Atomweltmeister Frankreich fördert jetzt auch alternative Energien

Ziele französischer Energiepolitik waren bisher die sichere und preiswerte Energieversorgung, eine effizientere Energienutzung und eine Verringerung der Abhängigkeit von Energieeinfuhren. Seit der Ölkrise der siebziger Jahre setzte die Regierung fast allein auf die Nutzung der Kernkraft, die heute 78 Prozent der französischen Stromerzeugung stellt.

Inzwischen werden die Chancen der Nutzung von erneuerbaren Energien für die Umwelt und für die Schaffung von Arbeitsplätzen, auch in der Landwirtschaft, allgemein erkannt. Mit einiger Verspätung gegenüber seinen Nachbarländern will der Atomstromweltmeister Frankreich die Erneuerbaren Energien fördern.

 In Ostfrankreich soll die größte Fotovoltaikanklage der Welt entstehen, im Süden des Landes gibt es einen regelrechten Boom bei Solaranlagen für Privathäuser, und an der Atlantikküste sind mehrere Vorhaben für Offshore-Windanlagen im Planung.

Die Weichen dafür wurden im Herbst 2007 gestellt. Bei einer von der Regierung einberufenen Umweltkonferenz im Herbst 2007 versprach Präsident Nicolas Sarkozy die massive Förderung alternativer Energiequellen. Sonnenkraft, Windenergie, Holzheizungen, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie sollen helfen, das von der  Europäischen Union gesteckte Ziel, bis 2020einen Anteil von 20 Prozent Erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch zu erreichen

Seit dem Erdölschock in den 70er Jahren hatte Frankreich auf den Ausbau der Atomindustrie gesetzt. Heute decken die 56 französischen Atomreaktoren vier Fünftel des landesweiten Strombedarfs. Und das soll auch so bleiben.

Windkraft noch unterentwickelt – Fotovoltaik wächst

Windkraftanlagen decken in Frankreich derzeit nur 1,7 Prozent des Stromverbrauchs. Trotz mehr als eintausend Kilometer Atlantikküste gibt es bis heute keine Offshore-Windanlage und nur ein kleines Gezeitenkraftwerk bei Saint Malo in der Bretagne.


Der Stromerzeuger EDF, der alle französischen Atomreaktoren betreibt, gründete 2004 eine Filiale für erneuerbare Energien  und nahm inzwischen nahe der südfranzösischen Stadt Narbonne ihr bislang größtes Sonnenkraftwerk in Betrieb.Sie plant außerdem die weltweit größte Fotovoltaikanlage auf einem ehemaligen Militärstützpunkt in Lothringen.   Auf einer 140 Hektar großen Fläche sollen Solarzellen installiert werden. Die Anlage soll 2012 ans Netz gehen und eine Leistung von 143 Megawatt haben - doppelt soviel wie die bisher größte europäische Fotovoltaik-Zentrale im italienischen Rovigo.

32 Biomasse-Kraftwerke geplant

Im Januar 2010 kündigte der französische Umweltminister an, dass als Ergebnis der Ausschreibung "Biomasse 3"  32 Projekte für Biomasse-Kraftwerke zur Stromerzeugung ausgewählt wurden. Gebaut werden sollen die Biomasse-Kraftwerke bis 2012 mit einer geplanten Gesamtkapazität von 266 MW, was etwa einem Viertel der Kapazität eines Atomreaktors entspricht. Die 32 ausgesuchten Projekte können von einem Vorzugstarif beim Stromeinkauf von durchschnittlich 145 € pro Megawattstunde profitieren. Das gesamte Investitionsvolumen beläuft sich auf 750 Mio. Euro, wobei der Staat das Programm jährlich mit 150 Mio. Euro über 20 Jahre unterstützt. Eine Pilotanlage wurde am 22. Januar 2010 in Pau eröffnet.

Wasserstoffwirtschaft in der Bretagne

Das vom Forscher Bruno Mansuy ins Leben gerufene und Ende des Jahres 2009 gestartete Kompetenznetz "ERH2 Bretagne" hat die Entwicklung erneuerbarer Energien, die Wasserstoffwirtschaft und die Nutzung von Brennstoffzellen in der Bretagne zum Ziel.

Alle bretonischen Akteure des Energiesektors sollen zusammengeführt werden, um eine Wasserstoff- und Brennstoffzellenbranche aufzubauen.  Die Nutzung aller erneuerbaren Energien, deren Speicherung und ihre optimierte Nutzung in intelligenten Stromnetzen, Plusenergiehäusern und emissionsfreien Fahrzeugen soll entwickelt werden.

Ingrid/wp

(Quellen AA, verivox, wissenschaft-frankreich.de)

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