Bericht-Sonderausstellung Maximilian I. im Maximilianmuseum Augsburg

Am Freitag, dem 27. Juli 2019, fahren 5 ViLE-Mitglieder und 9 weitere Interessenten nach Augsburg, um am Vormittag die Sonderausstellung „Maximilian I.“ zu besuchen. Für den Nachmittag ist eine kurze Stadtführung mit einem Besuch des Goldenen Saales im Augsburger Rathaus vorgesehen.

Aus Anlass des 500. Todestages Maximilians I. (1459 – 1519) widmet die Sonderausstellung mit einer Reihe an Raritäten der besonderen Beziehung zwischen dem Kaiser und Augsburg.
Bekanntlich stand Maximilian I. in enger Beziehung zu Augsburg. Denn die Reichsstadt bot ideale Grundlagen für Netzwerke. Sie war nicht nur die Stadt der Reichstage, der Diplomatie und der Feste, sie war auch die Stadt der Drucker, der Künste, der Humanisten und Finanziers. Maximilian I. hielt sich deshalb gerne in Augsburg auf.


Eingang zum Maximilianmuseum
Foto: Barbara Heinze

Im ersten Saal der Ausstellung sehen wir das Totenbildnis Maximilians I., Bilder von Albrecht Dürer, Hans Holbein d.Ä., Hans Daucher, Daniel Hopfer u.a. sowie eine riesige Ahnentafel, die Maximilian I. in Auftrag gab.
In den folgenden Räumen zeigt die Ausstellung nie gezeigte Exponate, z.B. ein über 500 Jahre altes Tranchier-Besteck des Kaisers mit filigran gearbeiteten Messern und Gabeln mit kristallenen Griffen. Ein weiteres Highlight sind die zu einer Rüstung gehörenden Handschuhe von Kaiser Maximilian I., gefertigt von einem Augsburger Plattner mit filigran gearbeiteten Fingergelenken aus Stahl und vergoldetem Messing.

Mit einer Virtual-Reality-Brille können wir uns ins spätmittelalterliche Augsburg versetzen lassen und nacherleben, wie das eigens für den Kaiser 1514 konstruierte Nacht-Tor der Stadt aussah und wie aufwändig es für die Bürger war, Einlass zu bekommen.

Die letzten Räume sind liturgischen Drucken und Autobiographien gewidmet, die Maximilian I. in Auftrag gegeben hatte und bei denen die Künstler eine ganz eigene Schrift benutzten.
Nach der einstündigen Führung und einem Mittagessen im Ratskeller treffen wir um 14 Uhr unsere Stadtführerin, Frau Schnell.

Da der Augustusbrunnen vor dem Rathaus wegen vieler Baucontainer und Buden schlecht einsehbar ist, gehen wir zurück in den Hof des Maximilianmuseums, wo die restaurierten Originalplastiken aller berühmten Augsburger Prachtbrunnen – Augustusbrunnen, Merkurbrunnen und Herkules-Brunnen – aufgestellt sind. Die um 1600 von den Hofbildhauern Hubert Gerhard und Adriaen de Vries geschaffenen Figuren verherrlichen Augsburg als römische Gründung und freie Reichsstadt, die damals bereits auf eine 1600 Jahre alte Geschichte zurückblicken konnte.


Augustusbrunnen
Foto: Norbert Rückgauer (2016)

Das Rathaus steht auf der Grenze zwischen Ober- und Unterstadt. Als Anfang des 17. Jahrhunderts in Augsburg die Reichstage abgehalten werden sollten, erhielt Elias Holl 1615 den Auftrag, anstelle des alten gotischen Rathauses von 1385 ein neues Rathaus im Renaissance-Stil zu errichten


Rathaus Augsburg
Foto: Norbert Rückgauer (2016)

Wir besuchen den Goldenen Saal im 2. Obergeschoss, die Hauptattraktion des Rathauses. Seinen Namen bezieht er aus dem reichhaltigen Goldschmuck, der den gesamten Raum ziert. Gebaut wurde er ursprünglich als Tagungsort für die Reichstage. Der 30jährige Krieg und die Verlegung der Reichstage nach Regensburg führten jedoch dazu, dass nie ein Reichstag in dem prachtvollen Raum stattfand. Benutzt wird der Goldene Saal heute hauptsächlich als Empfangs- und Versammlungssaal der Stadt. Immer wieder war der Raum aber auch Schauplatz wichtiger überregionaler Ereignisse, so etwa die Wahl von Ferdinand IV. zum römisch-deutschen König sowie das Krönungsbankett für Joseph I. im Jahre 1690. Kaiser Franz besuchte den Goldenen Saal 1792 zusammen mit seiner Frau Maria Theresia von Bourbon-Neapel. 1891 war Otto von Bismarck Gast des Augsburger Magistrates, wobei ihm im Goldenen Saal die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen wurde. Im Jahr 1914 wurde für den letzten bayerischen König Ludwig III. ein Bankett im Goldenen Saal abgehalten.

Der Saal wurde 1944 durch einen Bombenhagel vollkommen zerstört. 17 Jahre hat man für die Restauration gebraucht, die erst 1996 fertiggestellt wurde. Der Saal hat eine Fläche von 552 m², ist 14 m hoch und hat zahlreiche Deckengemälde und Wandmalereien. Auf der aus Nussbaum geschnitzten Kassettendecke befindet sich als Hauptgemälde das ovale Bild der Sapientia, das von zwei großen Rundbildern flankiert wird. Diese sind wiederum von je vier Ovalen umgeben, auf denen sich Bilder von Frauengestalten befinden, die auf der einen Seite für Wissen, Handwerk, Fleiß und Frömmigkeit und auf der anderen Seite für Wohlstand, Gerechtigkeit, Redlichkeit und Heilkunst stehen.


Goldener Saal
Foto: Norbert Rückgauer (2016)

 


Barbara Schnell informiert uns über Details im Goldenen Saal.
Foto: Barbara Heinze

Bei einem Blick aus einem Fenster im Goldenen Saal (2. Stock des Rathauses) auf die Unterstadt sehen wir den beeindruckenden Höhenunterschied von 60 m zur Unterstadt.

An den Goldenen Saal grenzen 4 Fürstenzimmer. Wir besuchen das nordwestliche, das für Veranstaltungen und Trauungen gemietet werden kann. Hier verweilten einst wichtige Gäste des Stadtrats. Es hat eine wunderschöne Kassettendecke, holzgetäfelte Wände, Parkettboden und einen Kachelofen, wodurch eine gemütliche Atmosphäre geschaffen wird.

Nach einer Einkehr zu Kaffee und Kuchen fahren wir gestärkt mit Straßenbahn und Zug zurück nach Ulm.

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