Eine Reise nach Schleswig an der Schlei.

VilE Lübeck reiste am 30.8.2019 nach Schleswig um eine seltene Ausstellung eines vergessenen impressionistischen Malers, Hans Olde, im Schloss Gotttorf zu besichtigen. Diesmal reisten wir mit Bahn statt Auto, was zwar ökologisch sinnvoller war, aber sowohl unterwegs (2 mal Umsteigen), als auch vor Ort insbesondere für einige doch mit vielen Hindernissen verbunden war. Denn die Busse fuhren nur alle Stunde und Taxen waren kaum aufzutreiben. Die meisten gingen zu Fuß, anderen erwischten dann doch noch ein Großraumtaxi.

Hans Olde  1855 – 1917
Die Ausstellung Hans Olde, „Impressionist des Nordens“, wird im Landesmuseum Schloss Gottorf gezeigt. Bis heute ist Hans Olde nur Kennern bekannt. Dabei wirkte er als wichtiger Vertreter und Vermittler des Impressionismus in Deutschland. Der gebürtige Holsteiner lernt die impressionistische Malweise in Paris kennen, besonders das Werk von Monet übt großen Einfluss auf ihn aus.


Selbstbildnis

Oldes malerisches und zeichnerisches Werk ist beispielhaft dafür, wie aufgeschlossen deutsche Künstler der französischen Kunst gegenüber waren. Zusammen mit Kollegen ist er eine treibende Kraft der deutschen Sessions-Bewegung und der künstlerischen Moderne während der Kaiserzeit.


Hünengrab

In den 1880er Jahre begeistert sich Hans Olde für den Realismus der französischen und belgischen Malerei. In einer aufgelockerten Malweise stellt Olde Bauern bei der Arbeit dar, er malt Alltagsszenen und Liebespaare. Bei seinem Paris Besuch 1891 lernt Olde Werke des Impressionisten Claude Monet kennen. Ausgehend von dessen malerischen Versuchen mit Licht und Farbe experimentiert Olde nun mit eigenen Darstellungen von Sommer-und Winterszenen. Im Zentrum seiner Malerei steht nicht mehr der Inhalt der Bilder als vielmehr die neue Malweise mit ihren kräftigen Farben, dem Spiel des Lichts und dem lockeren, pastosen Pinselstrich.


Abendsonne in der Marsch.

Olde ist ein gefragter Porträtmaler. Er malt Porträts zu besonderen Anlässen und für hochrangige Auftraggeber. Bekannt ist seine Radierung des Philosophen Friedrich Nietzsche.

Biografie.
1855 wird Hans Olde als Sohn eines Landwirts im holsteinischen Süderau geboren. Nach einer Lehre in der Landwirtschaft studiert Olde von 1879 – 1884 an der Kunstakademie München, bei Ludwig von Löfftz. 1886 studiert Olde zusammen mit Herrmann Schlittgen und Lovis Corinth.


Dame in festlichem Gewandt

Für einige Monate auch an der Acadèmie Julian in Paris. 1887 hält sich Olde wieder in München auf, 1888 besucht er abermals Paris,1889 erhält er auf der dortigen Weltausstellung die zweite Medaille.1891 erneut in Paris, wo er auf Monets Werke aufmerksam wird. Er spaltet sich von der Münchener Künstlergenossenschaft ab und wird dadurch Mitbegründer der ersten deutschen Secession.1894 gehört er zu den Begründern der Schleswig – Holsteinischen Kunstgenossenschaft.
Reisen führen Olde 1893 nach Brüssel und Paris, 1895 nach London, 1897 reist er durch Frankreich, Spanien und Italien. 1902 wird Olde Direktor der Kunstschule Weimar. In seiner Amtszeit setzt er wichtige Reformen um, u. a. die Zulassung von Frauen zum Studium. 1911 wird er zum Direktor der Kunstakademie Kassel berufen. Hans Olde stirbt am 25. Oktober 1917.
-Barbara-

Der St. Petri - Dom zu Schleswig.
Leider konnten wir den Dom nicht besichtigen, da er derzeit Innen und Außen umfassend saniert wird. Das war bedauerlich, denn der Dom und seine Ausstattung sind bedeutend und kostbar und haben eine lange Geschichte. Da wir uns aber darauf vorbereitet hatten, soll auch darüber berichtet werden.


Dom in Schleswig.

Ich zitiere: (https://www.schleswiger-dom.de).
Die Geschichte des Doms wird durch eine schriftliche Erwähnung im Jahr 1134 greifbar. Zu diesem Zeitpunkt war der Dom laut bauhistorischen Untersuchungen eine dreischiffige romanische Basilika mit flachen Decken in den Haupt- und Seitenschiffen und einem rechteckigen Chor mit Chorapsis. Aus dieser frühen Zeit hat sich das rundbogige Stufenportal an der Südseite des Querschiffes mit einem schönen Steinrelief aus dem Jahr 1175 erhalten.
Erst in den nächsten Jahrhunderten wurde der Bau nach und nach erweitert und wandelte sich zu einer spätgotischen Hallenkirche. Das Querschiff der St. Petri-Kirche wurde um das Jahr 1200 fertiggestellt, dann folgte das Hauptschiff mit den gotischen Gewölben. Ende des zwölften Jahrhunderts entstanden der hochgotische Hallenchor und der. Erst im 15. Jahrhundert entstanden die Seitenschiffe in ihrer heutigen Form.
Ende des 19. Jahrhunderts, als Schleswig preußische Provinzhauptstadt geworden war, erhielt der St.-Petri-Dom seine heutige äußere Form mit dem mächtigen Westturm, den Turmhelmen am Chor, den farbigen Glasfenstern und den verzierten Querhausgiebeln.“


Dom in Schleswig

Die Kunstwerke im Dom.
(Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Schleswiger_Dom)
Der große, reichhaltige Schnitzaltar im hohen Chor wurde von Hans Brüggemann im Auftrag des Gottorfer Herzogs und späteren dänischen Königs Friedrich I 1517 – 1521 geschaffen. Auch der überlebensgroße Christophorus aus Eichenholz und das Chorgestühl wurden von Brüggemann geschnitzt.
Dann gibt es noch ein kostbares Marmorgrabmahl Friedrich I. und zahlreiche Epitaphien aus Holz oder Marmor, die an die Angehörigen des Schleswig-Holsteinischen Adels, die dem Gottorfer Hofe angehörten, erinnern.

Die sogenannte „Blaue Madonna“, ein Bildnis der Heiligen Familie, hat der Künstler Jürgen Ovens gemalt.
Besondere Beachtung erfahren die bildlichen Darstellungen im Schwahl. (Schwahl ist die Bezeichnung für den dreiflügeligen Kreuzgang, der sich an der Nordseite des Kirchenschiffes befindet. Das Wort Schwahl leitet sich von dem dänischen Wort "svalegang" ab, was "Laufgang am Hause, Galerie" bedeutet. "sval" bedeutet dabei "kühl"). Von den ursprünglichen  Szenen sind 15 erhalten. Die bunt ausgemalten Deckengewölbe zeigen neben Blättern und Blüten fantastische Wesen, sogenannte Drôlerien, Mischwesen, halb Mensch, halb Tier, die musizieren oder auf der Jagd sind.'
(Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Schleswiger_Dom).
-Friedel-

Das St. Johannis Kloster in Schleswig.
Auf unserem Weg zum St. Johanniskloster wanderten wir durch die historische Fischersiedlung Holm. Der Name kommt aus dem Dänischen und bedeutet “kleine Insel”und stammt aus der Zeit, als der Ort noch nicht wie heute mit dem Festland verbunden war. In der Mitte der kreisrunden Siedlung befindet sich der Friedhof mit einer kleinen Kapelle.


St. Johannis Kloster

Wir bewunderten die Rosenstöcke und den duftenden Lavendel vor den liebevoll restaurierten kleinen Häusern. Da wir noch auf unsere Führerin warten mußten – das Kloster kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden – hatten wir Zeit, noch einen Blick in den Bibelgarten zu werfen, der 1996 nach dem Vorbild mittelalterlichen Klostergärten in Kreuzform angelegt wurde. Hier wachsen Pflanzen, die in der Bibel genannt werden, wie Lauch, Zwiebeln, Knoblauch und Lilien sowie solche, deren Namen aus der christlichen Tradition und Legende stammen wie Passionsblume und Christrose. Um den dahinterliegenden Skulpturengarten zu besuchen, reichte unsere Zeit nicht mehr, unsere Führerin, Frau Göring, war eingetroffen, um uns alles Wissenswerte über die Klosteranlage zu erzählen. Zuerst musste sie sich allerdings noch kurz um die Vorbereitung einer Hochzeit kümmern – das Kloster hat keine eigene Gemeinde (ausgenommen  der Zeit von 1959-2008, als es der Bundeswehr als Garnisonskirche diente), kann aber für Hochzeiten, Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen gemietet werden.


Klosterkirche

Die Klosteranlage.
Das Kloster wurde um 1200 von Benediktinerinnen gegründet. 10 Nonnen erhielten dort ihre Wohnstätte. Nach der Reformation wurde es 1542 in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Aufnahme fanden ausschließlich Damen des Schleswig-Holsteinischen Hochadels. Damals war die Abtei noch reich, heute sind die finanziellen Mittel begrenzt. Seit 15 Jahren gibt es einen Freundeskreis mit ca. 200 Mitgliedern, die Spenden für den Erhalt der Gebäude sammeln.
Geleitet wird der Konvent von einem Probst (Friedrich von Ahlenfeld – Dehn seit 2008) und einer Priorin (Frau von Samon – Himmelstjerna seit 2014). Die Priorin und die 9 Konventualinnen leben heute nicht mehr im Kloster. Die Letzte ist vor zwei Jahren ausgezogen. Schon Ende des 19. Jhds. wurden die Nonnenzellen zu Wohnungen umgebaut und sind heute alle vermietet – eine der wichtigsten Einnahmequellen.

Die Kirche.
Wir betreten die einschiffige romanische Kirche, die zwei Weltkriege ohne Schäden überstanden hat, durch das Langhaus. Ein Chorportal mit einer Kreuzgruppe trennen Langhaus und Chor, die sog. Nonnenempore, auf der die Nonnen vor den Blicken der Bevölkerung geschützt waren. Für jede einzelne steht eine Gebetskammer zur Verfügung, in die sie sich zurückziehen konnte. Eine Besonderheit der Kreuzgruppe, der Gekreuzigte ist sowohl auf der Vorder- wie auf der Rückseite, die der Nonnenempore zugewandt ist, angebracht.


Friedhof mit Kapelle

Im Altarraum gibt es viele barocke Elemente (Hauptaltar, Kanzel). An den Wänden hängen Totenschilde mit den Namen der verstorbenen Konventualinnen sowie Plastiken und Gemälde, die von ihnen gestiftet wurden.

Der Kreuzgang.
Durch den Kreuzgang (Schwahl = “Kühler Gang”), der alle Gebäudeteile verbindet, kommen wir in den Remter, den ehemaligen Speisesaal, der als letztes vor kurzem restauriert wurde. Hier befindet sich die sog. Bellmann – Orgel, auf der 1848 zum ersten mal das von Bellmann komponierte Schleswig – Holsteinlied erklang und ein zehnsitziges Nonnengestühl aus dem Jahr 1240. Der Raum wird jetzt für Konzerte genutzt.
Im Kapitelsaal befinden sich die Klosterschätze, eine Bibel aus dem Jahr 1773, die sog. Johannesschüssel, die Darstellung einer Schale, mit dem in Holz geschnitzten abgeschlagene Kopf Johannes des Täufers, sowie das “Goethesche Tafelsilber”, Besteck und Leuchter aus dem Haus Goethes, von einer Konventualin gestiftet, die mit der Frau von Goethes Sohn verwandt war.
Gerne wären wir noch länger geblieben, aber Frau Göring, der wir herzlich für ihre engagierte Führung dankten, musste zum nächsten Termin.

In einem kleinen Café in Holm ließen wir bei Kaffee und Kuchen die interessanten Eindrücke noch mal Revue passieren.
-Ingeborg-

Bei der Rückreise gab es die gleichen Probleme wir morgens, langer Fußmarsch, nur stündliche Busfahrt. Dennoch erreichten wir erschöpft den Bahnhof und fuhren diesmal über Kiel zurück, was uns zweimaliges Umsteigen ersparte.
Als Fazit stellten wir fest: Sehr interessante Ausstellung und sehr gut erhaltenes, sehenswertes Kloster, das uns allen unbekannt war.

Aber da wir alle inzwischen älter geworden sind und einige doch Gehprobleme haben, war die An- und Rückreise mit insgesamt 5 Stunden zu lang. Die Besichtigungsobjekte lagen doch zu weit auseinander.
Deshalb beschlossen wir demnächst nur noch Reisen zu kürzer entfernten Orten (ca. 1 Stunde) zu machen oder von Anfang an eine mehrtägige mit Übernachtung zu planen.

Texte:
Barbara, Friedel, Ingeborg, Axel u. Fotos.
Quellen:
Wikipedia, Fotos.
Stiftung Schleswig Holsteinische Landesmuseen.
Katalog des Landes Museen Schleswig Holstein, Fotos.
Ausstellung Schloss Gottorf Reithalle, Fotos.

Zurück