"Es geht uns gut"

von Arno Geiger
Buchtipp von Maria Burkard

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Obwohl der Leser schon am Anfang das Ende der Geschichte erfährt, ist dieses Buch spannend.
Es spielt in Österreich und erzählt von drei Generationen, die die Zeit vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg auf ihre Weise erleben. Soweit die Zeitgeschichte in das persönliche Leben eingreift, ist sie beispielhaft und treffend geschildert. Es ist erstaunlich, wie viel Einfühlungsvermögen und Sachkenntnis der junge Schriftsteller, Jahrgang 68, hat.
Das eigentliche Thema ist allerdings die Beziehungen zwischen den Paaren und vor allem zwischen den Generationen. Dem Wunsch, sich zu verstehen und Liebe zu zeigen, steht eine erschreckende Kommunikationslosigkeit gegenüber. Die zeitbedingte Erziehung, die verschiedenen Charaktere, das Beharren auf der elterlichen Autorität, das Bedürfnis sich von den Eltern zu lösen, all das verhindert ein einigermaßen konfliktfreies Zusammenleben.
Die Darstellung der Handlung ist nicht chronologisch ist, die einzelnen Kapitel sind so miteinander verwoben, wie auch das Zusammenleben der einzelnen Generationen. Der Leser etwas Zeit, bis er die familiären Zusammenhänge verstanden hat. Wer sich aber diese Mühe macht, wird durch eine anregende Lektüre belohnt.
Der ältere Leser kann sich mit vielem identifizieren, er kann seine eigene Zeit und deren Probleme wiederfinden.
Der jugendliche Leser kann vielleicht besser verstehen, wie es damals war. Er kann über seinen eigenen Standpunkt nachdenken: Er wird aber auch mit der Frage konfrontiert: Brauchen wir Geschichte, um unseren Platz zu finden?

Aufbau, Handlung, Problemstellung und auch die große Sprachkraft machen dieses Buch zu etwas Besonderem.

Verlag: Carl Hanser Verlag
ISBN: 3-446-20650-7

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