Ein Juwel in der Museumslandschaft

Schwerin, die Landeshauptstadt des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern besitzt seit kurzem ein Juwel in der Museumslandschaft Norddeutschlands. Anfang Juli wurde neben dem aus dem Jahr 1882 stammenden Staatlichen Museum ein beeindruckender Neubau eröffnet. Die Gruppe ViLE-Lübeck machte sich am 26. August auf den Weg, um das neue Gebäude zu erkunden.

Der Museumsbau ist einem glücklichen Umstand zu verdanken: Im Haushalt wurden ungenutzte Fördermittel der EU entdeckt. Die Folge: das Land musste nur 10 Prozent der Kosten in Höhe von 8,4 Millionen Euro selbst aufbringen. Auch der Schweriner Uecker-Verein beteiligte sich mit einer Spendensammlung.

Entstanden ist ein Neubau, mit dem alten Museum durch eine gläserne Brücke verbunden, der den Besucher überwältigt. In einem riesigen Saal, schnörkellos mit hoher Lichtdecke, als flächige LED-Decke konstruiert, wird die Eröffnungsschau präsentiert. Solche großzügigen Ausstellungsräume findet man sonst vielleicht noch in Großstädten wie Berlin oder München. Entworfen wurde der Bau von dem Berliner Architekturbüro ARGE Scheidt Kasprusch · Reiner Becker Architekten BDA.

Das Geld reichte auch noch zur Umgestaltung des angrenzenden Altbauflügels. Beide Teile werden jetzt Galerie Alte & Neue Meister genannt.


Der Kurator erläutert die Bilder

Kurator Moritz Jäger führte die Lübecker Gruppe zunächst durch den Altbauflügel, in dem Werke des deutschen Expressionismus, der Ahrenshooper Schule und ähnliche aus dem Museumsbestand zu sehen sind. Sogar ein kleiner Picasso ist dabei.

Doch nach dem Passieren der gläsernen Brücke eröffnet sich im Neubau ein für die Kunst geschaffener Raum. Allein 400 Quadratmeter Fläche besitzt der Saal, fast noch einmal so viel in einem Untergeschoß.


Der große Saal

Die erste große Ausstellung ist dem als Nagelkünstler bekannt gewordenen, unweit von Schwerin geborenen Günther Uecker und seinen Installationen gewidmet. An den Wänden hängen weiße Tücher, die er an einer Stelle am Ostseestrand bearbeitet hatte, wo er in den letzten Kriegstagen als Jüngling die angetriebenen Leichen aus den von sowjetischen U-Booten versenkten deutschen Schiffen verscharren musste. Seit 2010 sucht Uecker immer wieder die Halbinsel Wustrow  auf, legte an den Stellen, wo er 1945 die Leichen begraben hatte, seine Tücher auf den Sand und schuf dort seine Serie der Wustrower Tücher, die jetzt im Neubau zu sehen sind.

Wie kam er zu den Nägeln? Bei Kriegsende vernagelte er auf Wustrow das kleine Häuschen, um Mutter und Schwester vor marodierenden Soldaten zu schützen.

Als ein weiterer Aspekt seiner Arbeiten wird ein Drahtkäfig gezeigt, in dem ein mannshoher Stahlnagel von einer krachende Blitze erzeugenden  elektrischen Vorrichtung bedroht wird.

 


Neubau mit gläserner Brücke

Schon allein eine Besichtigung des Museumsneubaus lohnt einen Besuch in der blitzsauberen, graffitilosen Stadt.

Text und Fotos Horst (28.08.2016)

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