Seminarzeit

Seminarhaus in Münster

Am Sonntag, dem 22. Mai 2011 fanden sich aus der ganzen Republik 17 wissbegierige Freunde und Mitglieder des Vereins VILE e.V. im Franz-Hitze-Haus in Münster ein, um Näheres vom Westfälischen Frieden von 1648 zu erfahren.

Zwei volle Tage lang berichtete der Historiker Dethlefs über die Konflikte, die zum 30jährigen Krieg führten, über die einzelnen Kriegsabschnitte, die Verhandlungen in Münster und Osnabrück und die in den verschiedenen Verträgen festgeschriebenen Ergebnisse.
Dies soll im Folgenden kurz dargestellt werden.

Referent Dr. Detlefs

Nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 war Europa in zunächst zwei, nach dem Aufkommen der Calvinisten in drei Konfessionen gespalten.
Frankreich fühlte sich von der Habsburger Dynastie eingeschlossen, denn diese beherrschte nicht nur das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, sondern über die spanische Linie auch die iberische Halbinsel, Süditalien mit Sardinien, die Gegend um Mailand, die Franche Comté und die spanischen Niederlande, das heutige Belgien.

1618 kam es als Reaktion des calvinistischen Adels in Böhmen gegen die Rekatholisierungsversuche des Kaisers Ferdinand II. zum Fenstersturz in Prag und zur Wahl des calvinistischen Kurfürsten von der Pfalz, dem damals neben der Rheinpfalz auch die Oberpfalz zustand, zum böhmischen König. Es begann der vor allem von Maximilian von Bayern unterstützte Böhmische Krieg. Er führte dazu, dass der sog. Winterkönig seine Länder und seine Kurwürde verlor, sie wurde Maximilian von Bayern übertragen.

Seminarteilnehmer

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Dies wiederum veranlasste protestantische Fürsten gegen die Habsburger ins Feld zu ziehen, die ihrerseits im Frühjahr 1625 Wallenstein mit der Bildung eines Heeres beauftragten. Dessen Erfolge in Norddeutschland führten zunächst zum Eingreifen des dänischen Königs und nach dessen Niederlage im Jahr 1630 zum Eintritt Gustav Adolfs von Schweden in das Kriegsgeschehen. Einerseits wollte er die Protestanten bei ihrem Kampf gegen das 1629 von Ferdinand II ausgesprochene Restitutionsedikt, mit dem alle von den Protestanten eingezogenen Kirchengüter und Stifte an die Katholiken zurückgegeben werden sollten, unterstützen, zum anderen wollte er  den Einfluss Schwedens auf die Ostsee verstärken.

Teilnehmerin und Referent im Gespräch

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1621 endete der Waffenstillstand zwischen Spanien und den calvinistischen niederländischen Provinzen, den heutigen Niederlanden. Spanien versuchte mit seinen Heeren während des bis 1648 dauernden Krieges erfolglos die Macht über diese Gebiete wiederzuerlangen. 1635 griff das katholische Frankreich auf Seiten der calvinistischen Niederlande in den Konflikt ein.

1635 kam es im Frieden zu Prag zu einer Einigung zwischen dem deutschen Kaiser und Sachsen, dem sich die meisten Reichsstände anschlossen. Darin wurde das Restitutionsedikt für 40 Jahre ausgeschlossen, im Gegenzug die Reichsstände verpflichtet, den Kaiser im Kampf gegen ausländische Mächte, d.h. Schweden zu unterstützen. Nachdem sich die militärische Lage der Habsburger, vor allem der Spanier, deutlich verschlechtert, die der Schweden aber gebessert hatte, begann man schließlich ab 1643 mit Friedensverhandlungen.

Seminarteilnehmer bei der Arbeit

Als Verhandlungsorte wählte man Münster für die Katholiken, also den Kaiser, die Franzosen und Spanier, und Osnabrück für die Schweden und protestantischen Fürsten.
In beiden Orten bestand eine verhältnismäßig gute Ernährungslage, zudem lagen die Orte für Schweden und Frankreich verkehrsgünstig. An den Verhandlungen waren etwa 150 Gesandte mit ihrem Gefolge beteiligt, davon 111 deutsche Reichsstände und 38 Diplomaten.

Während der 5jährigen Verhandlungen wurde weiter gekämpft. Einen weiten Raum bei den Verhandlungen nahmen zunächst Verfahrens- und Protokollfragen ein. Während die Verhandlungen in Osnabrück mündlich geführt wurden, erfolgten sie in Münster schriftlich: Die Beteiligten wandten sich schriftlich an einen der beiden Vermittler, den Nuntius oder den hierfür bestellten venezianischen Diplomaten, der die jeweiligen Vorschläge dann weiterleitete.

Besichtigung im Friedenssaal Münster

Beraten wurden die Vorschläge jeweils in fürstlichen, städtischen und kirchlichen Gremien, den Kurien, und zwar jeweils sowohl in protestantischen als auch katholischen Kurien. Zwischen Münster und Osnabrück gab es auf den sog. Friedenswegen reitende Boten, die die Kommunikation herstellten. Praktisch, so berichtete Herr Dethlefs, einigten sich die Großmächte und legten ihre Verhandlungsergebnisse den Kurien zur Abstimmung vor. Es herrschte das Konsensprinzip.

Gemälde des Malers Ter Borch

Mit Vertrag vom 30. Januar 1648, der am 15. Mai 1648 in der Ratskammer in Münster, dem sog. Friedenssaal, ratifiziert wurde, erhielt die niederländische Republik ihre Unabhängigkeit von Spanien. Dieser Vorgang wurde von dem Maler Ter Borch in einem Gemälde festgehalten. In einem weiteren Vertrag wurde die Selbständigkeit der Schweiz anerkannt.

Am 24. Oktober 1648 wurden sodann in Osnabrück der Vertrag zwischen Schweden und seinen Verbündeten mit dem Kaiser und in Münster der Vertrag zwischen Frankreich und dem Kaiser und seinen Verbündeten, denen sich die Reichsstände anschlossen, unterzeichnet. Am 25. Oktober wurden die Verträge in der Öffentlichkeit verlesen. Von da an schwiegen die Waffen.

Aufgrund dieser Verträge erhielt Frankreich dasjenige, was der Kaiser im Elsaß besessen hat sowie verschiedene Brückenköpfe am Rhein, Schweden erhielt Vorpommern mit Rügen und Usedom sowie das Bistum Bremen, aber ohne die Reichsstadt Bremen, und Wismar. Den Erben des enteigneten Kurfürsten von der Pfalz wurde die Rheinpfalz und eine achte Kurwürde eingeräumt.

Besichtigung im Friedenssaal Münster

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Im Reich wurden die Eigentumsverhältnisse an geistlichen Gütern wieder so hergestellt wie sie im Jahr 1924, also vor dem Restitutionsedikt bestanden. Auch die Konfessionszugehörigkeit richtete sich nach dem Jahr 1624. Es blieb wie nach dem Augsburger Frieden dabei, dass der Landesherr die Konfession seiner Untertanen bestimmen konnte. Andersgläubige durften ihre Religion nicht in der Öffentlichkeit ausüben und mussten auswandern. In Städten, die sowohl von Protestanten wie Katholiken bewohnt wurden, wurde geregelt, dass die Verwaltung jeweils paritätisch besetzt wird. Wird ein Amt nur von einer Person ausgeübt, haben sich Katholiken und Protesten periodisch abzuwechseln. Eine ähnliche Regelung wurde für das Bistum Osnabrück beschlossen: Nach dem Ableben des katholischen Bischofs sollte ein Vertreter des Hauses der Welfen als Fürstbischof regieren, nach dessen Tod wieder ein katholischer Bischof.

Die Reichsstände erhielten die volle Souveränität mit dem Recht, Verträge untereinander und mit ausländischen Mächten abzuschließen, ihnen war lediglich verboten, sich gegen den Kaiser zu wenden. Die Stände wurden verpflichtet, ein stehendes Heer zu unterhalten und im Kriegsfall dem Reich zur Verfügung zu stellen. Der Reichstag musste einer Kriegserklärung zustimmen. Die 1648 getroffenen Regelungen hatten bis zum Jahr 1806 als Reichsgrundgesetz Bestand.

Auf dem Domplatz

Den Seminarteilnehmern wurde jedoch nicht nur historisches Wissen vermittelt. Wir wurden auch mit Gedichten, Balladen und Kompositionen von Annette von Droste-Hülshoff vertraut gemacht, hatten Gelegenheit, Adelssitze im Münsterland zu bestaunen sowie die Stadt, den Dom und Botanischen Garten Münsters kennenzulernen.

Annemarie

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