Deutschland, wie es isst und trinkt – die Küchen der Bundesländer

 

„Die“ Deutschen werden zwar Krauts genannt, aber Kraut oder Kohl (gern in Form des Sauerkrauts) gibt es durchaus nicht überall in Deutschland, dagegen sehr viel mehr in Osteu-ropa. Es ist heute gar nicht mehr so leicht, von deutscher Küche zu sprechen, denn die Zu-wanderer aus Italien, Griechenland und der Türkei haben ihre Vorlieben mitgebracht und da-mit auch Anklang bei den Einheimischen gefunden.

Was aber immer noch stimmt: Die Deutschen essen sehr viel Wurst – überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit, warm und kalt, gebraten, im Stück oder in Scheiben. Sie wird abgebis-sen oder gelegt (aufs Brot) oder geschmiert; sie wird hergestellt aus Blut oder Schwarte oder aus vielen anderen Teilen eines Tieres, ob Säugetier oder Geflügel, wobei die Teile roh oder gekocht oder geräuchert verarbeitet werden. 60 Prozent des deutschen Fleischverzehrs geht durch die Wurst.

Deutschland: Wurstland ...

Es gibt über 1500 Wurstsorten in Deutschland: mehr als 500 Sorten Rohwürste, über 800 Brühwürste und 365 Sorten Kochwürste, darunter 60 Leberwurst- und 50 Bratwurstvarianten.

Jede Region hat ihre Bratwürste: Coburger (32 cm), Fränkische, Hessische, Norddeutsche, Nürnberger (8 cm), Schlesische, Thüringer und, und, und. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Größe auch in der Gewürzmischung, und sie sind fein oder grob.

... und Brotland

Die Wurst verlangt nach Brot. Mehr Brot- und Brötchensorten als in Deutschland gibt es nir-gends auf der Welt. Brot isst man zu allen Mahlzeiten – außer den Hauptmahlzeiten.

Die Mahlzeiten

Der Deutsche kennt das Frühstück, das 2. Frühstück, das Mittagessen, den Nachmittagskaffee und das Abendbrot. Hauptmahlzeit ist das Mittagessen, das aber auch spätnachmittags oder abends eingenommen werden kann. Die Hauptmahlzeit im Alltag besteht öfter aus einem Gang, denn aus zwei oder mehr Gängen. Vorspeisen gibt es, aber sehr selten zum täglichen Mahl. Der Salat wird zum Hauptgericht verzehrt, nicht VOR (wie z.B. in Italien) oder NACH (wir z.B. in Frankreich). Das Hauptgericht besteht vorzugsweise aus Fleisch und Gemüse mit Beilagen: mehr Kartoffeln im Norden, mehr Nudeln und Spätzle im Süden, Knödel unter-schiedlichster Art vor allem in Bayern.

Deutschlands angedickte Suppen aus Kartoffeln, getrockneten Erbsen oder Linsen, kräftig gewürzt mit Wurst und Zwiebeln sind bekannt in der ganzen Welt.

Die Regionalküchen sind alle von ihren europäischen Nachbarn beeinflusst: Im Norden sind es russische, polnische, schwedische, dänische und holländische Einflüsse. Man isst in dem kalten feuchten Klima vor allem kräftige Kohl- und Specksuppen, sauer ein-gelegtes oder geräuchertes Fleisch mit getrocknetem Obst, gebratene Gänse und Enten, Meer-fische und Aale. Die Grünkohlgerichte sind da zuhause.

In der Mitte gibt es Einflüsse aus Holland und Frankreich im Westen, österreichische, böhmi-sche und polnische Einflüsse kamen nach Schlesien und mit den Flüchtlingen nach West- und Ostdeutschland. Viel Schweinefleisch, Kartoffeln und Kraut und Rüben. Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sind für gutes Essen nicht gerade berühmt.

Im Süden ist die Küche leichter. Wein (aus Reben und aus Äpfeln) gibt’s dazu – beeinflusst durch Frankreich, die Schweiz und Italien. Gemüse und Salate sind vielfältiger und häufiger. Kartoffelgerichte fantasievoller. Und Pasta.

Die bekanntesten deutschen Gerichte sind:

  • In ganz Deutschland isst man Rindsrouladen mit Rotkohl, Salzkartoffeln und Soße;
  • die Weihnachtsgans;
  • Bouletten – Fleischpflanzerln – Fleischküchle oder -knödel – Frikadellen – Hackbällchen - Bratklößchen - Hackplätzchen – Fleischkrapfen;
  • Kassler (Kasseler Rippenspeer) mit Kartoffeln und Sauerkraut;
  • Heringstopf mit Zwiebeln, Äpfeln und viel saurer Sahne. Wie überhaupt selten ein Land so viele Heringsvarianten kennt, wie Deutschland. Die große Auswahl an Räucherfischen (Bücklinge) ist einmalig.
  • Von Berlin breitete sich Eisbein mit Erbsbrei, Sauerkraut, halben Salzkartoffeln und Senf aus,
  • Hühnerfrikassee im Reisrand (Preußen);
  • Königsberger Klopse mit mehlig kochenden Petersilienkartoffeln und Senfgurken;
  • Labskaus (Hamburg und Schleswig Holstein);
  • Speckscholle (Hamburg und Schleswig Holstein);
  • Rheinischer Sauerbraten mit Rosinen und Pfefferkuchen in dunkler Soße und Kartoffel-klößen;
  • Kartoffelpuffer - Leipziger Allerlei- Thüringer Klöße - Frankfurter Grüne Soße - Sauma-gen (Rheinland-Pfalz) - Gefüllter Rippenbraten (Mecklenburg) -Linsen mit Spätzle und Sei-dewurst;
  • Kalbshaxen (Bayern) mit Semmelknödel, dazu Gurkensalat oder Weißwurst mit süßem Senf.

Bei all dem Schweinernen und Kraut darf die 4. deutsche Mahlzeit (am Nachmittag) nicht vergessen werden: kein Land – außer vielleicht Österreich – bäckt mehr und bessere Kuchen, Torten und Kekse als Deutschland, am besten wohlv in Sachsen.

Trinken Deutschland ist das Land des Biers. Es ist das populärste Getränk und es gibt kaum eine Stadt ohne eigene Brauerei. Verschiedene Arten werden je nach Landstrich bevorzugt. Die popu-lärsten sind das Altbier (bitter und mit großem Hopfenanteil), Malzbier (dunkel süß und kaum Alkohol), Märzen, Starkbier, Bockbier und Doppelbock-Arten, alle mit hohem Malzanteil. Wein wird immer mehr getrunken. Häufig nicht zum Essen, sondern danach oder zu anderen Gelegenheiten. Die wichtigsten Weingebiete sind die an Rhein und Mosel.

Autorin: Friedel, Quellen: deutsche-lebensart.de/4112.html, planet-wissen.de, sprachcaf-fe-deutschland.com/gast.html

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