Dem Energie-Musterknaben ging der Mut verloren

Die Bundesrepublik Deutschland galt einst als Musterknabe bei der Förderung Erneuerbarer Energien. Inzwischen sieht es nicht mehr ganz so rosig aus. Während den Banken in einer rasanten Rettungsaktion Milliarden zur Verfügung gestellt wurden, um das Land zu retten, glaubt die Politik offenbar, mit der Rettung der Energieversorgung reichlich Zeit zu haben. Deshalb werden die Förderungen zusammengestrichen.

Vor zehn Jahren war der Auftakt hoffnungsvoll: Mit Hilfe des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sollten alternative Energien wie Solarenergie und Windkraft einen Siegeszug antreten und Deutschland unabhängiger von fossilen Umweltverschmutzern wie Braunkohle oder Erdöl machen. Doch jetzt kürzt die Regierung die Solar-Förderung um 16 Prozent.

Die Förderung von Dachflächenanlagen sinkt vom 1. Juli 2010 an um 16 Prozent. Bei Freiflächen ist eine Kürzung um 15 Prozent vorgesehen. Für Ackerflächen gibt es künftig keine weitere Subventionierung.

Seit 2007 ist das Biokraftstoffquotengesetz gültig, das die Steuervergünstigungen für Biokraftstoffe ablöste. Seit 2009 wurde mit dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz auch die Wärmebereitstellung gefördert. Doch das steht jetzt auf der Kippe, da nach einer  Haushaltsperre des Finanzministeriums für das Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien im Umfang von 115 Millionen Euro auch der Einbau umweltschonender Heiztechniken nicht mehr gefördert wird.

Das Bundesumweltministerium hatte vergeblich beantragt, die Haushaltssperre aufzuheben. Die Weiterleitung des Antrags an das Bundesfinanzministerium wurde vom Haushaltsauschuss des Bundestages abgelehnt.

Mit dem Stop der Fördermittel für Gas- oder Stromwärmepumpen, moderner Brennwerttechnik oder solarthermischen Anlagen im Heizungsbereich, mindern sich die Perspektiven im Wärmebereich.

Von der Haushaltssperre betroffen sind Betreiber von kleinen Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) mit einer elektrischen Leistung von bis zu 50 Kilowatt. Diese Mini-KWK-Kraftwerke sind vergleichsweise effizient. Sie erzeugen Strom und Wärme und senken den Primärenergieverbrauch und den Kohlendioxidausstoss. Diese Anlagen werden beispielsweise in Ein- und Mehrfamilienhäusern, Gewerbebetrieben oder Schwimmbädern eingesetzt.

Umweltberater: Deutschland könnte viel erreichen

Bis 2050 könnte Deutschland seinen Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken – zu diesem Schluss kommen die Umweltberater der Bundesregierung. Was jetzt fehle, sei eine konsequente Strategie, die auf Strom aus Sonne und Wind setzt. Bisher lässt eine zu geringe Kapazität des Leitungsnetzes vor allem im windreichen Norddeutschland oft einen Teil der Windkraftanlagen stillstehen.

Die EU-Richtlinien schreiben vor, dass bis 2020 die Verwendung von Erneuerbaren Energien in den Bereichen Strom, Wärme, Kälte und Verkehr 20 Prozenmt des Energieverbrauchs erreichen muss.

Anteil am Endenergieverbrauch erstmals über 10 Prozent

Mehr als 10 Prozent des gesamten Verbrauchs an Wärme, Strom und Kraftstoffen wurden im Jahr 2009 in Deutschland durch Erneuerbare Energien bereitgestellt. Auch wurden im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Biogas-, Photovoltaik- und Windenergieanlagen gebaut. Damit verbunden stiegen die Investitionen im Bereich der Erneuerbaren Energien auf einen neuen Rekordwert von 17,7 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten legte erneut zu. Mehr als 300.000 Menschen, rund 8 Prozent mehr als im Vorjahr, haben in der Erneuerbaren-Energien-Branche einen vergleichsweise krisenfesten Job gefunden, teilte das Bundesumweltministerium mit.

Der erste deutsche Offshore-Windpark "alpha ventus" wurde rund 45 Kilometer vor der Küste der Insel Borkum am 27. April 2010 eingeweiht..

wp (Quellen: wikipedia, immobilo.de, strom.idealo.de, wiwo.de, BMU)

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