"Der Hase im Rausch"

von Eberhard Esche
Buchtipp von Wolfgang Schleicher

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Nein – eigentlich sollte das Buch ja auch einen anderen Namen bekommen. „Eine kurze Phase meiner Käuflichkeit“. Aber das ist nun aus Gründen der Verkaufsstrategie nur eine unter vielen Geschichten rund um Eberhard Esches Erinnerungen und nun doch nicht die Titelgeschichte. – Ich hatte das Vergnügen Esche bereits 2x bei Soloabenden zu erleben. – Nein – Ich habe nicht geschlafen, wie dereinst ein braver Ehemann, der widerwillig von seiner Frau zu soviel Kultur im Spätsommer 1989 in den „Palast der Republik“ gezerrt wurde.
- Esche ist selbst dann ein Vergnügen, wenn in der ersten Reihe einer schläft und er sein Programm vergisst und sich mit dem „Schlafenden“ über dessen und seine Probleme genüsslich unterhält. Aber manchmal wird auch für ihn das Ganze zu einem „Hundetheater“.

Nun aber zur Titelgeschichte. Dem falschen Osterhasen. Dem, der Glück hat, da ihn der Löwe am Ende doch nicht frisst. – Hätte der gespeist, dann wäre uns die geistige Speise Esches wohl nie so präsentiert worden. Gut, wenn Löwen auf ihre Linie achten. :-) – Ja.
Der Hase hat Esche seine Popularität ins „Nest“ gelegt. Und das ging so: Esche hat wie auch andere „Rampentiere“ nicht pausenlos Lust auf Lichtblitze aus Fotokameras – und schon gar nicht, wenn er seine „geistigen Lichtblitze“ vorträgt. Also spricht er mit dem Knipser mit den Augen, während er weiter seinen Text redet. Natürlich bemerkt es das Publikum und folgt dem Zweikampf der Blicke. Foto oder nicht. Das ist hier die Frage.
Niemand kümmerte es, dass es heute kaum vorstellbar ist, dass der Löwe einen Hasen wieder laufen lässt. Und just als der Knipser seine Chance gekommen sieht und die Kamera in Position bringt drückt Esche ab: „>>Du Strohkopf willst es also wagen, mich zu belästigen mit dem ...<< Das fehlende Wort >>Gebrüll<< ging unter im Lachen und Klatschen eines für Feinheiten so empfänglichen Publikums.“ Es folgt das ganze auf Platte. Dank Zensur nur in stark begrenzter Stückzahl. Und so war der Kult: Esche liest „ Der Hase im Rausch“ da.
Und natürlich will das Publikum von da an bei jeder Veranstaltung diesen Hasen haben.
Das Buch zeigt – Esche ist kein Hase. Aber er verdankt ihm ein wenig Popularität.

Natürlich habe ich wieder Seite 88 bevorzugt gelesen. „ Kurz Kurt schuf sich im Kapitalismus solange seine Pleiten bis der Sozialismus kam. ... Er gründete eine Firma für Lebensmittel, die Firma florierte und Gräsers wurden reich. Wie so etwas und außerdem in einem dem sozialistischen Lager zurecht zugeordneten Land geschehen konnte, dafür muss ich etwas ausholen.“ Und das tut Esche dann auch. Und das Beispiel zeigt: Bei Esche ist doch nicht alles 88. Da ist nicht alles egal wie man es dreht und wendet. Auch die Wende nicht. Und schon gar nicht die „Käuflichkeit“. Aber das ist ja die Geschichte, die eigentlich den Titel geben sollte. Der damals amtierende Intendant des Deutschen Theaters, Thomas Langhoff dazu: „Für jeden deutschen Schauspieler ist Salzburg das Ziel, das er einmal im Leben erreichen will, und nur einen kenne ich, der darauf scheißt, und der ausgerechnet muss an meinem Theater sein.“

P.S.: Mein Lesezeichen in diesem Buch trägt die Aufschrift: „Werde, der du bist“ (Nietzsche)
Es liegt bei einer Seite (88?) richtiger 2+6+8. Da steht: „Was ist groß?“ .....

Autor:

Eberhard Esche, Schauspieler, 1933 in Leipzig geboren
Engagements in Meiningen, Erfurt, Karl-Marx-Stadt
von 1961 -1999 am Deutschen Theater Berlin.

Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN: 3-7466-1354-X
Preis: Euro 8,50

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