Das deutsche Gesundheitssystem

Im europäischen Vergleich der Gesundheitssysteme liegt die Bundesrepublik bei den Ausgaben mit an der Spitze – bei den Ergebnissen dagegen nur im Mittelfeld. Das ist Platz vier innerhalb der EU.

Eine große Gesundheitsreform war, eines der wichtigsten Projekte der deutschen Koalitionsregierung, und ist nach wie vor heftig umstritten.

„Unser Gesundheitssystem bietet allen Bürgerinnen und Bürgern Sicherheit und Schutz im Krankheitsfall.“ Aber:

„Dahinter steckt ein hochkomplexes und für den Laien kaum verständliches Geflecht aus Organisationen, Abläufen und Interessen.“

Das gibt das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Internetseite offen zu.

Drei Bereiche

Die gesundheitliche Versorgung in Deutschland gliedert sich gegenwärtig in drei wesentliche Bereiche: die Behandlung durch den niedergelassenen Arzt (Primärversorgung), die Behandlung im Krankenhaus (Akutversorgung) und die Behandlung im Rahmen von Rehabilitation. Die Prävention soll künftig zur vierten Säule ausgebaut werden.

8 Krankenkassenarten

Es gibt 8 Kassenarten, unter denen der Versicherte wählen kann: Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK), Betriebskrankenkassen (BKK), Innungskrankenkassen (IKK), Landwirtschaftliche Krankenkassen (LKK), Knappschaftliche Krankenversicherung, See-Krankenkasse: für Seeleute, Ersatzkassen, sie sind den anderen Kassen gleichgestellt, Angestellten-Krankenkassen.

90 Prozent in der gesetzlichen Krankenkasse

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gilt das Herzstück des Sozialstaats. Die GKV sorgt dafür, jeder Versicherte, der krank wird, unabhängig von Alter und Einkommen die medizinische Versorgung bekommt, die er braucht. In der GKV sind rund 90 Prozent der Bevölkerung versichert.
Die Mitglieder der GKV sind entweder pflichtversichert, oder, wenn ihr Arbeitsentgelt über der Versicherungspflichtgrenze liegt, freiwillig versichert. Innerhalb der GKV kann jedes Versicherungsmitglied ohne Rücksicht auf Berufs- oder Betriebszugehörigkeiten die Krankenkasse frei wählen. Keinem Versicherungsberechtigten darf der Eintritt in die GKV verweigert werden. Seit April 2007 gibt es auch Wahltarife.

Finanzierung durch Beiträge

Die Finanzierung der GKV erfolgt durch Beiträge, deren Höhe sich nach der Lohnhöhe des Versicherten. Dabei definiert eine Beitragsbemessungsgrenze den Höchstbetrag, der vom Einkommen zu entrichten ist. Arbeitgeber und Arbeitnehmer bringen diesen Beitrag gemeinsam auf.
Alter, Geschlecht oder das gesundheitliche Risiko haben im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung keinen Einfluss auf die Beitragshöhe.

Beitragsfreie Familienversicherung

Zum solidarischen Kern der GKV gehört die beitragsfreie Familienversicherung. Beitragsfrei mitversichert sind der Ehegatte oder der gleichgeschlechtliche eingetragene Lebenspartner und die Kinder eines Mitglieds. Voraussetzung für die Versicherung der Familienangehörigen ist jedoch, dass sie ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben. Das steuerlich relevante Gesamteinkommen des Familienmitglieds darf im Monat 350 Euro nicht übersteigen (gültig für 2007), bei geringfügiger Beschäftigung liegt diese Grenze bei 400 Euro.

Kinder sind grundsätzlich bis zum 18. Lebensjahr beitragsfrei mitversichert. Wenn Kinder nicht erwerbstätig sind, endet für sie die Familienversicherung mit der Vollendung des 23. Lebensjahres. Sie endet mit Vollendung des 25. Lebensjahres, wenn sich das Kind in Schul- oder Berufsausbildung befindet oder ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr leistet.

Private Krankenversicherungen

Angestellte, die 2008 mehr als 48.150,- Euro verdienen, (4.012,50 Euro monatlich), sind nicht mehr versicherungspflichtig. Die Einkommensgrenze wird jährlich an die allgemeine Lohn- und Gehaltsentwicklung aller Versicherten angepasst. Für selbstständige Berufe und Beamte besteht keine Versicherungspflicht.
Insgesamt sind über acht Millionen Bürger in Deutschland privat krankenversichert. Zudem haben Millionen Menschen eine private Zusatzversicherung abgeschlossen - allein im ambulanten Bereich über fünf Millionen.

Das Sachleistungsprinzip

Die Bezahlung der in Anspruch genommenen medizinischen und pflegerischen Leistungen erfolgt durch die gesetzlichen Krankenkassen. Sie verhandeln mit Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenhäusern und anderen Leistungserbringern über die genaue Verteilung der zur Verfügung stehenden Mittel.

Die Praxisgebühr

Gesetzlich Versicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, bezahlen eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal bei erstmaliger Inanspruchnahme eines Arztes. Bei der Überweisung zu weiteren Ärzten wird die Gebühr nicht erneut fällig.
Für Zahnarzt-Behandlungen gilt die gleiche Regelung. Jedoch wird für zwei zahnärztliche Kontrolluntersuchungen im Jahr keine Praxisgebühr erhoben.

Zuzahlung für Medikamente

Für Medikamente wird eine Zuzahlung von 10 Prozent der Kosten erhoben. Höchstens allerdings 10 Euro, mindestens 5 Euro. Wenn die Kosten unter 5 Euro liegen, ist der tatsächliche Preis zu zahlen. Die jährliche Eigenbeteiligung der Versicherten darf zwei Prozent der Bruttoeinnahmen nicht überschreiten. Daher müssen alle Zuzahlungsbelege gesammelt werden. Für chronisch kranke Menschen gilt eine Grenze von ein Prozent der Bruttoeinnahmen. Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind von Zuzahlungen befreit. Sonderregelungen gibt es für Familien und Bezieher von Sozialhilfe.

 

Freie Arztwahl

Im Unterschied zu vielen anderen Ländern können die Patientinnen und Patienten im deutschen Gesundheitssystem frei wählen, welchen Arzt sie im Krankheitsfall aufsuchen. Sie können sich auch freiwillig für einen Hausarzt als ständigen Partner entscheiden und müssen sich gegenüber ihrer Krankenkasse verpflichten, Fachärzte nur auf Überweisung des Hausarztes in Anspruch zu nehmen.

Ein Arzt auf 265 Bürger

Hohe Arztdichte – im Bundesdurchschnitt kommt ein Arzt auf 265 Einwohner. Die höchste Ärztedichte in Deutschland haben die drei Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg, die geringste Brandenburg, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Die Versorgungsdichte mit Zahnärzten, Krankenschwestern und Apothekern liegt dagegen im europäischen Durchschnitt.
Es gibt ca. 388.000 Ärztinnen und Ärzte (davon Kassenärzte ca. 117.000) und ca. 80.000 Zahnärztinnen und –ärzte (davon Kassenzahnärzte ca. 55.000).
Es bestehen 93.556 vertragsärztliche Einrichtungen (Einzelpraxen, Gemeinschaftspraxen und Medizinische Versorgungszentren.

Viele Krankenhäuser

In Deutschland besteht eine hohe Dichte an Krankenhausbetten - 6,4 Betten je 1.000 Einwohner (im Vergleich: Frankreich 3,8, England 3,6). Es gibt 3.407 Krankenhäuser, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen (davon Allgemeine Krankenhäuser: 1.846) und 35 Universitätskliniken.

Milliarden für die Gesundheit

Knapp 240 Milliarden Euro jährlich werden in Deutschland für die Gesundheit ausgegeben. Den größten Anteil an den Gesundheitsausgaben trägt die gesetzliche Krankenversicherung mit rund 148 Milliarden Euro. Der Anteil der Privaten Krankenversicherung an den Gesundheitsausgaben beträgt 17,3 Milliarden Euro.

Ein Gesundheitsfonds wird eingeführt

Mit der Gesundheitsreform wurde die Einführung eines Gesundheitsfonds beschlossen. Er soll in Zukunft die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bündeln.

Ab dem 1. Januar 2009 zahlen alle Beitragszahler den gleichen Beitragssatz. Damit gelten - wie in der gesetzlichen Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung bereits jetzt - einheitliche Beitragssätze auch in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Die Bundesregierung leistet zur pauschalen Abgeltung der Aufwendungen der Krankenkassen für versicherungsfremde Leistungen für das Jahr 2009 vier Milliarden Euro an den Gesundheitsfonds. Ab dem Jahr 2010 erhöhen sich die Leistungen des Bundes um jährlich 1,5 Milliarden Euro bis zu einer Gesamtsumme von 14 Milliarden Euro.

Jede Krankenkasse erhält pro Versicherten eine pauschale Zuweisung sowie ergänzende Zu- und Abschläge je nach Alter, Geschlecht und Krankheit ihrer Versicherten. Der Gesundheitsfonds wird vom Bundesversicherungsamtverwaltet.

(Autor: Horst, Quellen: Bundesgesundheitsministerium, die-gesundheitsreform.de, ESS-Europe.de, pkv.de, DAK)

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