche Ausstellungen in München im „Blauen Land“, Murnau, Kochel am See ,in Hamburg und in Berlin besucht.

Nun gibt es eine großartige und vielleicht einmalige Ausstellung in Lübeck, in der nur Papierarbeiten von Emil Nolde aus seiner Frühzeit bis Ende 1945 gezeigt werden.Wir besuchten sie am 20.7.2018
Die Ausstellung im Museum Behnhaus Drägerhaus – eines der repräsentativsten klassizistischen Bürgerhäuser in der  Lübecker Altstadt aus dem 18. Jahrhundert, ist  chronologisch aufgebaut, so dass Vita und Werk in den einzelnen Räumen ablesbar sind und die Phasen  seiner künstlerischen Entwicklung sichtbar werden.


Selbstbildnis

Die frühen Jahre
Der 1867 geborene Emil Nolde , ursprünglich hieß er Hansen,fing schon als Schüler an zu malen.
Man sieht Blätter von ihm mit Bibelsprüchen, die der 9 jährige für 2 ½ Pfennige verkauft hat und mit  diesen sogenannten Stammbuchblättern verdiente er sein erstes Geld  .Seine Ausbildung als Holzschnitzer (1884 - 1888)kam ihm später zugute.Er zeichnete viele  naturalistische Objekte, Landschaften und Tiere in kleineren Formaten.

Wanderjahre als Schnitzer und Zeichner  (1888 - 1891)
Seine spätere Liebe galt dann der Architektur- zu sehen sind Detail gerechte Portale und Stadtansichten und viel Landschaften.- alles Blätter die wir niemals dem Maler Nolde zugeordnet hätten.

8 Bäume

Die ersten Bilder sind noch sehr akkurat gezeichnet insbesondere die Architektur Bilder- wie mit dem Lineal gezogen.
In den nächsten Räumen verändern sich seine Bilder völlig - hier taucht zum ersten mal Farbe auf - es entstehen Aquarelle nass in nass gemalt.Dadurch entstehen flüchtige Bilder, da sich das nasse Papier mit der Farbe verwischt und die Konturen verschwommen wirken.Die Leuchtkraft der Bilder ist enorm.

Fünf Mohnblumen

Schweizer Jahre ( 1891 – 1897)
1897 gibt er seine Lehrtätigkeit   in  der Schweiz auf. Er arbeitete als Lehrer im Gewerbemuseum in St. Gallen.In der Schweiz hatte er viel Geld mit dem Verkauf von Postkarten ( 100.000 Postkarten brachten  25.000 Franken )verdient und wollte sich in München niederlassen.
Da er in der Münchener Akademie der Künste nicht angenommen wurde ging er um 1900 in den Norden. Bei einem Aufenthalt in Kopenhagen lernte er die Pastorentochter und Schauspielerin Ada Villstrupp kennen und heirate sie 1902.
In der Zeit von 1903 - bis 1906 verbringt er die Sommerzeit mit Ada  auf der Ostseeinsel Alsen.
Aus dieser Zeit stammen wunderbare Tuschezeichnungen auf Packpapier z.B. ein Kuhkopf, den wir niemals mit Nolde in Verbindung gebracht hätten.

Zugspitze und die beiden Waxensteine, Berpostkarte

Hier erkrankt er schwer an verdorbenem Wasser und wendet sich religiösen Themen zu.
Es entstehen die ersten „biblischen Bilder“ u. a. die hier  ausgestellten Apostelköpfe

Seit 1909 ist er regelmäßig im Winter in Berlin.1910 gelingt ihm der künstlerische Durchbruch - er bezieht ein Haus mit Atelier in der Tauenzienstr .Er nimmt Kontakt zur Künstlergruppe „ Brücke“ auf.Hier entstehen viele Bilder und Skizzen aus dem Cafe-Haus  Milieu – wunderbar das Bild- „Damen und Herren im Cafe.“

2 Herren im Cafe.

Es gibt Auseinandersetzungen mit Max Liebermann, der ihn als Vorsitzender der Berliner Sezession  für eine Ausstellung ausjuriert.
Enttäuscht und wütend verlässt er Berlin.Er geht zurück in den Norden - nach Schleswig Holstein.

Reise in die Südsee
1913 nimmt er als Mitglied der Medizinisch-demographishen  Deutsch-Neuguinesichen Expedition mit seiner Frau Ada an einer  Reise teil, die ihn nach  Sibirien,Korea, Japan und China bis Papua – Neuguinea führt. Aus dieser Reise sind die hier ausgestellten Skizzen zum Teil im Zug gemacht , in den einzelnen Länder oder in der Südsee.

Eingeborene mit Kopfbedeckung

Diese Aquarelle entfalten eine große Farbigkeit insbesondere die Porträts von den Einheimischen in Papa – Neuguinea.Auf dieser Reise erkrankt er schwer und kann nicht mehr arbeiten. Während der Rückreise bricht der erste Weltkrieg aus. Noldes ziehen nach Tondern, damals deutsch.

Bis 1924 bereist er Frankreich, England,Spanien, Italien und die Schweiz. Nach einer Volksabstimmung wird Tondern dänisch - er ist also dänischer Staatsbürger. Ende der 20er Jahre baut er das Wohn - und Atelierhaus in Seebüll. Seine zukünftige Heimat bis zu seinem Tod 1956.
Hier entstehen weitere  religiöse Bilder u.a die bekannten  Apostelköpfe.

Seebüll Hof

Die Zeit im Nationalsozialismus                                                    
In der Nazizeit sympathisiert er zwar mit den Nazis, dennoch werden seine Bilder als entartet bewertet und entsprechend aus den Museen entfernt.
Er erhält quasi ein Malverbot . In dieser Zeit entstehen die sogenannten „ungemalten Bilder“, die fast alle erhalten geblieben sind, da Nolde ja nicht mehr ausstellen durfte. Es gibt insgesamt 1.500 davon.

Meer mit Dampfer

Im letzten Raum werden  dann  die bekannten  Landschaftsbilder , die dunklen Wolken über dem Meer, die meerumtoste Küste,die schäumende Gischt , der blutrote Himmel über der Hallig und letztlich auch das Markenzeichen Noldes der rote Klatschmohn gezeigt. Der Nolde den wir alle kennen.

Mädchen mit rotem Hut

Da wir eine wunderbare Führerin hatten, die eine große Nolde Kennerin ist und uns noch viele Details zeigte oder Erläuterungen, die nicht im Katalog stehen ,verließen wir das Museum mit einem völlig neuen Nolde Verständnis.
Diesen Nolde kannten wir noch nicht und komplettiert nun unser Nolde Bild.

Axel

Quellen: Katalog des Museums Behnhaus Drägerhaus: Emil Nolde: Farbenzauber ,2018

Leider durfte nicht fotografiert werden. Insofern sind etliche Bilder, die ich beschreibe und die wir sehr interessant fanden ,nicht abgebildet.
Für alle abgebildeten Bilder liegt das Copyright bei der Nolde Stiftung in Seebüll.Sie wurden uns freundlicherweise von dem Museum Behnhaus Drägerhaus , die die Rechte zur Veröffentlichung hatten ,zur Verfügung gestellt.

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