Gedanken zur Jugendkriminalität in Deutschland und zur gefühlten Bedrohung

 

Zunächst die einfache Erkenntnis: im Netz gibt es unendlich viele Informationen zum Thema Jugendkriminalität. Institute wie das von Prof. Pfeiffer in Hannover, Universitäten wie die in Greifswald, wissenschaftliche Forschungseinrichtungen, Zeitungsmagazine ,Fernsehsender, Radioanstalten Tageszeitungen, Wochenzeitungen, alle widmen sich diesem Thema. Alle haben oftmals unterschiedliche Fragestellungen, aber noch wichtiger die meisten benutzen auch unterschiedliche Statistiken.

Mal sind es Bundesstatiken, mal Landesstatistiken, mal eigene, mal Erhebungen mal Ergebnisse von wissenschaftlichen Befragungen. Mal werden die Tatverdächtigen erhoben (PKS) mal die Verurteilten.

Dazwischen können Welten liegen. Wenn z. B ein Wiederholungstäter hundert Straftaten begeht taucht er in der personenbezogenen Täterstatistik nur einmal auf. In der Verurteilung vielleicht auch nur einmal. Im Tatgeschehen aber hundert mal . Wenn die Tat im letzten Jahr begangen wurde kommt sie in die Statistik desselben Jahres Wenn die Verurteilung erst Monate später erfolgt ,was der Normalfall ist, taucht sie erst im folgenden Jahr auf.

Und nur so erklärt sich die unterschiedliche Interpretation der Daten: mal sinkt die Jugendkriminalität, verglichen über einen längeren Zeitraum. Beim speziellen Blick auf einzelnen Taten, wie Gewalttaten ist aber ein deutlicher Anstieg bemerkbar. Hinzu kommt noch, dass das öffentliche Interesse (Hessenwahl) auf einige überregionale Ereignisse , wie den brutalen Überfall auf einen Rentner in der U-Bahn in München und dessen wochenlange Medienpräsenz durch ständige Wiederholung in allen Magazinen der verschiedenen Sender natürlich das Gefühl der Unsicherheit in der Bevölkerung stärkt.

Noch deutlicher wird das Sicherheitsgefühl der Bürger jedoch durch die kommunalen Straftaten beeinträchtigt. Überfälle und Gewalttaten im örtlichen Bereich, vielleicht in der unmittelbaren Nachbarschaft lassen das Gefühl der Unsicherheit noch deutlich ansteigen. Da können die Bundesstatistiken noch so stark rückläufig sein.
Das alles zeigt deutlich, dass man sich genau vergewissern muss, um welche Zahlen, in welchen Zeiträumen und vor allem in welchen Gebieten es sich eigentlich handelt.

Der Journalist Christian Denso hat in der Zeit (10.1.2008.) die Problematik recht gut zusammengefasst: „Deutschland ist nicht gefährlicher geworden. Aber die Menschen fürchten sich vor jugendlichen Intensivtätern.“ Die Frage ist nun, tun sie das zurecht?

Hat die Jugendkriminalität wirklich zugenommen?

Auch hier gibt er keine endgültige Antwort. Zum einen ist die Gesamtkriminalität von Jugendlichen (14 bis 18) und Heranwachsenden (von 18 bis 21) in den letzten Jahren gestiegen Insbesondere Sachbeschädigung und Körperverletzung haben zugenommen. Abgenommen hingegen haben die Delikte Ladendiebstahl, schwerer Diebstahl, Raubdelikte Dies trifft übrigen auch auf die erwachsenen Täter zu. Stark gestiegen ist offensichtlich die Zahl der Intensivtäter und vor allem deren Taten (zum Teil über Hundert Straftaten pro Täter).

Sind jugendliche Ausländer krimineller als deutsche Jugendliche?

Eindeutig ja. Mehr als jeder fünfte junge Gewalttäter (21,9%) hat keinen deutschen Pass. Aber die ausländischen Jugendlichen stellen nur ein Zehntel dieser Bevölkerungsgruppe dar. Gleichzeitig sinkt der Anteil dieser Jugendlichen in der Statistik. So lag er 1997 noch bei 30% aller jungen Gewalt-Tatverdächtigen.

Wie viele jugendliche Intensivtäter gibt es?

Intensivtäter haben ein extrem hohes Konto von Straftaten. Sie sind überwiegend männlich, leben überwiegend in Grosstädten. Weniger als 10% der Täter sind für gut 40% der Gewaltkriminalität verantwortlich. So die Meinung der Ermittlungsbehörden. Schätzungen gehen von 3000 jugendlichen Intensivtätern aus.

Sind die jugendlichen Intensivtäter eher Ausländer?

Dramatisch klingen die Zahlen aus Berlin. Dort zählt die Staatsanwaltschaft 495 Täter, die mehr als 10 Straftaten in einem Jahr begangen haben. Davon haben knapp 80% einen Migrationshintergrund.
Hier müsste man nun genauer untersuchen ob es sich um Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland handelt.

Grundtatsache nach Prof. Pfeiffer vom Kriminologischen Institut in Hannover ist, dass integrierte Ausländer in Deutschland, und die bilden seiner Meinung nach die Mehrheit, nicht öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten als Deutsche.
Ein Viertel bis ein Drittel der Ausländer, die in der Kriminalstatistik erscheinen, sind Touristen, Illegale und alle, die ausschließlich zum Zweck ungesetzlicher Taten (Diebstahl, Raub, Drogenhandel, Prostitution und Zuhälterei, Schmuggel) ins Land einreisen. Hierzu gehören natürlich auch die international tätigen Verbrecherbanden, die im Grunde nur zum Zwecke der Begehung einer Straftat einreisen und nach erfolgter Arbeit sofort wieder abreisen.
Doch dem Opfer einer solchen Straftat ist es natürlich egal, ob der Ausländer hier nur vorübergehend war oder hier wohnt.

Werden Gewalttäter immer hemmungsloser und brutaler?

Nach Prof. Dr. Pfeiffer bieten vorliegende Untersuchungen klare Belege, dass die polizeilich registrierten Gewalttaten junger Menschen in den letzten Jahren nicht brutaler geworden sind. Das liegt zum teil daran, dass die Täter immer jünger werden . Dem steht allerdings gegenüber, dass in einigen Landesstatistiken, z.B Hamburg wo die eingesetzten Mittel bei Körperverletzungen untersucht werden, die Verletzungen durch Tritte (Schuhe) stark zugenommen hat. Und gerade diese Gewaltanwendungen führen zu den schlimmsten Verletzungen. So stieg die Zahl zwischen 2002 und 2006.auf das 6 fache.

Die spannende Frage ist nun, wie reagieren die Politiker, die Fachöffentlichkeit, der Staat und die Öffentlichkeit auf diese offensichtliche Problemlage.
Nachdem die Versuche von Roland Koch mit der einfachen Lösung:“ kriminelle Ausländer raus „ von den Bürgern (und Wählern) und der gesamten Fachwelt nicht akzeptiert wurde werden differenzierte Konzepte und Antworten gesucht. Darüber wird zu berichten sein.

Axel

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