Besuch des Kunstmuseums Lindau: „Paula & Otto – Kunst und Liebe im Aufbruch“

Besuch am 30.06.2020

Als Kulturhighlight 2020 lockte das Kunstmuseum Lindau mit der Darstellung des bedeutendsten deutschen Künstlerpaares des frühen 20. Jahrhunderts: mit Werken von Paula Modersohn-Becker (1876-1907) und Otto Modersohn (1865-1943). Die Sonderausstellung „Paula und Otto“ wurde am 15. Mai 2020 eröffnet.

Beate Braun ließ sich auf das Wagnis ein, eine erste Kulturreise noch während der Corona-Pandemie zu organisieren. Dies war durch die ersten Lockerungen der Beschränkungen in Baden-Württemberg möglich geworden. Wir starteten mit einer Gruppe von 8 Teilnehmer*innen am 30.06.2020 um 10 Uhr von Ulm aus mit zwei PKWs.

Wegen der Corona-Pandemie waren strenge Vorschriften einzuhalten: maximal 10 Gäste im Museum, mit einem Zeitfenster von 45 Minuten, und nur nach Voranmeldung. Es gab keine Führung, aber wir konnten ein Audiogerät mieten und dazugehörige Kopfhörer kaufen. Und natürlich waren Mund-Nasenmaske vorgeschrieben; Mindestabstände mussten gewahrt bleiben.

Wir waren für 14 Uhr angemeldet, und gönnten uns deshalb vorher eine Stärkung in einem Restaurant am Ort nach unserer Anreise, die ohne großen Stau verlief. Im Vergleich zu früheren Ausstellungen hatten wir jetzt als Museumsbesucher mehr Raum und Muße, um uns in Ruhe jedem einzelnen Kunstwerk zu widmen.

Die Idee der Ausstellung war, anhand ausgewählter Werke aus Privatsammlungen, Kunststiftungen und Museen die Arbeiten beider herausragender Künstlerpersönlichkeiten gegenüberzustellen. Zudem wird in der Lindauer Ausstellungsserie auch erstmals eine bahnbrechende Künstlerin als Protagonistin der Moderne vorgestellt. Es ging auch darum darzustellen, wie ihre ganz auf die Kunst ausgerichtete Ehe von tiefer Zuneigung, großem gegenseitigen Respekt und einem intensiven Austausch über künstlerische Themen geprägt war. Diese Schau war möglich durch die Unterstützung der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung in Bremen und die Otto-Modersohn-Stiftung in Fischerhude.

Die Ausstellung mit insgesamt 51 Bildern beleuchtet, wie außergewöhnlich modern diese Künstlerbeziehung für die Zeit um 1900 war, wie Otto und Paula vor ein- und demselben Motiv zu ähnlichen oder sehr individuellen Bildlösungen fanden, wie sie voneinander lernten, die Werke des anderen kritisch in den Blick nahmen oder ganz eigenständige Wege gingen.

Mir hat besonders gut gefallen, wie das gleiche Motiv von beiden verschieden gestaltet wurde. Beispiele dafür waren Ottos Tochter Elsbeth im Garten von Paula „Elsbeth im Garten mit Glaskugel“ und von Otto „Elsbeth im Garten“.
        
Elsbeth im Garten mit Glaskugel                                                    Elsbeth im Garten von Otto Modersohn
Aus Wikipedia – gemeinfrei eingescannt aus dem Flyer des Museums*

oder das Schützenfest in Worpswede, das beide gemalt haben. Ottos Bilder überzeugten mit großartigen Landschaftsmotiven, wobei uns das erste Bild „Abend im Moordorf“, das auch nicht umsonst als Nr. 1 der Ausstellung aufgehängt war, besonders beeindruckt hat.

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Einfügung genehmigt durch das Kunstmuseum Lindau

Paulas Stärken waren in meinen Augen die Portraits. Wohl deshalb war das Bild „Mädchenbildnis mit gespreizter Hand vor der Brust“ als Motiv für das Ausstellungsplakat ausgewählt worden.

Mädchen mit gespreizter Hand vor der Brust“
Paula-Modersohn-Becker
Foto: Erla Spatz-Zöllner
Abfotografiert vom Poster am Museum

Otto ließ sich auch vom Impressionismus aus Frankreich inspirieren, was ziemlich ungewöhnlich für ihn war. In Fischerhude malte um 1911 er das Bild „Lampionfahrt auf der Wümme“, das an Cézanne erinnert.

Lampionfahrt auf der Wümme“
Otto Modersohn um 1911
Eingescannt aus dem Flyer des Museums*

Paula ist nur 31 Jahre alt geworden, hatte aber bereits eine große Meisterschaft entwickelt. Zudem hat sie sich Im Gegensatz zu Otto auch aus Worpswede hinausbewegt und sich von Paris inspirieren lassen.

Eines der Gemälde, das Paula in Paris um 1906/1907 gemalt hat, weicht von den Inhalten ihrer anderen Arbeiten ab, nämlich „Stillleben im Goldfischglas“.:

Stillleben mit Goldfischglas“
Paula Modersohn-Becker
Eingescannt aus dem Flyer des Museums*


Unsere Gruppe vor dem Ausstellungsplakat am Museumseingang
Foto: Beate Braun (vom Service-Personal fotografiert)

Nach der Ausstellung lockte uns die Sonne an die Uferpromenade von Lindau. Dort stärkten wir uns in einem Café.

Entspannung im Café Schreier
Foto: Fritzi Schöfer

Die Sicht auf die Segelboote, das glitzernde Blau des Bodensees und die Badenden vom nahen Badestrand vermittelten uns intensiv das Gefühl des Urlaubs an südlichen Gefilden wie Côte d‘Azur oder italienische Riviera.

Segelboote im Lindauer Hafen
Foto: Norbert Rückgauer



Badeplatz
Foto: Barbara Heinze

Dies konnten wir auch deshalb besonders genießen, weil normalerweise Lindau in dieser schönen Jahreszeit von Touristen überquillt, der Tourismusrummel wegen der Corona-Pandemie aber noch nicht richtig angelaufen ist. Die Heimreise nach Ulm verging dann wie im Flug.

Es war wieder ein wunderschöner Ausflug mit Beate & Co.co, den wir umso mehr genossen, als wir bisher während der Corona-Pandemie nicht nur die Kunst, sondern auch die Kommunikation und das Reisen schmerzlich entbehren mussten.
Barbara Heinze und Co
14.07.2020

*Die Veröffentlichung der Fotos aus dem Flyer des Kunstmuseums Lindau in unserem Bericht wurde mit
einer Email des Kunstmuseums vom 14.07.2020 genehmigt.
Beate Braun/14.07.2020

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