„Der junge Picasso“ in der Fondation Beyeler, Basel-Riehen

Erläuterungen
Der Maler, Graphiker und Bildhauer Picasso (1881-1973) ist bekannt für seine Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksformen und Techniken. Bereits als Wunderkind (mit 9 Jahren) wurde er als Maler bekannt, seine Schaffensperiode umspannte über 70 Jahre. Diese Ausstellung „der junge Picasso“ umfasst die sogenannte „Blaue und Rosa Periode“ von 1900 bis 1906 des berühmtesten Künstlers des 20igsten Jahrhunderts. Die Meisterwerke dieser bedeutenden Phase sind erstmals in Europa gemeinsam präsentiert, was in dieser Form möglicherweise nicht mehr so schnell an einem Ort realisiert werden kann. 

Im Jahr 1901 ist Picasso gerade erst 20 Jahre alt, als die für sein Werk entscheidenden 6 Schaffensjahre beginnen. Die Stile und Themen wechseln mit einer großen Spannbreite bei bereits hoher künstlerischer Qualität. Eine künstlerische Revolution wird uns vor Augen geführt, beginnend mit dem Impressionismus bis hin zum Kubismus um 1907.

Die Motive umfassen existentielle Themen von der Liebe bis zum Tod und haben dadurch eine besondere und berührende Aussagekraft. Von den geschätzt 50 000 Gemälden, Skulpturen und Grafiken, die Picasso zugeschrieben werden, sind 80 Meisterwerke für die Ausstellung ausgewählt worden. Es sind 7 Werke aus dem eigenen Haus dabei. Die meisten wurden aber von bedeutenden Museen (aus Europa, USA, Kanada, Russland, China, Japan*) und Privatsammlungen zur Verfügung gestellt.

Dies sei laut „Zeit“ (siehe die Internetlinks) die bisher ambitionierteste Ausstellung der Fondation Beyeler.

Der Start
Beate hatte uns mit ihrer Ausschreibung und ihrem spannenden Internetartikel auf diese außergewöhnliche Ausstellung aufmerksam gemacht. Deshalb hatten wir Teilnehmer*innen uns entschlossen, die lange Hin- und Rückfahrt nach Basel-Riehen ebenso wie auch die höheren Kosten in der Schweiz in Kauf zu nehmen. Nachdem wir die Busfahrt recht gut überstanden hatten, konnten wir uns voll auf die Ausstellung konzentrieren. Schon beim Betreten des Museumsgebäudes sind wir beeindruckt: Das Gebäude, von Renzo Piano gestaltet, beherbergt eines der schönsten Museen der Schweiz: modern, großzügig und hell und liegt in einer wunderschönen Parklandschaft. 

Unsere Museumsführerin, Frau Regine Bungartz, ist pünktlich zur Stelle und führt uns - allerdings im Sauseschritt - durch die Ausstellung. Sie konzentrierte sich in den 60 Minuten auf etwa 10 Werke, die sie ausführlich und informativ beschrieb.

Die blaue Periode
Es begann chronologisch mit den ersten Bildern der blauen Periode (1901-1904). Die Motive sind von Melancholie und Einsamkeit geprägt und stellen Menschen am Rande der Gesellschaft dar, wie z.B. die „Absinthtrinkerin, „la buveuse assoupie “ 1902, und die „Kupplerin, la celestine“, 1903. Ausgelöst wurde die blaue Periode durch den Freitod seines jungen Freundes Carles Casagemas, dessen Begräbnis er mit „le mort“ 1901 malerisch verarbeitet hat. In diesem Jahr entsteht auch ein selbstkritisches Selbstbildnis. Zur Zeit der blauen Periode, in Paris, war Picasso noch arm und hatte wenig verkauft. Das Bild „la vie“ von 1903, mit dem Bild im Bild, gilt als Höhepunkt dieser Periode und Ikone der modernen Kunst.

Der Übergang in die rosa Periode (1904-1906) erfolgte durch seine Geliebte Madeleine, die u.a. mit dem Bild der „femme en chemise“ 1904 porträtiert ist. Es folgen die berühmten Bilder der Gaukler, Akrobaten und Harkeline. Eines davon, mit dem Titel „acrobate et jeune arlequin“,1905, war für die Ausstellung als Poster ausgesucht worden.

Nachdem ein Pariser Kunsthändler das ganze Atelier leer gekauft hatte, kann Picasso nach Spanien reisen, wo dann weitere berühmten Werke des jungen Picasso entstehen: „comedien et enfant“ 1905, „tete d‘arlequin“ 1905, „garcon a la pipe“ 1905. Mir persönlich hat besonders gut gefallen das Portrait der Benedetta Canals, 1905 entstanden: es verbindet die Schönheit der feingeschnittenen Gesichtszüge mit dem Kontrast eines schwarzen Schleiers. Die zeichnerische Vorstudie „femme“ zur Serie der „Desmoiselles d‘Avignon“ leitet den Kubismus ein.

Den Abschluss der Ausstellung bildet ein 1905 entstandenes Selbstporträt, das einen Ringschluss zum Selbstporträt von 1900 erlaubt, das am Anfang der Ausstellung ausgehängt ist und beeindruckend die malerische Entwicklung des Künstlers dokumentiert.

 

Abschluss unseres Ausflugs

In diesem modernen Ausstellungsgebäude ist auch ein multimedialer Raum eingerichtet. Hier konnten wir uns in Leben und Werk des jungen Künstlers vertiefen, uns Bücher und einem Film ansehen und so die Eindrücke der Führung verarbeiten und vertiefen. Mir und sicherlich auch den meisten von uns erging es so, wie in der „Zeit“ geschrieben wurde: „Wir haben gelernt, wie Picasso zu Picasso wurde“. Auch das soziale Erlebnis kam nicht zu kurz – das gehört einfach dazu 

Es war ein einmaliges Erlebnis, das wir Beate und ihrem Norbert zu verdanken haben.

Barbara Heinze
09.07.2019

Fotos von Barbara und Beate/Norbert

* Leihgaben kamen aus namhaften Museen wie dem Musée national Picasso, Paris, dem Metropolitan Museum of Art, New York, der Tate, London, der National Gallery in Washington ,D.C., dem Moskauer Pushkin State Museum of Fine Arts, dem National Museum of Art in Osaka, dem Centre Pompidou und dem Musée de l’Orangerie in Paris, dem Museu Picasso in Barcelona, dem Centro de Arte Reina Sofía in Madrid, der Art Gallery of Ontario in Toronto

Links:
https://www.sueddeutsche.de/kultur/kunst-das-blau-vor-dem-sturm- 1.4320694

https://www.blick.ch/life/freizeit/ausstellung-beyeler-kuendigt-fuer-2019-grosse-picasso-schau-an-id8487349.html

https://www.zeit.de/2019/07/fondation-beyeler-basel-kunstausstellung-picasso-maler

https://artinwords.de/der-fruehe-picasso-blaue-und-rosa-periode/

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