Bericht über Exkursion nach Augsburg

Exkursion nach Augsburg und Besichtigung des dortigen Rathauses mit dem Goldenen Saal und des Textilmuseums am 18.11.2016
Als erstes besuchen wir das Augsburger Rathaus, das von 1615 bis 1624 nach Plänen von Elias Holl im Renaissance-Stil erbaut wurde und an der Stelle eines vorherigen gotischen Rathauses aus dem Jahre 1385 steht. Seine Höhe betrug 57 m und war damit über lange Zeit das höchste Gebäude Deutschlands. Während des 2. Weltkrieges wurde das Rathaus im Februar 1944 von mehreren Bomben getroffen und brannte bis auf die Außenmauern voll­ständig aus. Nach dem Krieg wurde das Gebäude wieder aufgebaut und ab 1955 wieder als Rathaus genutzt. Das Selbstbewusstsein der reichsstädtischen Augsburger drückt sich in den Ornamenten auf der Frontfassade des Rathauses mit dem gemalten Reichsadler und einer großen kupfernen Zirbelnuss auf der Spitze aus.

 
Foto: Norbert Rückgauer      Rathaus Augsburg

Wir besuchen den Goldenen Saal im 2. Obergeschoss, die Hauptattraktion des Rathauses, mit seinen Prunkportalen, Wandmalereien und einer prachtvollen Kassettendecke. Der Saal war ursprünglich als Tagungsort für die Reichstage vorgesehen. Der Niedergang der Bedeutung Augsburgs während des 30jährigen Krieges führte dazu, dass der Reichs­tag nach Regensburg verlagert wurde. Nur noch einmal, im späten 17. Jahrhundert, war der Goldene Saal Schauplatz eines Festes von reichsweiter Bedeutung, als 1690 Joseph I. das Bankett anlässlich seiner Krönung zum römisch-deutschen König abhielt. Heute dient der Goldene Saal als Veranstaltungsort für städtische Empfänge, Konzerte und Festakte.

Der Saal wurde 1944 durch den oben beschriebenen Bombenhagel vollkommen zerstört. 17 Jahre hat man für die Restauration gebraucht, die erst 1996 fertiggestellt wurde. Der Saal hat eine Fläche von 552 m² und ist 14 m hoch.

          
Foto Norbert Rückgauer                      Goldener Saal

   
Foto: Barbara Heinze                      Portal im Goldenen Saal

Auf der aus Nussbaum geschnitzten Kassetten­decke befinden sich zahlreiche Deckengemälde. Als Hauptgemälde befindet sich in der Mitte ein ovales Bild mit der Sapientia, flankiert von zwei großen Rund­bildern. Diese sind wieder­um von je vier Ovalen umgeben, auf denen sich Bilder von Frauen­gestalten befinden, die  die Tugenden Wissen, Handwerk, Fleiß und Frömmigkeit sowie Allegorien für Wohlstand, Gerechtigkeit, Redlichkeit und Heilkunst darstellen.


Foto: Barbara Heinze         Deckengemälde des Goldenen Saales

Vor dem Rathaus steht der Augustus-Brunnen, der daran erinnern soll, dass die Römer die Stadt am Lech gegründet haben. Augsburg war damals die größte römische Stadt südlich des Limes.


Foto: Norbert Rückgauer         Augustusbrunnen

Nach einem Essen im Ratskeller, den historischen Gewölben des Rathauses, besuchen wir das Textilmuseum. Es ist im Kopfbau der ehemaligen Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS) untergebracht, die im Jahre 1836 von Friedrich März gegründet wurde. Sie war der erste große Industriebetrieb der Stadt, beschäftigte bis zu 2.000 Menschen und produzierte bis ins Jahr 2004. Zeitweise war sie größte Kammgarnspinnerei in der Bundesrepublik.


Foto: Barbara Heinze          Textilmuseum

Die Führerin durch das Museum, Frau Gertrud Rot-Bojadzhiev war bis zu ihrer Pensionie­rung Professorin für Kunst­pädagogik in Augsburg. Carmen Stadelhofer hatte die Verbindung hergestellt.
Das Museum wurde im Jahre 2010 eröffnet; es umfasst eine Ausstellungsfläche von
2.500 m². Die ausgestellten Webmaschinen stammen aus ganz Europa. Sie wurden oft in kläglichem und rostigem Zustand gefunden, abgeholt und durch ehemalige Mitarbeiter, die jetzt für die Webmaschinen im Museum zuständig sind, wieder instand gesetzt.
Wir beginnen mit den Rohmaterialien, wie Seide, Baumwolle, Wolle, Hanf, Flachs und synthetische Stoffe. Dann zeigt Gertrud uns, wie Baumwolle gekämmt wird, bevor sie zu einem Faden versponnen werden kann; sie erinnert an Kleidung aus „gekämmter Baumwolle“. Diese Arbeiten wurden zuerst händisch, später maschinell ausgeführt.


Foto: Barbara Heinze     Führung durch das Textilmuseum

Ein  ehemaliger Mitarbeiter der Weberei demonstriert uns die Funktion der Webmaschinen, von denen die älteste aus dem Jahr 1880 stammt.  Wir können die Verbesserungen bei den Webmaschinen über die Jahrhunderte bis in die jetzige Zeit nachvollziehen. Bei den Demonstrationen produzieren die Web­stühle z.B. das Schlosserhandtuch, das Fugger-Barchent, den Jacquard-Stoff oder Frottee. Diese gewebten Gegen­stände werden später im Museumsshop verkauft. Es werden auch kleinere Aufträge von Firmen angenommen, die dann schnellstens ausgeführt werden – auch wenn keine Demonstrationen stattfinden.
Im nächsten Raum sehen wir Natur- und Chemie-Farben, die zum Färben der Stoffe verwendet wurden, sowie die Druckstempel, mit denen die Muster händisch auf die Stoffe aufgebracht wurden. Diese Druckstempel wurden später durch Maschinen abgelöst; eine dieser großen Maschinen können wir anschauen.
Ein Höhepunkt der Ausstellung ist die Musterbuchsammlung der ehemaligen „Neuen Augsburger Kattun­fabrik, die nach ihrer Schließung die Sammlung vernichten wollte. Das Textilmuseum hat diese Musterbuch­sammlung, die Stoffmuster aus den 1780er bis in die 1990er Jahre beinhaltet, gerettet und im Museum ausgestellt.
Anschließend kommen wir zur Schneiderei, die in früheren Jahren notwendig war, da es  Mode „von der Stange“ gab es noch nicht. Alle Kleidungsstücke wurden auf die Person zugeschnitten und genäht.
Als letztes können wir noch Anzüge, Kleider und Unterwäsche aus den verschiedenen Epochen bewundern.

Nachdem im Museum gerade der jährliche 2tägige Textilmarkt stattfindet, nutzen wir die Möglichkeit, den Markt zu besuchen und einzukaufen, bevor wir mit der Straßenbahn zum Bahnhof fahren und den Zug zurück nach Ulm nehmen.

Beate Braun
02.12.2016

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