Belgien und seine dreigeteilte Kultur

Geschichtlich bedingt ist der schon seit etwa 1850 anhaltende Konflikt um Sprache, Kultur und Wohlstand zwischen Flamen und Wallonen in Belgien, der immer wieder – gerade erneut in letzter Zeit - aufbricht.

Aufgrund der Verfassungsreformen von 1994 ist die Zuständigkeit für Kultur und Erziehung vollständig auf die drei Sprachgemeinschaften – zu denen auch eine deutschsprachige gehört - übergegangen. Das bedeutet, dass die gesamte staatliche Kulturpolitik Belgiens in deren Kompetenz fällt. Jede der drei Gemeinschaftsregierungen ist dabei befugt, Verträge in ihrem Zuständigkeitsbereich mit ausländischen Staaten abzuschließen. Die Gemeinschaften haben in der Folge auch im Ausland ein eigenständiges Profil aufgebaut. An einigen belgischen Botschaften – so auch in Berlin - stellen sie Kulturreferenten, die der entsendenden Gemeinschaft unterstehen.

Die Gemeinschaften sind die entscheidenden Körperschaften in Sachen Kultur - mit einer Ausnahme: Der Schutz des kulturellen Erbes obliegt weiterhin den Regionen. Die Vorgaben in der Verfassung werden von diesen Körperschaften unterschiedlich ausgelegt. So hat Flandern 1980 beschlossen, Region und Gemeinschaft zu verschmelzen. Die Französische Gemeinschaft wiederum hat 1990 zwei Ministerien geschaffen – das eine für Kultur und Soziales, das andere für Bildung und Forschung –, während die Flämische Gemeinschaft nur ein Ministerium hat, in dem sich eine der sechs Hauptabteilungen um Kulturfragen kümmert.

Belgien ist seit dem 14. Jahrhundert ein Land der großen Maler. Zu den berühmtesten gehören die Gebrüder van Eyck, sowie van der Weyden, Memling, Rubens und van Dyck. Auch der Surrealismus, eine Strömung in Literatur und Bildender Kunst, die in Anlehnung an Freuds Psychoanalyse das Unbewusste darstellen wollte, ist durch Magritte und Delvaux vertreten.

Der Nobelpreisträger für Literatur von 1911 war ein Belgier, der symbolistische Dichter und Dramatiker Maurice Maeterlinck.

Aus Belgien stammt auch der wahrscheinlich berühmteste Krimi-Autor Europas, Georges Simenon, der seinen Kommissar Maigret in über 80 Romanen wortkarg und einfühlsam Verbrechen aufklären lässt.

Das Land ist die Heimat vieler Comics, was nicht sehr bekannt ist. Lucky Luke, die Schlümpfe, Tim und Struppi bilden nur eine kleine Auswahl der Serien, die von belgischen Autoren und Zeichnern verfasst wurden.

Teil der belgischen Kultur sind weiterhin eine originelle Musiktradition, feine Stoffe und Textilien und eine wundervolle Architektur, die besonders an den Brüsseler Jugendstilbauten zu bewundern ist.

Bildungspolitik

Das Gewicht der belgischen Bildungspolitik in der Gesamtpolitik ist erheblich. Es ist Folge des die belgische Geschichte wie ein roter Faden durchziehenden "Sprachenstreites", bei dem es um die Gleichstellung der niederländischen Sprache und flämischen Kultur mit der französischen geht. Die Bildungspolitik war auch eine der Kernfragen der im Juni 2001 nach langen Verhandlungen verabschiedeten Regionalreform (Accord de Lambermont), deren Anliegen u.a. die Stärkung der Finanzkraft der die Bildungspolitik tragenden Gemeinschaften war.

Die flämische Gemeinschaft hat 6 Universitäten und 25 Fachhochschulen, die deutschsprachige Gemeinschaft hat 3 Fachhochschulen (Pädagogik, Krankenpflege), die französische Gemeinschaft besitzt 3 Volluniversitäten; sechs Teiluniversitäten und 30 Fachhochschulen

Horst
(Quellen: Ausw.Amt, Europäisches Kulturportal, mietferien.de)

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