Bericht Exkursion zur Großen Landesausstellung in die Kunsthalle Karlsruhe

Am 05.03.2020 besuchten wir mit 16 Teilnehmer*innen die Kunsthalle in Karlsruhe zur Großen Landesausstellung Hans Baldung Grien. Vielen von uns war Hans Baldung kein Begriff. Als jedoch vor einigen Wochen in der Südwestpresse ein Artikel über diese Große Landesausstellung erschien, war unser Interesse geweckt.

Bis zum 16. Lebensjahr weiß man über Hans Baldung wenig. Er wurde 1484 oder 1485 in Schwäbisch Gmünd geboren. Mit 16 Jahren kam er in die Werkstatt von Albrecht Dürer nach Nürnberg, der damals 3 Gesellen namens Hans hatte, weshalb er diese mit Farben unterschied. So bekam unser Maler den Beinamen „Grien“, der Grüne.

Über Halle, wo er am Halleschen Dom mitarbeitete, kam er 1509 nach Straßburg, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbrachte. In den Jahren 1512 – 1516 schuf er den Hochaltar im nahegelegenen Freiburg, sein wohl berühmteste Werk. 1545 starb Hans Baldung in Straßburg.

Zwei Pole bestimmten sein Schaffen. Zum einen das Religiöse, das er in imposanten Altarwerken, leuchtenden Glasgemälden und intimen Andachtsbildern gestaltete, zum anderen das Weltliche. Er interpretierte Geschichte der Antike und Gegenwart, malte charaktervolle Porträts und sinnliche Akte, zu denen Sündenfalldarstellungen und drastische Hexenszenen zählen.

Unter der kompetenten Führung des Kunsthistorikers Dr. Arthur Mehlstäuber erlebten wir einen außergewöhnlichen Künstler mit einem Oeuvre in Glasmalereien, Ölgemälden, Zeichnungen, Holzschnitten und Kupferstichen.


Selbstbildnis im Alter von 16 Jahren (1501)

Das Bild entstand auf grünem Untergrund mit Bleistiftzeichnungen in der Werkstatt von Albrecht Dürer. Es zeigt die photographische Genauigkeit, mit der sich der Künstler selbst porträtierte.

Nach seiner Tätigkeit in der Werkstatt von Dürer verließ Hans Baldung Grien die damals allgemein übliche italienische Renaissance und entwickelte seinen eigenen Stil, der damals auch auf Ablehnung stieß; wahrscheinlich ein Grund, dass seine Werke nie die Berühmtheit derer von Dürer erlangten.
Sehr beeindruckt haben uns die Glasfenster mit leuchtenden Farben in rot und blau. Dafür verwendete er gefärbtes Glas und fasste es in Blei. Für die Gesichter, Falten usw. verwendete er einen Einfaserpinsel.


Glasfenster

Längere Zeit hielten wir uns vor einem Gemälde auf, das der Markgraf Christoph I. von Baden in Auftrag gegeben hatte. Es zeigt seine Familie vor der Anbetung der Heiligen Anna Selbdritt. Dargestellt sind der Markgraf, seine Gattin und alle Kinder, von denen bei der Erstellung des Bildes schon einige gestorben waren. Der Maler gab diesen das Gesicht eines lebenden Sohnes oder einer lebenden Tochter.


Anbetung der heiligen Anna Selbdritt

Nachdem man natürlich den Hochaltar des Freiburger Münsters nicht in die Ausstellung holen konnte, gab es ein wunderschönes Foto. Vor diesem Foto stand ein digitales Gerät, mit dem der Altar von vorne, hinten und den Seiten angeschaut werden konnte. Man konnte auch einzelne Ausschnitte ins Visier nehmen und diese vergrößern. Eines der wunderschön gezeichneten Gesichter betrachteten wir vergrößert im Detail. Der Hochaltar war eine Auftragsarbeit.

In einer Vitrine ist eine Locke von Albrecht Dürer in einer wunderschönen Dose ausgestellt. Diese Locke hinterließ Dürer nach seinem Tod Hans Baldung. Das beweist auch, dass die beiden in lebenslanger Freundschaft verbunden waren. Neben der Locke lag ein Dokument, aus dem ersichtlich ist, dass dies tatsächlich eine Locke von Albrecht Dürer ist, gewidmet seinem Freund Hans Baldung Grien.

Ein Ausstellungshighlight war das Karlsruher Skizzenbuch von Hans Baldung Grien, das Sebald Büheler 1582, also fast 40 Jahre nach Baldungs Tod, aus mehreren Buchfragmenten binden ließ; einige kleinere Blätter wurden einzeln eingeklebt. Eigenhändige Datierungen des Künstlers auf einzelnen Blättern weisen auf einen Entstehungszeitraum von 1511 bis 1545 hin. Ebenfalls erhalten ist der für die Skizzen verwendete Silberstift, der nicht angespitzt werden musste, da sich mit Silber auf Pergamentpapier sehr gut zeichnen ließ. Die gesammelten Skizzen haben sich einige von uns nach der Führung auf einem Display noch digital angeschaut.

Hans Baldung Grien malte viele Porträts als Auftragsarbeiten, deren Gesichter teilnahmslos wirken. Darunter sticht das Bild eines jungen Mannes heraus, dessen Augen uns interessiert betrachten.


Porträt eines jungen Mannes.

Der Untertitel der Ausstellung hieß „heilig – unheilig“. Außer den religiösen und menschlichen Gemälden beschäftigte er sich unter anderem mit Gemälden von Hexen und sogar mit Pornografie. Dieses nachfolgende pornografische Gemälde war von einem hochrangigen Geistlichen in Auftrag gegeben worden.


Neujahrsgruß mit drei Hexen (1514)

Herr Dr. Mehlstäuber überzog die uns zugebilligte Zeit von 60 Minuten für die Führung um ca. 20 Minuten. Wir bedankten uns herzlich für seine sehr detaillierten und äußerst interessanten Ausführungen.


Kunsthistoriker Dr. Arthur Mehlstäuber mit einem Teil unserer Gruppe

Nach einer kleinen Kaffeepause in der Cafeteria des Museums machten wir uns mit Straßenbahn und Zug wieder auf den Heimweg nach Ulm.

Beate Braun.

11.03.2020


Flyer über die Ausstellung.

Fotos: Norbert Rückgauer

Zeitungsartikel: eingescannt.

Links:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Baldung
https://www.kunsthalle-karlsruhe.de/kunstwerke/Hans-Baldung/Das-Karlsruher-Skizzenbuch/C8
https://www.kunsthalle-karlsruhe.de/gallery/?view=WzE1MDgxLDEyMzczXQ%3D%3D#image_15081

Artikel aus der Südwestpresse vom 11.03.2020 siehe Einladung zur Ausstellung.

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