Besichtigung von Schloss Varchentin

Der Ort Varchentin, dessen Name aus dem Slawischen kommt, taucht erstmals in einer Urkunde von 1333 auf. Schon zwischen 1270 und 1280 wurde die Varchentiner Kirche errichtet.
1827 wurde südöstlich der Kirche das neue Dorf Varchentin erbaut, in dem die Tagelöhner des Hofguts Varchentin wohnten. Die Besitzer des Hofguts Varchentin wechselten. Erst befand es sich im Besitz des Warener Bürgermeisters von dem Berge, danach der Familien von Heydebrech, Kruse und von Rostke. Im Jahre 1836 erwarb der Hamburger Bankier und Kaufmann Gottlieb Jenisch den Besitz. Dieser ließ im Jahre 1847 das Schloss unter der Leitung des Architekten Auguste de Meuron im Stil der Tudorgotik erbauen. 

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Schloss Varchentin, wegen der Bepflanzungen etwas verdeckt

Gut und Schloss gelangten 1875 nach der Heirat von Gottlieb Jenischs Tochter Marie in den Besitz von Adolf Graf Grote. Zum Schloss gehörten mehrere stattliche Wirtschaftsgebäude, darunter auch die etwas entfernt befindliche Orangerie und Fasanerie sowie das südlich vom Schloss im Wald befindliche und 1895 im Stil der Neorenaissance erbaute Mausoleum des Grafen Grote. Der Landschaftspark wurde nach Entwürfen von Peter Joseph Lenné gestaltet. Im Park befindet sich eine künstlich geschaffene Kanalverbindung der beiden Varchentiner Seen, die durch den abgesunkenen Grundwasserspiegel trocken gefallen ist.

Rechte Seitenansicht Schloss Varchentin

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                 Rechte Seite des Schlosses                                             Linke Seite des Schlosses

Ab 1924 erlebte der Betrieb seine wirtschaftliche Blüte. Zum Schlossgut gehörten über 1700 Hektar des umgebenden Landes und praktisch die gesamte Einwohner­schaft der darin liegenden Orte stand in Abhängigkeit zur gräflichen Familie. Deren letztes Oberhaupt, der NS-Funktionär und SS-Oberführer Friedrich Franz Graf Grote fiel 1942 in Russland.
Seine amerikanisch-stämmige Gattin konnte mit den Kindern in die USA emigrieren. Der Ort hat den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet überstanden. Nach 1945 wurde der Besitz geplündert, das Schloss für Flüchtlingswohnungen (1945 – 1947), später als Unterkünfte für russische Truppen und danach als Schule für Forsttechnik genutzt. Viele Jahre stand das Herrenhaus leer. Das Mausoleum wurde in der Nachkriegszeit zur Altmetallgewinnung geplündert. Die Schloss Varchentin KG und die Gutshof Varchentin KG haben Anfang 2006 Herrenhaus und Gut erworben. Sie wollten diese bis zum Sommer 2009 sanieren und zu einem Hotel umbauen.

Hinweistafel Schloss Varchentin
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Es besteht ein Konzept, das Hotel als Zeitreise im Stil 1927 zu gestalten, den angrenzenden Gutshof mit stilecht arbeitenden Gewerbebetrieben touristisch, aber auch zur Selbstversorgung der Gastronomie des Herrenhauses zu nutzen. Seit Frühjahr 2008 liegt das Schloss wieder im Dornröschenschlaf. Leider können wir das Innere des Schlosses nicht besichtigen.
Wir finden jedoch folgendes Schild neben dem Eingang:
Wann jedoch der Plan realisiert werden soll, ist dem Schild nicht zu entnehmen.

Der rechte Turm des Schlosses trägt in römischen Ziffern das Jahr der Erbauung.

Beate Braun

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